Moderner Smart-City-Lichtmast

In Solingen messen immer mehr Sensoren die Wetterdaten

Sensoren messen die Niederschlagsmenge, die Temperatur und vieles mehr. Diese Daten werden ins geplante System der Hochwasservorhersage eingebunden.
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Sensoren messen die Niederschlagsmenge, die Temperatur und vieles mehr. Diese Daten werden ins geplante System der Hochwasservorhersage eingebunden.

Die Stadt beteiligt sich im Rahmen von „Smart City“ an der Hochwasservorhersage.

Von Philipp Müller

Der moderne Smart-City-Lichtmast auf dem Walter-Scheel-Platz vor dem Rathaus ist zugleich Wetterstation. Sensoren messen die Niederschlagsmenge, die Temperatur und vieles mehr. Diese Daten werden ins geplante System der Hochwasservorhersage eingebunden.

Solingen. Schon in diesem Jahr wird die Vorhersage für ein mögliches Hochwasser an Bächen und der Wupper deutlich verbessert. Diese Prognose geben Dirk Wagner und Nils Gerken aus dem Rathaus ab. Die beiden sind Experten für das digitale Jetzt und die computergesteuerte Zukunft der Klingenstadt. Das Stichwort „Smart City“ ist da entscheidend. Mit Bundesmitteln werden viele Sensoren im gesamten Stadtgebiet verteilt. Sie messen viele Wetterdaten. In einem parallel in der Entwicklung befindlichen Programm sollen die Daten zusammengefasst werden. Je mehr Daten und je öfter das Programm damit rechnen kann, je genauer wird die künftige lokale Wetterprognose in Bezug auf die Wasserstände und mögliches Hochwasser.

Nach der Flut Mitte Juli 2021 seien sich die drei Oberbürgermeister der Städte Solingen, Remscheid und Wuppertal, der Wupperverband und auch die Industrie- und Handelskammer (IHK) einig gewesen, dass von der Quelle bis zur Mündung der Wupper und entlang der Bäche die Pegel exakter gemessen werden müssen, sagt Dirk Wagner. Mit ins Netzwerk kam Dr. Andreas Groß (| Kasten) von der Berger-Gruppe in Kohlfurth, der viele Ideen beisteuert. Dazu sind die Uni Wuppertal und das Fraunhofer-Institut als wissenschaftliche Partner eingebunden.

„Schon 2022 können wir den Ist-Zustand gut abbilden.“

Nils Gerken, Stadt Solingen

Solingen sei als eine vom Bund unterstützte Pilotstadt für eine „Smart City“ im Vorteil, betonen Wagner und Gerken. „Schon 2022 können wir den Ist-Zustand gut abbilden“, verspricht Nils Gerken. Das soll – in aller Kürze beschrieben – so passieren: Im Stadtgebiet werden viele Sensoren zusätzlich aufgestellt, die Wetterdaten liefern. Das werde umfangreich, beschreibt Gerken. Einige eher als Straßenlaterne sichtbaren Masten messen die Temperatur, die Niederschlagsmenge, den Wind oder auch die Feinstaubbelastung. Andere Sensoren werden Pegel an den städtischen Server schicken. „Da haben wir etwa die Itter oder den Nacker Bach im Blick“, erklärt Dirk Wagner. Messstellen für Bodenfeuchte kommen hinzu, auch in Regenrückhaltebecken wird der Füllstand gemessen. Die Summe der Daten und deren Veränderung in Bezug auf die Wetterlage sollen künftig die Prognose erleichtern. Aber ein besseres Abbilden des Ist-Zustands werde auch dem Krisenstab der Stadt frühere und genauere Lagen für den Notfall liefern können, ist Wagner sicher. Die Sensoren stellen die Daten dabei mit verschiedenen Funkstandards bereit, die, so sagt es Wagner, „schnell die PS auf die Straße bringen“.

Die Daten sind keine Geheimsache. Gerken beschreibt auch da den Weg: Über die Homepage der Stadt, die im Stadtgebiet aufgestellten Info-Stelen und die Solingen-App werden das alle Solinger sehen können. Das wird es schon im Verlauf des Jahres 2022 geben.

Doch Dirk Wagner sagt auch: „Die Stärke liegt im Verbund.“ Damit meint er, dass es für den Ist-Zustand und später die Prognose auch die Daten aus anderen Städten braucht. Da sieht er Solingen und die Nachbarstädte aber auf gutem Weg. Alle hätten erkannt, dass es nur gemeinsam gehe. So laufen auch bereits Gespräche mit dem Rheinisch-Bergischen Wasserverband, der für Wald und Ohligs zuständig ist.

Der nächste Schritt ist dann, die Daten auf der gleichen Plattform zu sammeln. Solingen biete sich da durch die Erfahrungen als Projektstadt für Smart City und die bestehende digitale Infrastruktur an. Dirk Wagner berichtet, dass das NRW-Wirtschaftsministerium von Prof. Andreas Pinkwart (FDP) neben dem Bundesinnenministerium als Geldgeber angesprochen worden sei, um das Modell auf die Nachbarkommunen auszuweiten. „Der Minister wäre nicht gut beraten, wenn er das nicht ermöglicht“, meint Wagner. Denn das System entlang der Wupper tauge für alle Hochwasserregionen. | Standpunkt

Ein Projekt mit vielen Akteuren

Neben den Städten, den Wasserverbänden und den Partnern aus der Wissenschaft ist auch der Ingenieur Dr. Andreas Groß eingebunden. Er ist Geschäftsführer der Berger-Gruppe. Die Firma in der Kohlfurth wurde im Juli überflutet. Er macht wie Solingen Tempo bei der Umsetzung besserer Datenerfassung. 16 seiner Sensoren an Gewässern liefern schon Daten. Groß begrüßt, dass die Kommunen über die Stadtgrenzen hinaus denken und das Projekt ans Laufen bringen. Er lobt die Zusammenarbeit mit dem Solinger Rathaus.

Standpunkt: Digitale Chancen nutzen

Von Philipp Müller

philipp.mueller@solinger-tageblatt.de

Die hohen Pegel an Wupper und den Bächen im Juli boten den betroffenen Kommunen keine Basis, um frühzeitig Alarm auszulösen. Wer neben dem Wetter Schuld an den Schäden trägt, bleibt weiter umstritten. Die Stadt Solingen macht sich jetzt schnell auf den Weg, dass es eine solche Nachbetrachtung nicht mehr braucht. Gemeinsam mit den privaten, wissenschaftlichen und kommunalen Partnern entsteht aktuell mit viel Tempo ein neues Zeitalter. Technik, Hirnschmalz und gemeinsamer Wille sollen es für die Bewohner entlang der Gewässer in Sachen Hochwasser zunächst in einem Punkt sicherer machen: Man wird früher erkennen, wie sich Pegel und Niederschlagsmengen zueinander verhalten und warnen können. Das eher in der Wahrnehmung im Hintergrund laufende Projekt „Smart City“ bekommt so große Aktualität. Im digitalen Zeitalter steckt sehr viel Potenzial, uns allen das Leben zu erleichtern. Da sind wir noch ganz am Anfang: Auch bei der Bewältigung des Klimawandels geht es nicht ohne Computer – der Mensch muss nur etwas draus machen.

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