Montagsinterview

Chefarzt: „Abstand halten ist der sicherste Schutz“

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Prof. Dr. Winfried Randerath ist Chefarzt der Lungenfachklinik Bethanien. 

Coronavirus: Prof. Dr. Winfried Randerath, Chefarzt in Bethanien, appelliert, Rücksicht zu nehmen.

Von Simone Theyßen-Speich

Wie ist die Situation der mit dem Virus Sars-CoV-2 Infizierten derzeit?

Solingen. Prof. Dr. Winfried Randerath: Derzeit gibt es vier bestätigte Fälle in stationärer Behandlung in Bethanien, außerdem zwei Verdachtsfälle. Die meisten kommen aus Solingen, einzelne auch aus dem Kreis Mettmann. Es handelt sich bei dieser Zahl nicht immer um die gleichen Patienten. Manche sind entlassen, andere sind neu aufgenommen. Weiterhin gibt es bei uns in Bethanien aber ein großes Aufkommen an Nachfragen von besorgten Bürgern. Das sind zum einen Solinger, die anrufen, um sich zu informieren, aber auch Patienten, die sich testen lassen, etwa weil sie aus einem Skiurlaub in Südtirol zurückgekehrt sind. Die Zahl der positiv getesteten ist deutlich gestiegen. Von Freitag auf Samstag gab es allein zehn neue Fälle, überwiegend in häuslicher Quarantäne. Seit Samstag unterstützt der Malteser Hilfsdienst die Administration (Datenerfassung). Am Samstagabend wurde ein Zelt aufgebaut, in dem Vorgespräche stattfinden.

Wie geht es den Infizierten, die in Bethanien behandelt werden, derzeit gesundheitlich?

Randerath: Den vier Patienten mit gesicherter Infektion geht es gut. Ein Patient, bei dem der Verdacht besteht, aber noch nicht gesichert ist, wird auf der Intensivstation betreut.

Wie stemmt die Belegschaft die zusätzlichen Aufgaben angesichts von Influenza und Noro-Virus, die derzeit auch das Gesundheitssystem belasten?

Randerath: Wir haben derzeit auch bei den Mitarbeitern – wie immer in dieser Jahreszeit – einige Krankheitsfälle. Aber mit extrem großem Engagement von Ärzten, Pflegekräften und allen anderen Beschäftigten schaffen wir es im Moment noch. Alle Patienten mit Terminen und alle Notaufnahmen werden in Bethanien ganz normal behandelt. Der Bereich mit den Corona-Patienten läuft selbstverständlich ganz getrennt. Da gibt es überhaupt keinen Kontakt zu anderen Bereichen des Krankenhauses.

Halten Sie als Mediziner die derzeit in Solingen getroffenen Maßnahmen für ausreichend?

Randerath: Ich denke, wir sind in Solingen sehr gut aufgestellt. Bei den Schul- und Kita-Schließungen achtet der Krisenstab ja darauf, dass Mitarbeiter aus systemrelevanten Bereichen Notbetreuungsplätze für ihre Kinder bekommen. Jetzt halte ich es für wichtig, dass dies für die Mitarbeiter unkompliziert geregelt wird.

Gibt es in Bethanien eine neue Regelung bezüglich Besuchszeit oder Verhaltenskodex im Krankenhaus?

Randerath: Alle drei Solinger Krankenhäuser stehen dazu natürlich in ganz engem Kontakt. Generell ist es unser aller Ziel, die Kontakte und damit eine mögliche Ansteckungsgefahr der Patienten durch Besucher vermieden wird. Es macht deshalb auch Sinn, dass Angehörige sich mit Besuchen im Krankenhaus sehr zurückhalten. Ich möchte eins ganz deutlich machen: Es geht dabei nicht darum, dass Besucher geschützt werden müssen, sondern in erster Linie darum, keine Erreger ins Krankenhaus hineinzutragen. Deshalb halte ich es auch für die Bewohner sinnvoll, dass das Land dazu aufgefordert hat, Besuche im Altenheim auf ein Minimum zu reduzieren. Alte und kranke Patienten sind beim Coronavirus eine besonders gefährdete Gruppe. In den allermeisten Fällen haben die Angehörigen für diese Maßnahmen auch großes Verständnis.

Wie sollte sich jeder Einzelne eigenverantwortlich verhalten?

Randerath: Die zwei wichtigsten Maßnahmen gelten nach wie vor: Handhygiene, also regelmäßig mindestens 20 Sekunden Händewaschen, verhindert die Übertragung des Virus. Und der zweite wichtige Punkt ist, Kontakte zu vermeiden. Alle Reisen, Besuche und Kontakte, die abgesehen vom Berufsalltag oder der Versorgung nicht notwendig sind, sollten derzeit möglichst ausbleiben.

Wie lang kann die Inkubationszeit sein, bevor sich Symptome zeigen?

Randerath: Tückisch an dem Virus ist, dass es schon ansteckend ist, bevor Symptome wie Husten, Fieber oder Durchfall auftreten. Das ist der Grund, warum man Menschenansammlungen derzeit möglichst vermeiden sollte.

Was halten Sie von Tipps, die derzeit in Umlauf sind, um selbst eine mögliche Erkrankung zu erkennen. Etwa zehn Sekunden die Luft anzuhalten, weil ein dann auftretender Husten Hinweis auf eine Fibrose in der Lungen sein könnte?

Randerath: Es ist wichtig, auf mögliche Symptome bei sich selbst aufmerksam zu achten. Solche Selbsttests geben aber keinerlei verlässliche Hinweise über eine mögliche Infektion.

Hilft regelmäßiges Trinken, das Virus aus den Mundschleimhäuten zu spülen?

Randerath: Ausreichend zu trinken ist bei jeder Infektion wichtig, um ein Austrocknen des Körpers zu verhindern. Um das Virus in den Schleimhäuten zu bekämpfen ist das Trinken allerdings nicht geeignet.

HINTERGRUND

KLINIK BETHANIEN Die Solinger Lungenfachklinik wäre im Falle eines Falles auch der Anlaufpunkt für an Covid-19 erkrankte Remscheider. 

HAUSARZT Zuvor empfiehlt sich aber, den Hausarzt zu kontaktieren. Bei Corona-Verdacht sollte dies immer zuerst per Telefon geschehen.

Hier geht es zum Live-Blog zur Corona-Krise in Solingen.

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