Corona-Krise

Sieben-Tage-Inzidenz steigt weiter an: Neue Regeln seit Samstag

Unsere Grafik zeigt die Fußgängerzone in der Stadtmitte – laut städtischer Definition. Hier gilt seit Mitternacht die Maskenpflicht.
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Unsere Grafik zeigt die Fußgängerzone in der Stadtmitte – laut städtischer Definition. Hier gilt seit Mitternacht die Maskenpflicht.

Sperrstunde und erweiterte Maskenpflicht – Feiern in Privatwohnungen vorerst nicht Teil der Verordnung.

  • Die Sieben-Tage-Inzidenz ist in Solingen auf 102,45 (Stand: Freitag, 16.10.) gestiegen.
  • Stadt will vorerst keine Beschränkungen für private Feiern in Privatwohnungen.
  • Mehr Tests sind nicht allein verantwortlich für steigende Zahlen.

Von Katharina Birkenbeul, Björn Boch und Philipp Müller

Solingen. Seit Mitternacht gelten in der Klingenstadt neue Coronaregeln. Dazu gehören unter anderem eine Maskenpflicht in Fußgängerzonen, eine Sperrstunde für die Gastronomie sowie Kontaktbeschränkungen – eine Übersicht der Neuerungen, über die das ST bereits am, Freitag berichtet hatte, finden Sie am Ende des Artikels. Besonders im Hinblick auf die veränderte Maskenpflicht soll am Wochenende vor allem kontrolliert und informiert werden, statt direkt ein Bußgeld zu verhängen.

Von Donnerstag auf Freitag ist die Zahl der gemeldeten Corona-Neuinfektionen um weitere 38 gestiegen. Damit sind in Solingen aktuell 204 Personen nachgewiesen infiziert (Stand: Freitag, 16.10. Am Samstag meldete die Stadt 226 Infizierte) 166 waren es am Donnerstag. Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt damit auf 102,45, sie lag am Donnerstag noch bei 88,3. In Quarantäne befinden sich 1376 Personen – ein neuer Höchstwert, ebenso wie die Zahl der derzeitigen Infektionen und die Inzidenz. 13 mit dem Virus infizierte Menschen sind bisher verstorben. Inzwischen liegen weitere Infektionsfälle in diesen Einrichtungen vor (je eine Person): August-Dicke-Gymnasium, Gesamtschule Höhscheid, Awo-Kita Dönhoffstraße.

Auch weiterhin gebe es nicht den einen, herausragenden Infektionsherd, der dazu führt, dass die Zahlen im Umfeld dieses Ereignisses explodieren, teilt Stadtsprecher Thomas Kraft mit. Vielmehr stecken sich die Menschen nach Auskunft des städtischen Gesundheitsamtes in ihrem alltäglichen Leben an.

„Wir müssen das Geschehen als Stadtgesellschaft ganz schnell besser in den Griff bekommen.“

Jan Welzel, Ordnungsdezernent, über private Feiern als einen Hauptinfektionsgrund

Auch wenn das Infektionsgeschehen sehr vielfältig sei, lasse sich eines ablesen: Viele Ansteckungen gehen von privaten Feiern aus. Ordnungs- und Gesundheitsdezernent Jan Welzel (CDU) fordert: „Hier müssen wir das Geschehen als Stadtgesellschaft ganz schnell besser in den Griff bekommen und die Infektionsrate senken.“

Dezernent Jan Welzel (CDU) appelliert eindringlich an die Vernunft der Solinger.

Welzel mahnt dringend, dies ernst zu nehmen, der Vernunft zu folgen und auch zum Verzicht bereit zu sein. „Nur wenn wir die Kontakte zwischen den Menschen derzeit reduzieren, kann es uns gelingen, die starken Steigerungen der Infektionszahlen in den kommenden Wochen zu bremsen und langsam wieder senken. Und nur, wenn das gelingt, lassen sich noch schärfere Eingriffe verhindern. Nehmen Sie es bitte ernst!“

Dennoch wird Solingen vorerst keine ordnungsbehördlichen Beschränkungen für private Feiern in privaten Wohnungen veranlassen. Die Klingenstadt setzt um, was zwischen NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) und den Kommunen am Freitag in einer Konferenz vereinbart worden ist. Demnach greift die NRW-Corona-Schutzverordnung auch in ihrer neuen Fassung nicht mit einer Regelung ins private Wohnungsrecht ein. „Wir folgen diesem Weg im Moment“, erklärt Jan Welzel. „Aber wir erwarten, dass sich dennoch alle freiwillig an die gültigen Vorgaben halten.“

Das bedeute, auch bei Feiern in der eigenen Wohnung, dem Haus oder Garten die Kontakte zu reduzieren und eine Feier infektionssicher zu gestalten. „Das sollten alle ab sofort berücksichtigen.“ Welzel kündigte zugleich an, dass die Stadt eine Verschärfung nicht ausschließt, falls die Entwicklung und die Erkenntnisse in Solingen dies verlangen.

