Coronavirus

Impfen ohne Termin ab Montag im Solinger Impfzentrum möglich

Leere Stühle im Impfzentrum: Unser Foto entstand vor der offiziellen Inbetriebnahme. Bald könnte es dort wieder so aussehen, die Nachfrage nach Terminen sinkt. Foto: Christian Beier
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Leere Stühle im Impfzentrum: Unser Foto entstand vor der offiziellen Inbetriebnahme. Bald könnte es dort wieder so aussehen, die Nachfrage nach Terminen sinkt.

Weil die Nachfrage sinkt, plant die Stadt weitere Sonderaktionen – Ärzte suchen ebenfalls Impfwillige

Von Björn Boch

Solingen. In der Klingenstadt gibt es inzwischen keinen Impfstoffmangel mehr. Im Gegenteil: Bereits jetzt ist mehr Impfstoff verfügbar, als Termine vereinbart sind. Im Impfzentrum ist es deshalb ab kommenden Montag, 12. Juli, möglich, sich ohne Termin impfen zu lassen (| Kasten). Wie Udo Stock, organisatorischer Leiter des Impfzentrums, im Gespräch mit dem ST berichtet, beteiligt sich die Klingenstadt an einer landesweiten Aktion, die eine Woche – bis einschließlich Sonntag, 18. Juli – dauern soll.

„Wir verimpfen Biontech und Moderna, die Zweitimpfung findet vier Wochen später statt“, berichtet Stock, der auf rege Teilnahme hofft. Angesprochen seien alle über 16 Jahren.

„Wir werden bei den Impfstoffen keine Engpässe mehr erleben.“

Udo Stock, organisatorischer Leiter des Solinger Impfzentrums

Monatelang waren Vakzine aller Hersteller Mangelware, jetzt hat sich das Bild gedreht – und zwar für alle Impfstoffe. „Wer noch keine Impfung bekommen hat, kann es sich jetzt im Prinzip aussuchen“, erklärt Stock. Auch in den Arztpraxen sei vielerorts Impfstoff verfügbar. Stock prophezeit: „Wir werden da keine Engpässe mehr erleben.“ Damit behält Karl-Josef Laumann (CDU) wohl recht: Der NRW-Gesundheitsminister hatte Mitte Juni angekündigt, dass „bis Ende Juli alle impfwilligen Personen über zwölf  Jahren in NRW eine Erstimpfung erhalten können“.

Dementsprechend problemlos habe das Impfzentrum die Substitution von Astrazeneca auf Biontech hinbekommen. Die Ständige Impfkommission (Stiko) hatte in der Vorwoche ihre Empfehlung geändert und rät Menschen, die ihre Erstimpfung mit Astrazeneca bekommen haben, zur Zweitimpfung mit Biontech oder Moderna. 80 bis 90 Prozent folgten dieser Empfehlung laut Udo Stock, ausreichend Biontech sei vorhanden.

Und Stock kündigt weitere Aktionen an: „Wir werden noch einmal über spezielle Angebote für einzelne Gruppen, vielleicht auch stadtteilbezogen, nachdenken.“ Details soll es kommende Woche geben.

Ärzte suchen kreative Lösungen

Auch Ärzte suchen kreative Lösungen, um möglichst viele, die wollen, mit Impfschutz zu versorgen: So hatten sich vorige Woche zwei Arztpraxen an den internen Verteiler einer Solinger Schule gewandt – mit einem Impfangebot für alle Eltern und Schüler ab 16 Jahren. Der Grund: Es falle schwer, im Kreis der eigenen Patienten und auf den üblichen Kanälen noch Impfwillige zu finden.

Auch der Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung in Solingen, Olivier Weh-Gray, bestätigt, dass ausreichend Impfstoff vorhanden ist. „Es gibt aber auch noch genug Kandidaten für eine Impfung“, betont er. Es sei nun wichtig, dass die Menschen das Angebot rege annehmen, „damit im Herbst nach der Urlaubszeit nicht die vierte Welle kommt“.

