Pandemie

Impfpflicht: Erste Solinger Zahlen liegen vor

Seit Beginn der Pandemie steht die Personalsituation im Gesundheitsbereich besonders im Fokus. In den kommenden Jahren könnte sich die Situation verschärfen. Foto: Tim Oelbermann
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Seit Beginn der Pandemie steht die Personalsituation im Gesundheitsbereich besonders im Fokus. In den kommenden Jahren könnte sich die Situation verschärfen.

Das Gesundheitsamt geht Hinweisen auf gefälschte Kontraindikationen nach. Dabei handelt es sich um Erklärungen, dass sich die Betroffenen aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können.

Von Manuel Böhnke

Solingen. Seit dem 15. März gilt die einrichtungsbezogene Impfpflicht für den Gesundheits- und Pflegebereich. Inzwischen liegen die ersten Solinger Zahlen vor, sagte Guido Krämer am Dienstagabend im Sozialausschuss. Der Verwaltungsleiter beim Stadtdienst Gesundheit berichtete, dass bislang zwölf Unternehmen und Einrichtungen ihre Daten an die Verwaltung gemeldet hätten. Von den 1316 dort Beschäftigten haben 37 nicht rechtzeitig eine Corona-Schutzimpfung nachgewiesen.

„Uns liegen Nachweise vor, die offensichtliche Fakes sind.“

Guido Krämer, Gesundheitsamt

Die von der Impfpflicht betroffenen Einrichtungen müssen dem Stadtdienst Gesundheit die Daten von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern melden, die nicht den notwendigen Impf- oder Genesenennachweis vorlegen können. Dafür hat das Land Nordrhein-Westfalen einen Online-Dienst eingerichtet. Die Meldefrist läuft am 31. März ab. Deshalb rechnet Krämer damit, in einigen Wochen umfassendere Zahlen liefern zu können.

Ein Teil der 37 nicht immunisierten Personen hat dem Gesundheitsamt zufolge eine Kontraindikation vorgelegt. Dabei handelt es sich um eine Erklärung, dass sich die Betroffenen aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können. Diese Dokumente werden eingehend geprüft, betonte Krämer: „Uns liegen Nachweise vor, die offensichtliche Fakes sind.“ Es gebe Online-Anbieter, die Kontraindikationen ausstellen – dort seien auch Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen über das Internet erhältlich. Erhärtet sich der Fälschungsverdacht, werde die Polizei über den Sachverhalt informiert.

Alle Mitarbeiter, die bislang keinen Immunisierungsnachweis vorgelegt haben, fordert das Gesundheitsamt auf, diesen nachzuliefern. Geschieht das nicht, folgen eine Anhörung und die Entscheidung, ob ein Betretungsverbot für die Einrichtung ausgesprochen wird. Die Verwaltung geht davon aus, dass es in manchen Fällen zu juristischen Auseinandersetzungen kommt.

Zwei Mitarbeiter des Gesundheitsamtes seien mit dem Verfahren betraut, erklärte Krämer. Das Land habe zugesagt, die Personalkosten zu erstatten. In welchem Umfang dies erfolgt, sei noch unklar.

Altenzentren in Solingen: Ein Viertel der Beschäftigten nähert sich der Rente

Der Sozialausschuss hat sich in dieser Woche auch mit der Ausbildungssituation in der Pflege beschäftigt. Anlass war ein Antrag der CDU-Fraktion aus dem vergangenen Herbst. Die Verantwortlichen im Städtischen Klinikum gehen davon aus, in der kommenden Dekade pro Jahr 60 bis 70 neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewinnen zu müssen, um die Fluktuationsquote auszugleichen. Primär soll das durch die Übernahme von Absolventen gelingen. Um die nötigen Kräfte zu finden, setzt das Klinikum auf internationales Recruiting und höhere Ausbildungskapazitäten. Bundesfreiwilligendienste, Freiwillige Soziale Jahre und Praktika sollen einen Beitrag leisten, Ausbildungsverhältnisse anzubahnen. Zudem müssten verschiedene Maßnahmen ergriffen werden, um die Attraktivität als Arbeitgeber zu steigern.

Auch die Altenzentren der Stadt Solingen beschäftigen sich intensiv mit der Frage, wie sich neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewinnen lassen. Die Personalsituation sei „schon seit geraumer Zeit besonders angespannt“, skizzierte die Verwaltung in ihrer Vorlage für den Sozialausschuss. Als Gründe dafür werden etwa die hohe psychische und physische Belastung, unbequeme Arbeitszeiten und nicht leistungsgerechte Bezahlung angeführt.

Der demografische Wandel verschärft die Situation: Fast 25 Prozent der Pflegekräfte in den Altenzentren gehen innerhalb der kommenden zehn Jahre in Ruhestand.Die Verantwortlichen versuchen, dieser Entwicklung und der üblichen Fluktuation mit einer „vorausschauenden Personalwirtschaft“ entgegenzuwirken. Dabei spiele das Gewinnen neuer Auszubildender eine entscheidende Rolle. Doch das erweist sich als schwierig. Nicht nur fehlen Praxisanleiter. Auch das Interesse von Schulabgängern sei überschaubar.

Impfpflicht

Seit dem 15. März müssen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Gesundheits- und Pflegebereich über einen Impf- oder Genesenennachweis verfügen. Das gilt unter anderem für Beschäftigte in Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen, ambulanten Operationszentren, Rehabilitationseinrichtungen, Tageskliniken, Arztpraxen, ambulanten Pflegediensten sowie im Rettungsdienst.

Standpunkt

manuel.boehnke@solinger-tageblatt.de

Kommentar von Manuel Böhnke

Körperlich und psychisch harte Arbeit, Schichtdienst, maue Bezahlung – für viele Schulabgänger ist ein Job in der Pflege nicht attraktiv. Und das ist verständlich. So erfüllend es ist, anderen zu helfen: Die Rahmenbedingungen sind bei weitem nicht so gut, wie sie sein sollten. Zu Beginn der Corona-Pandemie wurde für Pflegekräfte applaudiert, inzwischen ist das Thema wieder aus dem Fokus der Öffentlichkeit verschwunden. Verdrängen lassen sich die Probleme aber nicht. Das beweist das Beispiel der städtischen Altenzentren: Knapp ein Viertel der Belegschaft erreicht dort in den kommenden zehn Jahren das Renteneintrittsalter. Der demografische Wandel macht sich nicht nur aufseiten der Beschäftigten bemerkbar: Während das Personal weniger wird, steigt die Zahl der Pflegebedürftigen. Die Herausforderung wird sich nicht allein mit qualifizierter Zuwanderung lösen lassen. Denn nicht nur in Deutschland sind gut ausgebildete Pflegekräfte gefragt. Hierzulande müssen Maßnahmen ergriffen werden, um die Attraktivität des Berufsbilds zu steigern. Ohne erheblichen finanziellen Aufwand wird das nicht funktionieren. Das muss uns gute Versorgung wert sein.

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