Wohnraum

Immobilien: Die Nachfrage in Solingen sinkt

Die Nachfrage nach Immobilien hat abgenommen.
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Die Nachfrage nach Immobilien hat abgenommen.

Im April oder Mai soll der Rohbau für das Walder Projekt „Greeen“ beginnen.

Solingen. Knapp zweieinhalb Jahre ist es her, dass Kondor Wessels seine Pläne für 167 Wohnungen an der Locher Straße in Wald vorgestellt hat. Die Vorzeichen hätten damals für den Berliner Baukonzern kaum besser sein können: Hohe Nachfrage traf am Immobilienmarkt auf ein knappes Angebot, die niedrigen Zinsen machten den Traum vom Eigenheim für viele verlockend. Im Januar 2023 ist die Situation eine völlig andere: Die Zinsen steigen, Inflation und wirtschaftliche Unsicherheit dämpfen das Interesse. An den Plänen für das Großprojekt „Greeen“ soll das allerdings nichts ändern, versichert Kondor Wessels.

„Wir sehen das Potenzial von Solingen als Wohnort und den generellen Bedarf an neuen Wohnungen“, erklärt das Unternehmen auf ST-Anfrage. Das Projekt solle wie geplant im Frühjahr Fahrt aufnehmen. Der Abriss der früheren Firmengebäude von Breuer & Schmitz ist weitestgehend abgeschlossen, Ende Februar sollen die Bohrungen für die Geothermie-Anlage voraussichtlich beginnen, im April oder Mai geht es mit dem Rohbau los. Parallel dazu läuft die Vermarktung von 99 geplanten Eigentumswohnungen.

„Wir gehen in diesem Jahr von einem geringeren Marktvolumen aus.“

Sebastian Assé, Stadt-Sparkasse

Dabei arbeitet Kondor Wessels mit der Stadt-Sparkasse Solingen sowie der Kreissparkasse Köln zusammen. Der Vertrieb ist kein Kinderspiel. „Die aktuelle Lage bringt generell einige Herausforderungen für den Vertrieb von Eigentumswohnungen mit sich“, räumen die Berliner ein. Ergänzen jedoch: „Wir bleiben trotz der Bedingungen optimistisch.“

Die Stadt-Sparkasse berichtet von Interesse an „Greeen“ in Solingen und Umgebung. Man habe bislang „einige der angebotenen Eigentumswohnungen verkauft“. Grundsätzlich verhehlt das Kreditinstitut nicht, dass das Geschäft mit den eigenen vier Wänden aktuell kein Selbstläufer ist.

Im Bereich der Immobilienfinanzierung sei eine rückläufige Nachfrage spürbar. „Wir gehen in diesem Jahr insgesamt von einem geringeren Marktvolumen aus“, führt Sparkassen-Sprecher Sebastian Assé aus. Vor allem bei Neubaumaßnahmen sei Zurückhaltung spürbar, das Angebot konzentriere sich auf Gebrauchtimmobilien.

In diesem Bereich kollidieren die Ausläufer der zurückliegenden Boomjahre mit den Effekten der aktuellen Situation: Überhöhte Verkaufspreisvorstellungen treffen auf zu geringe Gebote – oder fehlende Finanzierungsmöglichkeiten. „Es braucht etwas Zeit, bis sich alle Seiten auf die neuen Markt- und Rahmenbedingungen einstellen und ihre Preisvorstellungen anpassen“, erklärt Assé. Ein Ende des Trends zum Eigenheim sieht die Stadt-Sparkasse trotzdem nicht.

Diese Einschätzung teilt Stefan Jäger. Für die Olaf Jansen GmbH verantwortet er den Neubau von sieben Einfamilienhäusern am Montanushof in Höhscheid, Bauträger ist die Haaner Firma Bremer + Schmidt. Wohnen im „Montanushof“ wird ab 700 000 Euro möglich sein. „Die Marktnachfrage ist auf jeden Fall da. Das ist allerdings eine Preisklasse, die einige nicht mehr gestemmt kriegen. Da braucht es Eigenkapital.“

Durch den Zinsanstieg fielen nun einige potenzielle Kunden durchs Raster. „An die Baupreise wird sich der Markt aber gewöhnen müssen. Teilweise tut er das schon“, sagt Jäger, der nach einer Schockstarre bereits wieder eine Aufbruchstimmung wahrnimmt.

Noch immer, erklärt die Stadt-Sparkasse, bedeute eine passende Immobilie „nicht nur die Steigerung von Lebens- und Wohnqualität, sondern auch einen wichtigen Schritt im Bereich der Altersvorsorge oder auch Kapitalanlage“. Bei „Greeen“ geht es unter anderem auch darum. An der Locher Straße entstehen zusätzlich 68 Mietwohnungen. Dafür sucht Kondor Wessels Investoren. Und kann wohl bald einen ersten Erfolg verkünden: Nach derzeitigem Stand sollen im Februar 36 Einheiten verkauft werden. Das Unternehmen zeigt sich zuversichtlich, weitere Geldgeber für die übrigen Wohnungen zu finden.

Bis 2025 möchte Kondor Wessels in Solingen-Wald laut eigenen Angaben rund 70 Millionen Euro investieren. Der Spatenstich erfolgte im August 2022. Das Areal steht zur Verfügung, weil das Familienunternehmen Breuer & Schmitz in einen Neubau an der Monhofer Straße in Ohligs gezogen ist.

Weitere Projekte

O-Quartier: Das O–Quartier ist neben „Greeen“ das zweite große Projekt von Kondor Wessels in Solingen. Auf dem früheren Olbo-Gelände sind 308 Wohnungen entstanden. Das Quartier werde sukzessive von neuen Bewohnerinnen und Bewohnern bezogen, teilt der Baukonzern mit. Die Freianlagen vor Ort seien fertig. Somit müssten nur noch wenige Restarbeiten erledigt werden, die sich jedoch wegen Materialengpässen verzögern.

Omega-Gelände: Überdies hat sich Kondor Wessels das Areal von Kieserling & Albrecht, heute Firma Evertz, sowie das angrenzende Omega-Gelände gesichert. Auch dort ist Wohnbebauung geplant, Details stehen noch aus.

Standpunkt von Manuel Böhnke: Kurze Verschnaufpause

manuel.boehnke@solinger-tageblatt.de

Nach dem Boom der vergangenen Jahre klingt es beinahe wie eine Nachricht aus einem Paralleluniversum: Der Immobilienmarkt kühlt ab. 2023 rechnet die Stadt-Sparkasse mit einem geringeren Volumen bei Immobilienfinanzierungen, vor allem bei Neubauprojekten. Nichtsdestotrotz gehen weder das Kreditinstitut noch Makler davon aus, dass der Markt einbricht. Nur eine kurze Verschnaufpause also? Hoffentlich. Zwar ist es überfällig, dass sich die Preise auf einem Level einpendeln, das auch Normalsterblichen ermöglicht, sich den Traum vom Eigenheim zu erfüllen. Die Entwicklung darf jedoch nicht dazu führen, dass dringend benötigte Neubauprojekte zurückgestellt werden.

Denn der Bedarf an frischem Wohnraum wird hoch bleiben. Das Handlungskonzept Wohnen sieht vor, dass in Solingen bis 2040 mehr als 5000 zusätzliche Wohneinheiten benötigt werden. Fluchtbewegungen wie aus der Ukraine sowie die Pläne, dem Fachkräftemangel mit Zuwanderung zu begegnen, dürften die Situation nicht entspannen – im Gegenteil. 

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