Zwei Ausnahmen gibt es: Kinder zwischen 12 und 16 Jahren werden nur nach eingehender Beratung beim Kinderarzt geimpft – zwar ist Biontech für alle ab 12 Jahren zugelassen, die Stiko empfiehlt eine Impfung zwischen 12 und 18 Jahren wegen der dünnen Datenlage derzeit aber nur bei Vorerkrankungen. Für Kinder unter 12 Jahren ist noch gar kein Impfstoff zugelassen.

Laut Stadt sind 144 661 Solinger über 12 Jahre alt und somit impfberechtigt – abzüglich der bis gestern mindestens einmal Geimpften bleiben rund 50 000 Menschen übrig.

Quote der ausgefallenen Termine liegt bei bis zu 10 Prozent

Ein Nebenaspekt der Verfügbarkeit von Impfstoff sind ausgefallene Impftermine: Menschen kommen nicht, weil sie die zweite Impfung für nicht so wichtig halten oder sich bei mehreren Stellen um Impftermine bemüht hatten und die übriggebliebenen nun nicht absagen. Die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KVNO) bezeichnet diese als „No-Shows“ („nicht aufgetaucht“). Die Quote habe zuletzt bei etwa 6 Prozent im Gebiet der KVNO gelegen, im ganzen Juni seien somit rund 50 000 Impftermine in Zentren vereinbart, aber nicht wahrgenommen worden.

„In den allermeisten Fällen können die No-Shows aber spontan kompensiert werden, etwa durch Nachrückerlisten, vorgezogene Zweitimpfungen oder durch Einlagern der Impfstoffe – dies wird im Grundsatz so flächendeckend praktiziert, auch in Solingen“, berichtet Christopher Schneider, stellvertretender Pressesprecher der KVNO. Nach Angaben von Udo Stock liegt die Zahl der „No-Shows“ in Solingen bei rund 10 Prozent.

Impfzentrum

Wo: Innenstadt, Kölner Straße 150, ehemaliges Kaufhof-Gebäude

Wann: Montag bis Sonntag von 8 bis 20 Uhr

Was: Wer sich impfen lassen will, muss sein Ausweisdokument mitbringen, das einen deutschen Wohnsitz belegt. Wer einen Impfpass besitzt, sollte auch den mitbringen.

Standpunkt: Kreativität ist gefragt

bjoern.boch@solinger-tageblatt.de

Kommentar von Björn Boch

Wer den Kampf um die Impftermine und die damit verbundenen Sorgen und Nöte miterlebt hat, darf sich heute fast ungläubig die Augen reiben: Es ist genug Impfstoff da. Jeder kann bald ins Impfzentrum. Einfach so. Keine Warteschleifen mehr, kein Kampf mit der Terminbuchung online. Bei aller berechtigten Freude darüber: Aus dieser Situation heraus muss nun ein grundsätzlicher Strategiewechsel erfolgen. Die bisherigen Appelle, sich impfen zu lassen, waren zwar ohne Ausnahme richtig, aber wohl wenig entscheidend, da die Nachfrage riesig war. Nun aber muss die Ware Impfstoff an den Mann und die Frau gebracht werden, damit im Herbst keine vierte Welle droht. Zehntausende sind ungeimpft, selbst wenn man die Kinder außer Acht lässt, für die Impfungen umstritten sind. Um möglichst viele Solinger zu erreichen, braucht es Kreativität, Flexibilität und so viele niedrigschwellige, aufklärende Angebote wie möglich – bei städtischen Diensten, in Sportvereinen, bei Glaubensgemeinschaften, kurz: überall dort, wo Menschen sich treffen wollen oder müssen. Die Stadt hat bereits angekündigt, da tätig zu werden Gut so.

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So bekommen Sie in Solingen den digitalen Impfpass.

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