Stadt bietet weiter Johnson & Johnson an

Zunahme bei Erstimpfungen: Die Zahlen steigen in Solingen wieder an

Vor dem Medimobil am Frankfurter Damm bildete sich am Mittwoch eine Schlange. Einige der Impflinge gaben im Gespräch mit dem ST an, dass sie sich impfen lassen, weil ihnen die Tests zu teuer seien. Sie könne sich das schlicht nicht leisten, sagte eine Frau vor Ort. Foto: Michael Schütz
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Vor dem Medimobil am Frankfurter Damm bildete sich am Mittwoch eine Schlange. Einige der Impflinge gaben im Gespräch mit dem ST an, dass sie sich impfen lassen, weil ihnen die Tests zu teuer seien. Sie könne sich das schlicht nicht leisten, sagte eine Frau vor Ort.

Seit Beginn der Woche müssen Corona-Tests selbst bezahlt werden.

Von Björn Boch und Manuel Böhnke

Solingen. Für viele Menschen sind die Corona-Bürgertests seit Montag nicht mehr kostenlos. Die Bundesregierung argumentiert mit dem ausreichenden Angebot an Impfstoffen: Wer sich impfen lassen kann, das aber nicht tut, muss die Tests nun bezahlen. Das führt nach ST-Recherchen in Solingen zu einem – wenn auch leichten – Anstieg der Impfzahlen. Die offiziellen Zahlen gibt die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein wöchentlich bekannt, das nächste Mal am Montag.

In vielen Bereichen des öffentlichen Lebens gilt die 3G-Regel. Einlass erhält, wer geimpft, von Corona genesen oder negativ getestet ist. 2G, der Zugang also nur für Geimpfte und Genesene, wird von einigen privaten Betreibern angewandt, gilt aber nicht flächendeckend.

„Ja, wir verzeichnen eine Zunahme der Nachfrage bei Erstimpfungen“, berichtet Olivier Weh-Gray, Sprecher der Solinger Kassenärzte, auf ST-Anfrage. Sein Kollege Dr. Stephan Kochen, Vorsitzender des Ärztenetzwerks Solimed, bestätigt diesen Eindruck, auch wenn er den Anstieg als eher gering bewertet. „Bei den mobilen Impfungen dagegen gibt es mehr Andrang.“

„Die Stadt macht dazu keine Vorgaben und bietet alle Impfstoffe an.“

Annette Heibges, Gesundheitsamt, über Johnson & Johnson

Das war in dieser Woche am Frankfurter Damm zu beobachten. Dort impft das Medimobil im Auftrag der Stadt kostenlos jeden Mittwoch zwischen 12 und 18 Uhr – sowie donnerstags und freitags vor dem Hauptbahnhof. Vorigen Mittwoch hatte sich vor dem Mc Donald’s in Wald eine Schlange gebildet, Zahlen der Stadt belegen den Anstieg: Wurden am 6. Oktober noch insgesamt 73 Menschen bei Mc Donald’s sowie bei einer Schulaktion geimpft, waren es vorigen Mittwoch allein 94 am Frankfurter Damm. „Bei den mobilen Impfungen ist die Nachfrage ein wenig größer geworden“, so Stadtsprecher Daniel Hadrys. „Unsere Hoffnung ist, dass wir mit der Eröffnung des stationären Impfangebotes in den Clemens-Galerien wieder mehr Menschen erreichen.“ Am Montag startet dort wie berichtet ein „Mini-Impfzentrum“.

Dort und im Medimobil wird neben anderen Vakzinen weiter Impfstoff von Johnson & Johnson angeboten. „Weder die Ständige Impfkommission noch das Robert-Koch-Institut haben ihre Impfempfehlung zurückgenommen“, betont Gesundheitsamtsleiterin Dr. Annette Heibges. Es werde zwar eine Zweitimpfung für Johnson & Johnson empfohlen. Der vollständige Impfschutz bestehe aber nach der ersten Impfung.

Es sei die freie Entscheidung jedes Einzelnen, mit welchem Impfstoff er sich impfen lasse, so Heibges. Da könnten andere Erwägungen als medizinische eine Rolle spielen. So gelte vollständiger Impfschutz 14 Tage nach der Impfung mit Johnson & Johnson, bei anderen Vakzinen brauche es fünf Wochen. Reisen, die Teilnahme an Veranstaltungen oder Angst vor Nebenwirkungen beeinflussten die Entscheidungen. „Die Stadt macht dazu keine Vorgaben und bietet alle Impfstoffe an“, so Heibges.

Nachfrage gibt es auch weiterhin nach Tests. In den Testzentren in der Alten Maschinenhalle sowie an der Wittenbergstraße liege das Aufkommen in dieser Woche knapp 30 Prozent unter der Nachfrage der vergangenen Monate, schätzt Alexander Klein, einer der Verantwortlichen. Aktuell sorgen vor allem Gruppen, die weiterhin Anspruch auf kostenlose Tests haben, für Frequenz – dazu gehören etwa Schwangere (siehe unten).

„Zu uns kommen aber auch einige, die selbst bezahlen“, berichtet Klein. Aktuell gebe es Überlegungen, eine Flatrate einzuführen: einmalig einen Betrag zahlen und sich dann einen Monat lang testen lassen, so oft man möchte. Diskussionen über das Ende der kostenlosen Bürgertests habe es nur am Montag und Dienstag gegeben. „Einige hatten die Umstellung nicht mitbekommen.“

Angesichts der aktuellen Auslastung gebe es keine konkreten Pläne, die Teststellen am Grünewald und in Ohligs zu schließen. „Wir gehen davon aus, dass es noch einige Monate eine Nachfrage gibt“, sagt Alexander Klein. Bei sinkender Auslastung werde man zunächst die Öffnungszeiten reduzieren. Alexander Bauer, der mit der Turm- und der Alexander-Apotheke zwei Testcontainer auf dem Neumarkt hat, will sich Ende Oktober die Zahlen anschauen und dann entscheiden, wie es weitergeht.

Ausnahmen

Wer keine Möglichkeit hat, sich impfen zu lassen, kann sich „mindestens einmal wöchentlich kostenlos mit einem Schnelltest testen lassen“, so die Bundesregierung. Das gilt etwa für alle unter 12 Jahren oder Menschen, für die eine Impfung aus medizinischen Gründen nicht infrage kommt.

Coronavirus: Das sind die Schnelltest-Zentren in Solingen

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