Wohnen in der Klingenstadt

Immobilienpreise in Solingen sinken leicht – Mieten nicht

An der Ellerstraße wurden 2020 neue Wohnhäuser gebaut.
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An der Ellerstraße wurden 2020 neue Wohnhäuser gebaut.

Drei Makler berichten über die Marktsituation in Solingen.

Von Björn Boch

Solingen. Der Immobilienmarkt hat in diesem Jahr auch in Solingen eine „Vollbremsung“ hingelegt. Zwar gibt es weiterhin Käufe und Verkäufe, die Nachfrage sei aber in vielen Bereichen um nahezu 50 Prozent zurückgegangen. Das berichtet Stefan Jäger, Geschäftsführer der Olaf Jansen GmbH, auf Tageblatt-Anfrage.

Für Kaufwillige sei das aktuell eher gut – auf eine Wohnung oder ein Haus kommen nicht mehr ganz so viele Interessenten wie noch vor einigen Monaten. Die Immobilienpreise stagnieren oder fallen leicht. „Es ist derzeit wieder ein Käufermarkt“, erklärt Jäger. Die sinkende Nachfrage hat vor allem mit den stark gestiegenen Zinsen zu tun. Wer aktuell eine Kaufsumme von 500 000 Euro finanzieren wolle, habe bis zu 1500 Euro Mehrkosten im Monat, rechnet Jäger vor.

Der Markt, so die Experten, sei keineswegs am Boden

„Viele können gar nicht mehr kaufen“, bestätigt Dr. Thorsten Meis, Geschäftsführer von Kubikom. Und zu denen, die nicht mehr kaufen könnten, kämen noch die, die angesichts der unsicheren Lage nicht mehr richtig kaufen wollten. Der Markt sei auf der Nachfrageseite nun wieder so „normal“, wie er vor der Niedrigzinsphase war, nur auf einem höheren Preisniveau.

Ein Platzen einer Blase und damit deutlich niedrigere Preise sehen die Experten nicht. „Im Vergleich zum Vorjahr haben die heutigen Verkäufer eindeutig keinen guten Zeitpunkt erwischt“, betont Meis.

„In Teilen Solingens gibt es Mietpreise, die wir so vor einigen Jahren nicht gesehen haben.“

Dr. Thorsten Meis, Kubikom

Dass der Markt immer noch gut sei, erklärt auch Dirk Isenburg, Inhaber von Isenburg Immobilien. Er sei nur abwartender – und die Makler hätten wieder mehr Zeit, sich um Kunden zu kümmern. „Den Preis machen ohnehin nicht Makler oder Eigentümer, sondern der Markt.“ Die sinkende Nachfrage habe lediglich dazu geführt, dass der eine oder andere „Fantasiepreis“ auf der Angebotsseite verschwinde.

Preise aus dem Vorjahr würden nur noch bei herausragenden Angeboten erzielt werden können. Bei einer guten Bonität sei das Thema Zinsen beherrschbar. „Dann kriegen sie auf zehn Jahre immer noch ein Angebot um die 3,5 Prozent. Das ist ein guter Zinssatz“, so Isenburg.

Mittel- bis langfristig zum Problem werden könnte die Zurückhaltung im Bausektor. Laut Baudezernent Andreas Budde werde es zwar 2022 noch einmal fast die gleiche Anzahl an Genehmigungen für Bauvorhaben geben wie im Jahr zuvor. Neubau-Projekte, die noch nicht so weit seien, funktionierten im Moment aber gar nicht, betonen die Makler. Viele Vorhaben seien auf Eis gelegt oder ganz eingestampft. Einige Investoren hätten Grundstücke sehr teuer gekauft, könnten jedoch aktuell nicht mehr die Preise für Wohnungen oder Häuser erzielen, die sie benötigen, damit sich das Projekt lohnt. „Also werden Grundstücke erst einmal liegengelassen“, so Meis.

Stefan Jäger berichtet von Aussagen auf der Immobilienmesse Expo Real, dass 70 Prozent aller Neubauprojekte zurückgestellt worden seien. Die Angebote in Solingen im Bereich Neubau könne man „an einer Hand abzählen“. Auch bei den Sanierungen stocke es gewaltig. Zu den gestiegenen Preisen komme eine hohe Auslastung im Handwerk und die geringe Verfügbarkeit von Material, etwa in den Bereichen Photovoltaik oder Wärmepumpen. Meis: „Wer eine Immobilie besitzt, wird energetisch aufrüsten müssen. Tut er das nicht, wird er es perspektivisch mit erheblichen Preisabschlägen zu tun haben.“

Wenn es deutlich weniger Neubauten gibt und Sanierungen aufgeschoben werden, löst das bei weiter steigender Nachfrage nach Wohnraum auch aus den Nachbarstädten Druck an anderer Stelle aus – bei den Mieten. Die steigen, wenn es keine Neubauten gibt. „In Teilen Solingens gibt es aktuell Mietpreise, die wir so vor einigen Jahren sicher nicht gesehen haben“, weiß Thorsten Meis.

Der Mietpreisanstieg sei „so sicher wie das Amen in der Kirche“, sagt auch Stefan Jäger. „Was erschreckend ist: Die neue Regierung hat ein Bündnis für Wohnen geschaffen, mit dem in den nächsten Jahren jährlich 400 000 Wohnungen gebaut werden sollten. Es dürften maximal 100 000 Einheiten pro Jahr werden. Da steuern wir auf eine Katastrophe zu.“ Um das zu verhindern, müssten dringend notwendige Anreize zum Kauf geschaffen werden – zum Beispiel steuerlicher Art.

Marktbericht

Der Gutachterausschuss beschließt im Frühjahr eines Jahres – spätestens bis 31. März – die Boden- und Immobilienrichtwerte sowie den Grundstücksmarktbericht. Den aktuellen, 74-seitigen Bericht des Gutachterausschusses für Grundstückswerte in der Klingenstadt Solingen finden Sie als PDF-Datei hier.

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