Vater löscht Familie aus und tötet sich selbst

Radevormwald: Trauer und Entsetzen nach Familientragödie

Nachbarn und Anwohner stellten Kerzen auf, legten Blumen nieder, und auch Kuscheltiere wurden vor dem unscheinbaren Einfamilienhaus abgelegt. Foto: Tim Oelbermann
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Nachbarn und Anwohner stellten Kerzen auf, legten Blumen nieder, und auch Kuscheltiere wurden vor dem unscheinbaren Einfamilienhaus abgelegt.

Zu einem Großeinsatz an der Elberfelder Straße in Radevormwald rückten Feuerwehr und Polizei am Freitag aus. Inzwischen steht fest, dass sich in dem Haus eine Tragödie abgespielt hat.

  • Der Familienvater soll seine Frau, seine Töchter und seine Schwiegermutter getötet haben.
  • Danach zündete er das Haus an, bevor er sich selbst umbrachte.
  • Der Bereich rund um das betroffene Wohnhaus ist nach wie vor abgesperrt.

Unser Artikel vom 14. Februar - von Anja Carolina Siebel

Radevormwald. Die Passantin, die am Samstagmittag mit ihrem Hund an dem weißen Haus an der Elberfelder Straße entlanggeht, bringt es auf den Punkt: „Es ist bedrückend. Man findet einfach keine Worte.“ So geht es wohl vielen Menschen, die von der grausamen Tat, die sich am Freitagabend in Radevormwald-Herbeck ereignet hatte, erfuhren. Noch an jenem Abend hatte es geheißen, dass bei einem Wohnungsbrand fünf Leichen entdeckt wurden. Die Polizei hatte aber von Anfang an von einem Kapitaldelikt gesprochen,

Der Obduktionsbericht der Staatsanwaltschaft Köln brachte am Samstagnachmittag dann traurige Gewissheit: Der 41-jährige Familienvater, ein Bundeswehrsoldat, habe seine 37 Jahre alte Ehefrau, die laut RGA-Informationen als Berufsschullehrerin am Berufskolleg in Wermelskirchen angestellt war, die beiden ein und vier Jahre alten Töchter und die 77-jährige Schwiegermutter am Freitag um kurz nach 17 Uhr mit einem Messer getötet, heißt es darin. Anschließend, so die Ermittler, zündete der Bundeswehrsoldat das Haus an und brachte sich selbst ebenfalls mit einem Messer um. Tatmotiv sollen laut Polizeibericht Eheprobleme des Paares gewesen sein.

Radevormwalds Bürgermeister Johannes Mans zeigte sich am Wochenende stark bestürzt über die Bluttat. „Es ist unvorstellbar. Vor allem für die Rettungskräfte, die zunächst ja ausgerückt waren, um einen Brand zu löschen und Menschen zu retten, war das ein grausamer Schock.“ Die Feuerwehrleute hatten am Freitag den Brand schnell unter Kontrolle bekommen, waren aber tief bestürzt aus dem Zweifamilienhaus auf die Straße getreten, mit den Worten: „Da ist nichts mehr zu machen.“ Mans: „Die Rettungskräfte wurden seelsorgerisch betreut.“ Den Hinterbliebenen der Opfer sprach der Bürgermeister sein Mitgefühl aus. Er versicherte, dass auch Eltern und Kinder der beiden Kindertageseinrichtungen, die die vier- und einjährigen Töchter der Familie besuchten, seelsorgerische Betreuung bekommen sollen. „Wir haben uns direkt am Freitagabend mit dem Krisenstab der Stadt zusammengesetzt“, berichtet Johannes Mans auf Nachfrage.

Am Samstagmittag erscheint das grausame Geschehen vom Vortag in Radevormwald fast unwirklich. Das weiße Haus, in dessen Anbau die Schwiegermutter der Familie erst vor einigen Monaten gezogen war, liegt friedlich, von der Februarsonne angestrahlt. Ein mit Schnee bedecktes Auto steht geparkt davor. Hin und wieder kommen Menschen vorbei und legen Blumen und Kerzen vor dem Grundstück ab. So wie Daniela Ehrenreich und ihre Kinder. „Wir kannten die Familie nicht, aber es sind ja kleine Kinder zu Tode gekommen. Das lässt einen einfach nicht kalt“, sagt die Radevormwalderin und zündet eine rote Kerze an. Schweigend stehen sie eine Weile da.

„Hinter das Absperrband sollten die Menschen nicht unbedingt treten, denn sie könnten wertvolle Spuren unbrauchbar machen“, erklärt eine Polizistin, die vor dem Grundstück darauf achtet, dass alle möglichst Distanz halten. „An der Grundstücksgrenze dürfen sie ihre Blumen oder Kerzen aber ruhig ablegen.“

Nachbarin zur Tragödie in Radevormwald: „Sowas traut man doch auch keinem zu“

Betroffenes Schweigen an der Elberfelder Straße, dafür große Gesprächigkeit in den sozialen Netzwerken. In der Radevormwalder Facebookgruppe haben die Moderatoren aus Rücksicht und Respekt vor den Angehörigen der Toten diverse Beiträge bereits gelöscht. Sie waren ihrer Ansicht nach zu anmaßend, oder einfach auch ohne Rücksicht auf die Privatsphäre der Opfer geschrieben. Die meisten wollen aber einfach nur ihr Bedauern und ihre Erschütterung zum Ausdruck bringen. So wie die Nachbarin, die gegenüber der verstorbenen Familie lebt, aber namentlich nicht genannt werden möchte.

