Kaffeekultur

In Solingen entsteht eine neue „Spezialitäten-Kaffeerösterei“

Noch ist in der und rund um die Hossenhauser Straße 223 viel zu tun, doch im Dezember möchte Jan-Pascal Wunderlich dort mit dem Rösten beginnen.
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Im Dezember möchte Jan-Pascal Wunderlich mit dem Rösten beginnen.

Mit der Rösterei in der Katternberger Maschinn möchte der Gründer Jan-Pascal Wunderlich eine neue Kaffeekultur nach Solingen bringen.

Von Manuel Böhnke

Solingen. Bis zu 100 Schleifer arbeiteten zu Hochzeiten in der Katternberger Maschinn. Die Geschichte des markanten Gebäudes an der Hossenhauser Straße geht auf die 1880er Jahre zurück. Jan-Pascal Wunderlich möchte sie fortschreiben. Er plant, im Erdgeschoss der Immobilie eine „Spezialitäten-Kaffeerösterei“ zu eröffnen. Der Umbau läuft, der Start ist für Dezember vorgesehen. Der Gründer verfolgt ehrgeizige Ziele: „Ich möchte eine neue Kaffeekultur nach Solingen bringen.“

So kam der Gründer zum Kaffee

Mit dem Projekt erfüllt sich der 33-Jährige einen Traum. „Ich wollte mich schon länger selbstständig machen.“ Stringent war der Weg dorthin nicht. Einige Semester studierte Wunderlich Lehramt, konnte sich jedoch mit der akademischen Lehre nicht anfreunden. Stattdessen begann der Neuruppiner, der in Marburg geboren ist, sich mit Kaffee zu beschäftigen.

Das macht guten Kaffee aus

Während des Studiums in Rostock sammelte er erste Erfahrung als Barista. Er stieg tiefer ins Thema ein. Das Problem: „Barista ist kein Ausbildungsberuf, ich wollte aber etwas vorweisen können.“ Deshalb entschied sich Jan-Pascal Wunderlich für eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann – passenderweise bei einem Kaffeefahrrad-Franchise in Osnabrück.

Die Deutschlandreise des 33-Jährigen setzte sich fort. Nächster Halt: Potsdam. In der Hauptstadt Brandenburgs war er bei der Buena Vida Coffee GmbH unter anderem für das Rösten verantwortlich. Er beschäftigte sich mit dem Handwerk, Techniken, belegte Kurse, sammelte Zertifikate. Das Motto: „Learning by Doing.“

Der Job gefiel Jan-Pascal Wunderlich. Doch der Wunsch nach einer eigenen Rösterei verschwand nicht. Die passende Immobilie steht an der Hossenhauser Straße. Auf das Objekt ist der Gründer über seine Lebenspartnerin Carolin Gutsche, eine gebürtige Solingerin, aufmerksam geworden. Ihre Familie betreibt einen Dachdeckerbetrieb in Wülfrath. Um die Kunden in der Klingenstadt besser versorgen zu können, hat das Unternehmen die frühere Katternberger Maschinn erworben.

Noch ist in der und rund um die Hossenhauser Straße 223 viel zu tun.

Das Gebäude bietet nicht nur Lagerflächen und Raum für Wohnungen. Es ermöglicht zudem Jan-Pascal Wunderlich, seinen Traum zu erfüllen. Vorher wartet viel Arbeit: „Die Sanierung ist aufwendig.“ Innen wie außen werden die Gemäuer vollständig modernisiert. Wunderlich ist allerdings zuversichtlich, ab Dezember rösten zu können. „Es wird noch nicht perfekt sein, ich möchte aber endlich loslegen.“ Rund 150 000 Euro investiert er in das Projekt. Ein hoher Kostenpunkt: die Technik. Das Herzstück, der Heißluftröster, kommt von der Firma Loring aus den USA, gilt mit Blick auf den Gasverbrauch als effizient. Hinzu kommen unter anderem eine Abpackstation und Software, um die ideale Behandlung für bestimmte Kaffeesorten einzustellen.

Die Bohnen möchte Jan-Pascal Wunderlich aus mehreren Quellen, etwa El Salvador, beziehen. Wichtig sei ihm, bevorzugt auf kleinere Importeure zu setzen, so direkt wie möglich zu handeln. Seine Zielgruppen sind neben Privatkunden und Gastronomen auch Unternehmen.

Aus dem Rösten kann man eine Wissenschaft machen.

Jan-Pascal Wunderlich, Gründer

Der Verkauf soll einerseits über einen Online-Shop erfolgen. Andererseits plant Wunderlich, Kunden in der Rösterei an der Hossenhauser Straße zu empfangen. Events und Seminare schweben ihm vor. Außerdem soll es einen Café-Betrieb geben. Der sei zunächst für die Wochenenden vorgesehen, um Wanderern Einkehr zu ermöglichen.

„Aus dem Rösten kann man eine Wissenschaft machen“, sagt der 33-Jährige. Entscheidend sei, sich vor dem Prozess Gedanken zu machen. Ist die Bohne eher fruchtig? Dann sollte man nicht zu dunkel rösten. Letztlich lasse sich die Aufgabe auf einen simplen Grundsatz reduzieren: „Die Röstung muss zur Bohne passen.“

Jan-Pascal Wunderlich ist überzeugt, dass es für seine Geschäftsidee einen Markt in Solingen gibt. Immer mehr Menschen beschäftigen sich mit Kaffee – mit zum Teil genauen Vorstellungen von Qualität und Geschmack. Der 33-Jährige sieht das nicht verbissen. Gut sei Kaffee dann, wenn er dem Trinkenden schmeckt. So einfach kann es sein.

Informationen

Im Internet sind weitere Informationen zu Jan-Pascals Wunderlichs Gründungsvorhaben zu finden. Im Sozialen Netzwerk Instagram informiert er unter dem Namen „wunderlichcoffee“ über den Fortschritt des Projektes.

www.wunderlich.coffee

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