Mein Leben als Papa

Ein Draufgänger, Clown und Charmeur: Michel wird zwei!

Der kleine Mann und das Meer. Na ja, fast. Michel liebt es, die Welt zu entdecken. Zum Beispiel an der Wupper. Foto: gf
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Der kleine Mann und das Meer. Na ja, fast. Michel liebt es, die Welt zu entdecken. Zum Beispiel an der Wupper.

ST-Redakteur Gunnar Freudenberg erzählt vom Alltag mit seinen Söhnen Hannes (4 Jahre) und Michel (2 Jahre!).

Von Lesern und Kollegen bin ich in den vergangenen Wochen oft gefragt worden, ob die Altersangaben in der Dachzeile dieser Kolumne nicht veraltet seien. Michel müsse doch so langsam wirklich schon zwei Jahre alt sein. Mit einer Kollegin habe ich mich über das Geburtsdatum sogar fast gestritten. Es stimmt aber: Michel feiert erst und genau heute seinen zweiten Geburtstag. Auch mit Hannes, der erst im Oktober fünf wird, geriet ich in Diskussionen. „Das ist total unfair“, beschwerte er sich. „Ich bin doch viel eher auf die Welt gekommen als Michel. Warum hat er dann vor mir Geburtstag?“, wollte er wissen. Meine Erklärung fand er nicht einleuchtend. Immerhin konnte ich ihn damit beruhigen, dass auch er sich auf Michels Geburtstag freuen kann. Denn über die Geschenke, die Michel heute auspacken darf, wird sich Hannes genauso freuen. Ein XXL-Bahnhof für die Holzeisenbahn, neue Fahrzeuge für die stetig anwachsende Feuerwehrmann-Sam-Welt im Hause Freudenberg oder Tiptoi-Spiele – Michel hat dieselben Interessen wie Hannes und nutzt das Kinderzimmer seines großen Bruders längst wie sein eigenes.

So ähnlich die Vorlieben der beiden Jungs auch sind, sie sind doch ganz unterschiedliche Typen. Schon rein optisch. Hannes ist Papa 2.0, Michel kommt eindeutig eher nach seiner Mama. Seine braunen Rehaugen lassen vielleicht anderes vermuten, aber scheu ist Michel nicht. Eher ein Draufgänger, ein Clown und ein Charmeur mit viel Temperament. Ein Michel eben, nicht aus Lönneberga, aber wie von Astrid Lindgren erschaffen.

Auch Hannes hat in seinen ersten beiden Lebensjahren viel Blödsinn gemacht, aber im normalen Rahmen. Bei Michel muss man immer auf der Hut sein. Vor allem, wenn er sich zurückgezogen hat und nichts von ihm zu hören ist. Dann bekritzelt er mit Stiften und Hingabe Schränke, Tische und Stühle. Oder er sitzt vor der schönsten Blume im Garten und reißt seelenruhig Blüte für Blüte ab. Oder er rollt das Klopapier ab und macht die Toilette sauber. Während Hannes vor all seinen Handlungen überlegt, macht Michel einfach und entdeckt die Welt auf seine Weise. Immer in guter Absicht natürlich. Und immer mit einem Blick, dass man ihn hinterher trotzdem knuddeln möchte.

Deshalb könnte ich ihn auch nie wie Michel aus Lönneberga zum Schnitzen in den Schuppen schicken. Nicht nur, weil wir keinen Schuppen haben, sondern weil er viel zu lieb ist. Und empathisch dazu. Er ist der Erste, der Hannes tröstet, wenn dieser sich wehgetan hat – manchmal auch wegen ihm. Er trägt mir meine Schuhe hinterher, bringt mir Essen in mein Homeoffice und möchte im Moment sowieso so viel Zeit wie möglich mit mir verbringen. „Danke, Papa“, höre ich mehrmals am Tag. Wenn ich ihn im Auto angeschnallt habe (darf nur ich), sein Essen gepustet habe (darf nur ich) oder ihm die Windel gewechselt habe (darf manchmal leider auch nur ich).

Einschlafen will er abends trotzdem nur bei Mama. Die ist wahrscheinlich kuscheliger als Papa. Obwohl: „Papa auch Dickbauch“, hat er schon festgestellt, nachdem wir in der Stadt einem etwas korpulenteren Mann begegnet sind.

Ich mag sie trotzdem, diese kleine Quatschbacke, die unsere Familie wirklich bereichert hat und mit zunehmendem Sprachtalent noch einiges für die Zukunft verspricht. Michel bleibt eine Herausforderung. Eine schöne. Aber ich bin ja jung. Knapp drei Wochen noch. Dann werde ich 40. Und das mag ich selbst kaum glauben.

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