„Natürlich liest man viel Quatsch bei Facebook“, räumt sie ein, „aber irgendwie und irgendwo müssen die Leute wohl auch ihre starken Emotionen zum Ausdruck bringen. Ich kannte das Paar und die Kinder nur von Spaziergängen mit den Hunden. Sie waren auf den ersten Blick angenehm, nett. Aber dass sowas bei uns in der Nachbarschaft passiert, das ist total unbegreiflich. Das traut man doch auch keinem zu.“

Update von 18.05 Uhr

Radevormwald. Nach der Familientragödie in Radevormwald steht die Stadt unter Schock. Immer mehr Menschen legen an dem Wohnhaus an der Elberfelder Straße Blumen und Kuscheltiere ab. Auch Grablichter stehen am Tatort. Nach wie vor ist der Gehweg vor dem Haus abgesperrt. Das Technische Hilfswerk war am Samstagnachmittag im Einsatz, um alle Fenster des Hauses mit Spanplatten abzudecken. wi

Update von 14.15 Uhr

Radevormwald. Polizei und Staatsanwaltschaft gehen davon aus, dass der Familienvater seine Ehefrau (37), die beiden Töchter (1 und 4) und seine Schwiegermutter (77) getötet hat. Das ist das Ergebnis der Obduktion sowie weiterer Ermittlungen.

Der Mann (41) soll seine Familie mit einem Messer umgebracht haben. Nach derzeitigem Stand der Ermittlungen zündete er dann das Wohnhaus an, bevor er sich selbst auf die gleiche Weise tötete. Die Tat soll sich kurz vor 17 Uhr abgespielt haben. Kurz darauf wurde die Feuerwehr alarmiert und entdeckte im Rahmen der Löscharbeiten die fünf Leichen in dem Wohnhaus.

Noch am Abend traf die Spurensicherung in Radevormwald ein.

Das Motiv für die Tat soll die gescheiterte Ehe des Paares sein. Davon gehen die Ermittler zurzeit aus. wi

Update vom 13. Februar, 12.30 Uhr

Radevormwald. Nach der Tragödie mit fünf Toten, die sich am Freitagabend in Radevormwald ereignet hat, soll es im Laufe des heutigen Tages nähere Informationen zu den Umständen geben. Bereits am Freitagabend hat eine Mordkommission die Ermittlungen in Radevormwald übernommen. Eine Spurensicherung war mehrere Stunden lang in und an dem betroffen Haus im Einsatz, bevor in der Nacht gegen 2.30 Uhr die Leichen abgeholt wurden. Sie werden nun obduziert.

Das betroffene Wohnhaus wurde noch in der Nacht versiegelt. Nach wie vor ist der Bereich abgesperrt. wi

Die Fenster des Hauses in Radevormwald sind zerborsten.

Unser Artikel vom 12. Ferbruar

Radevormwald. Die Feuerwehr war zu einem Brand in Radevormwald gerufen worden. Vor Ort entdeckten die Einsatzkräfte am Freitag fünf Leichen. Das Feuer war frühen Abend in einem Wohnhaus im Rader Ortsteil Bergerhof ausgebrochen. Die Feuerwehr war gegen 17 Uhr alarmiert worden. Die Einsatzstelle rund um das betroffene Wohnhaus wurde weiträumig abgesperrt. Die Polizei war noch am späten Abend mit zahlreichen Kräften vor Ort. Eine Mordkommission aus Köln hat die Ermittlungen übernommen.

Radevormwald: Unter den Todesopfern sind zwei kleine Kinder

Bei den Todesopfern soll es sich um ein Ehepaar mit zwei kleinen Kindern im Alter von einem und vier Jahren handeln. Außerdem soll laut Einsatzkräften vor Ort eine weitere Familienangehörige, die im ebenfalls betroffenen Nachbarhaus gewohnt hat, unter den Opfern sein.

Das weiße Wohnhaus liegt an einer Hauptstraße in Radevormwald. Von außen deutete am Freitag wenig auf einen Brand hin. Einige Fenster waren zerborsten. Von der Polizei hieß es am Abend: „Wir gehen von einem Kapitalverbrechen aus. Das heißt, wir ermitteln in Richtung Mord, Totschlag, erweiterter Selbstmord.“ Einen Unfall schließe die Polizei unter den vorgefundenen Umständen aus, erklärte Michael Tietze, Polizeihauptkommissar und Sprecher der Oberbergischen Polizeibehörde.

Am Abend kam auch Rades Bürgermeister Johannes Mans zum Tatort an der Elberfelder Straße. Er sagte gegenüber dem RGA: „Ich bin zutiefst geschockt und traurig über das, was hier geschehen ist.“ Viele Nachbarn und später wohl auch Freunde der Familie kamen an den Tatort. Einige mussten von Seelsorgern betreut werden.

Am Samstag will sich die Polizei erneut äußern. Erste Ergebnisse der Spurensicherung werden allerdings erst in der kommenden Woche erwartet.

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