Mein Leben als Papa

In diesem Jahr ist einfach alles anders – aber nicht alles ist Käse

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ST-Redakteur Gunnar Freudenberg erzählt immer samstags vom Alltag mit seinen Söhnen Hannes (5) und Michel (2).

Kinder und Jugendliche, die bei mir an Halloween vor der Tür standen, hab ich bislang immer mit den Worten „Kommt an Sankt Martin wieder“ weggeschickt. Diesen Quatsch aus Amerika mache ich doch nicht mit. Will ich nicht. Gab es früher ja auch nicht, als ich noch klein war. In diesem Jahr aber taten mir die vier unheimlich verkleideten Jungs, die bei uns klingelten und schüchtern den Spruch „Süßes oder Saures“ vortrugen, irgendwie leid. Ein bisschen Spaß in diesen trüben Corona-Zeiten sei ihnen doch gegönnt. Ich stellte ein paar Süßigkeiten vor dir Tür und bat sie, noch ein Martinslied zu singen. Dankbar und mit einem „Laterne, Laterne“ auf den Lippen zogen sie zum nächsten Haus, wo ihnen niemand öffnete.

Hannes konnte die Situation aus dem Garten heraus genau beobachten. Dort hatten wir nämlich einen Feuerkorb aufgestellt, Würstchen und Marshmallows gegrillt und eine Art privates „Halloween-Sankt-Martin-Lichterfest“ für uns vier organisiert. Am liebsten wäre Hannes trotzdem mit den Jungs mitgezogen. In seinem Alter fängt Halloween nämlich langsam an, extrem spannend zu werden. Es lässt sich ja auch nicht ausblenden. Ob bei Feuerwehrmann Sam, Paw Patrol oder Peppa Wutz – überall wird Halloween gefeiert. Und in jedem Prospekt gibt es schon Wochen vorher gruselige Accessoires und Dekoartikel, die Hannes mit einem „Cool!“ kommentiert. Sogar die Oma, Halloween gegenüber auch eher abgeneigt, ließ es sich nicht nehmen, ihm eine Gespenster-Kette zu schenken. Umso schöner war es zu sehen, dass sich unser kleines Fest im Garten doch eher zu einem Martinsfest entwickelte. Runde um Runde gingen Hannes und Michel mit ihren Laternen durch den Garten und ihre Laterne mit ihnen. Es wurde ein buntes Potpourri an Martinsliedern geboten. Michel sang, so gut es ging, mit. Rabimmel, Rabammel, Rabumm! Bumm Bumm!

Die Laternen hatten sie am Morgen mit der Mama gebastelt. Michel hatte sich für einen gefährlichen Hai entschieden, Hannes für ein schauriges Monster. Das hätte ich bei aller Halloween-Euphorie zumindest erwartet. Stattdessen wollte er lieber eine Maus-Laterne, weil er die „Sendung mit der Maus“ gerade so sehr mag. Beim Stöbern nach einer Vorlage entdeckte er aber eine Käse-Laterne, die ihm noch besser gefiel. Ein Laternenumzug mit Käse-Laterne im eigenen Garten an Halloween. In diesem Jahr ist einfach alles anders, aber nicht alles Käse.

Bleibt zu hoffen, dass wir nächstes Jahr auch wieder ohne Scheu von Haus zu Haus ziehen und uns die Martinsgans bei Oma und Opa schmecken lassen können. Und dass sich Hannes und Michel auch nächstes Jahr noch von Sankt Martin begeistern lassen. Halloween kann ruhig noch ein bisschen warten. Schaurige Gestalten, die bei mir nächstes Jahr vor der Tür stehen, weise ich trotzdem nicht mehr ab. Solange sie Spaß daran haben, mit ihren Freunden um die Häuser zu ziehen, ist doch alles okay.

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