Mein Leben als Papa

Da ist das Ding! Jubel über die gemeinsame Goldmedaille kennt keine Grenzen

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Lernen vom Meister: Michel und Papa springen Ski.

ST-Redakteur Gunnar Freudenberg erzählt immer samstags vom Alltag mit seinen Söhnen Hannes (5) und Michel (2).

„Willkommen zurück, Gunnar!“ Das Startmenü der Wii-Spielkonsole begrüßt mich freundlich, klingt im nächsten Moment aber vorwurfsvoll. „Du warst seit 4635 Tagen nicht mehr hier.“ Mhm, über zwölf Jahre also. Könnte hinkommen, das Ding staubte wirklich lange Zeit im Schrank vor sich hin. Jetzt bin ich froh, dass wir die Konsole nicht längst verkauft haben. In Corona-Zeiten ohne Kindergarten ist sie eine willkommene Abwechslung für Hannes und Michel, die sich meistens zwar toll beschäftigen können und viel an der frischen (Schnee-) Luft sind, aber manchmal auch Langeweile haben.

Das Schöne an der Wii und dem dazugehörigen Balance Board ist ja, dass man sich bewegen muss. Durch Sensoren werden die Bewegungen des Spielers von den Spielfiguren auf dem Bildschirm umgesetzt. Passend zur Vierschanzentournee fange ich mit Skispringen an, um den Jungs zu zeigen, wie das Spiel funktioniert und wie toll ihr Papa durch die Luft gleiten kann. Als ich mich auf das Balance Board stelle, kommt der nächste Hinweis der Spielkonsole: „Dein Gewicht hat sich seit deinem letzten Besuch verändert.“ Die Mama lacht, ich sage ihr, das könne ja auch heißen, ich hätte abgenommen. 

Dann gehe ich in die Hocke, nehme Schwung auf, springe ab, fliiieeege und lande. . . . . . bei lächerlichen 48 Metern. Auch die Haltungsnoten sind erbärmlich. Letzter Platz. In meiner Erinnerung war ich an der Konsole ein kleiner Sven Hannawald.

Hannes und Michel sind trotzdem begeistert. Nicht unbedingt von meiner Leistung, aber vom Spiel. Hannes springt im ersten Versuch 78 Meter weit und steigert sich später auf 104 Meter. Respekt! Auch Michel ist voll dabei und guckt sich bei Papa und Hannes alles genau ab. Am meisten Spaß macht es ihm aber, wenn er bei der Landung stürzt, was dem ehrgeizigeren Hannes gar nicht so gut gefällt.

Wechseln wir zu Mario Kart, einem Autorennspiel. Dazu gibt es ein Lenkrad in die Hand. Nach wenigen Sekunden ist Hannes nicht mehr ansprechbar. Hochkonzentriert steuert er das Motorrad über die Pisten. Michel jubelt wieder am meisten, wenn sein großer Bruder von der Strecke abkommt und ins Wasser fällt. Irgendwann fühlt sich Hannes bereit für ein Rennen gegen computergesteuerte Gegner – und Michel. Die Ernüchterung: Michel wird Letzter, Hannes Vorletzter. „Das war richtig, richtig schlecht“, ärgert sich Hannes mächtig. Eindeutig: Da braucht jemand eine Wii-Pause.

Zwei Tage später holen wir uns die Olympischen Winterspiele ins Wohnzimmer. Es geht in den Eiskanal von Vancouver. Bobfahren steht auf dem Programm. Und alle Jungs können gemeinsam spielen. Papa schüttelt die Fernbedienung, um den Bob in Schwung zu bringen, Michel gibt den Spielfiguren per Knopfdruck das Kommando, in den Bob zu springen, und Hannes setzt sich auf das Balance Board und lenkt mit seinem Hintern den Bob. Platz vier im ersten Rennen. Knapp an einer Medaille vorbei. Wir verfeinern unsere Technik und steigern uns stetig. „Gut, Gunnar!“, lobt mich Hannes, der mich sonst nie so nennt. Aber jetzt bin ich eben nicht Papa, sondern ein Teamkamerad. Wir holen Bronze. Hannes ballt die Faust. Es folgt Silber! Jawoll! Und dann endlich: Gold für Team Deutschland, Gold für Michel, Hannes und Papa. Wir liegen uns in den Armen. Ein schöner Moment.

„Zeit für eine Spielpause!“, unterbricht die Wii-Konsole unseren Jubel. „Och nö“, denkt der kleine Gunnar in mir. Der Papa in mir sieht es aber ein. Wir haben für die nächsten Wochen ja noch viele Spiele in der Schublade, die wir ausprobieren können. Tennis zeig ich den Jungs aber besser nicht. Als ich das mal gegen den Opa, damals noch nicht mein Schwiegervater, gespielt habe, traf ich ihn mit meinem Schläger und verpasste ihm den größten blauen Fleck seines Lebens. Aber das ist ja auch schon über zwölf Jahre her. . .

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