Weiterhin gilt der dringende Appell: „Verhalten Sie sich jederzeit verantwortungsbewusst und beachten Sie konsequent die AHA-Regeln: Abstand halten, Hygiene beachten, Alltagsmaske tragen.“

Die Gastronomie, die neben der Sperrstunde auch durch Personenbeschränkung getroffen wird, sei nicht das Problem, sondern Teil der Lösung, kritisiert Christoph Becker, Geschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) Nordrhein. „Denn in den Restaurants, Kneipen und Gaststätten können die Menschen kontrolliert und unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln feiern, was in privaten Räumen nicht gewährleistet ist.“

Die Nachfrage nach Tests bleibt groß. 400 bis 500 Personen testet die Lungenfachklinik Bethanien täglich auf das Coronavirus. Vor den Schulferien waren es rund 200 Tests am Tag. Ob dadurch, dass mehr getestet wird, die Zahl der Dunkelziffer sinkt, ist offen. „Der Anstieg der Infektionszahlen ist real“, erklärt Chefarzt Prof. Dr. Winfried Randerath. Natürlich gebe es mehr bestätigte Fälle, wenn mehr getestet wird, aber das sei nicht alleine für den Anstieg der Zahlen verantwortlich, sagt Randerath. Das Testzentrum an der Lungenfachklinik Bethanien hat wegen der hohen Nachfrage sein Angebot ausgeweitet. Getestet wird nun auch sonntags von 9 bis 13 Uhr. Weitere Zeiten: montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr und samstags von 9 bis 13 Uhr. Um Anmeldung, Tel. (02 12) 63 99 99, wird gebeten.

Die neuen Regeln seit Mitternacht

Mund-Nase-Maske: Ausdehnung der Pflicht zum Tragen einer Mund-Nase-Maske auf öffentlichen Plätzen und in Fußgängerzonen (| Grafik).

Sperrstunde: Einführung einer Sperrstunde für Gastronomiebetriebe, die zwischen 23 und 6 Uhr gilt, nebst generellem Außenabgabeverbot von Alkohol beispielsweise für Kioske und Tankstellen.

Veranstaltungen: Begrenzung der Teilnehmerzahl auf 100 Personen (Konzerte, Theater, Sportplätze und -hallen). Ausnahmen bedürfen eines Hygienekonzeptes in Absprache mit dem Gesundheitsamt.

Kontakte: Maximal 5 Leute dürfen sich im öffentlichen Raum treffen, wenn sie nicht verwandt sind oder zu mehr als zwei Haushalten gehören. Das gilt auch für die Gastronomie.

Feiern: Die folgende Regel gilt NRW-weit in Risikogebieten ab Montag, 19. Oktober – und im Unterschied zu den anderen Verschärfungen auch in Solingen erst ab Montag (ab dann müssen bereits genehmigte Feiern reduziert werden): An Festen aus herausragendem Anlass außerhalb einer Wohnung dürfen höchstens zehn Personen teilnehmen. Feiern aus einem solchen Anlass können Samstag und Sonntag also noch mit 25 Personen begangen werden (diese Zahl gilt bereits seit Samstag, 10. Oktober). Auch hier gilt: Auf das Abstandsgebot und das Tragen einer Mund-Nase-Maske darf nur am jeweiligen Tisch verzichtet werden, an dem man sitzt. Sonst ist die Maske auch bei diesen Feiern zu tragen.

Maskenpflicht

In Ohligs müssen Mund-Nase-Masken im Hauptbahnhof selbst, auf dem Bremsheyplatz direkt davor sowie auf der gesamten Düsseldorfer Straße bis einschließlich Marktplatz getragen werden. In Wald sind Kirchplatz, Pützgasse, der Durchstich Richtung Friedrich-Albert-Lange-Schule und der Fußgänger-Abschnitt der Stresemannstraße Teil des Maskenbereichs. Maskenpflicht gilt auch auf allen Wochenmärkten sowie an Bus- und Bahnhaltestellen – und natürlich auch weiterhin im ÖPNV selbst, in den Supermärkten und Geschäften.

Standpunkt: Kultur in städtischer Hand

Von Katharina Birkenbeul

katharina.birkenbeul@solinger-tageblatt.de

Einige Zeit hat es gedauert, bis der Bund einheitliche Regeln für Risikogebiete gefunden hat. Dass diese nicht den Kommunen überlassen bleiben, ist lobenswert. An der Stadt Solingen liegt es allerdings jetzt, inwieweit kulturelle Veranstaltungen in den nächsten Wochen stattfinden können. Dafür müssen die Hygienekonzepte im Theater, in der Cobra und an anderen Orten gemeinsam so erstellt werden, dass möglichst mehr als 100 Personen auf Konzerte, zu Schauspielen oder ins Kino gehen können. Gestern wurde nicht abschließend klar, inwieweit die Stadt Gebrauch davon machen wird, Ausnahmen zuzulassen – angesichts so hoher Fallzahlen verständlich. Doch für die Veranstalter wird es schwer, kostendeckend zu arbeiten und den Winter zu überstehen. Das größere Problem sind aber private Feiern, nicht Veranstaltungen mit guten Hygienemaßnahmen.

Stadt und Robert-Koch-Institut veröffentlichen viele Zahlen, die nicht immer zusammenhängen. Was die Inzidenz ist – und was sie bedeutet.

In unserem Live-Blog finden Sie die neuesten Informationen zu Entwicklungen rund um das Coronavirus in Solingen.

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