Was macht eigentlich. . .?

Sie ist immer noch sehr neugierig

Mit leicht spöttischem Blick beobachtet Dr. Aline Poensgen bis heute die Welt. Foto: Christian Beier
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Mit leicht spöttischem Blick beobachtet Dr. Aline Poensgen bis heute die Welt.

Dr. Aline Poensgen leitete 30 Jahre lang das Stadtarchiv. 2003 ging sie in den Ruhestand.

Von Kathrin Schüller

Viel Aufhebens um sich zu machen, ist nicht ihr Ding. Dr. Aline Poensgen bleibt gerne im Hintergrund. Das war während der drei Jahrzehnte ihrer Tätigkeit als Leiterin des Stadtarchivs so, das ist heute nicht viel anders.

Sie mache eigentlich nicht mehr viel, erzählt die 76-Jährige beim Gespräch am Küchentisch. Für den Besuch hat sie extra die Heizung aufgedreht. „Sonst sind es bei mir immer 15 Grad.“ Warum Räume so aufgeheizt werden, dass sich kurzärmlige Kleidung empfiehlt, das habe sie noch nie verstanden. „Das macht doch überhaupt keinen Sinn.“

Zwei bis drei Mal in der Woche gibt Aline Poensgen Flüchtlingen Deutschunterricht. „Erst in der Schwertstraße“, sagt sie. Dann in Wald und jetzt in der Turnhalle Yorckstraße. Dort unterrichte mit ihr zusammen auch noch ein syrischer Kollege. „Das hilft ungemein, weil er gut Deutsch und Arabisch spricht.“ Viel Spaß macht es ihr auch, an der Essensausgabe im Felix-Kids-Club in den Clemens-Galerien zu stehen. „Da ist dann schon gut zu tun, bis alle Kinder versorgt sind.“

Die gebürtige Berlinerin Mitte der 90er Jahre im Solinger Stadtarchiv. Im Hintergrund ihr späterer Nachfolger Ralf Rogge.

Langeweile kennt sie jedenfalls nicht. Aline Poensgen spielt auch noch ein eher ungewöhnliches Instrument, das Clavichord, und ist gerne in ihrem Garten. Gerade sind es besonders die Hamamelis-Blüten, die es ihr angetan haben. Sport? Nein, den habe sie noch nie gebraucht. Aber zu Fuß oder mit dem Rad ist sie oft unterwegs. „Die Trasse ist fast vor meiner Haustür.“

1973 hat Dr. Aline Poensgen als Leiterin des Stadtarchivs angefangen, damals war es noch in Gräfrath untergebracht. Archivarin, ihr Traumjob? Nein, das habe sich damals eher so ergeben. Sie hat in Göttingen, Köln, Münster und Marburg studiert. Latein und Geschichte. „Aber Lehrerin werden wollte ich nicht.“

Bei einer Fahrt in einer Ente, einem Citroën 2 CV, habe sie ihr Professor darauf gebracht, Archivarin zu werden, erinnert sie sich noch gut. Nur weil das die Voraussetzungen war, zog sie eine Doktorarbeit durch. „Ich bin eher nicht so der wissenschaftliche Typ.“

Wenn sie damals von ihrem neuen Arbeitsplatz erzählte, rümpfte der eine oder andere ein wenig die Nase. In Staatsarchiven gebe es doch spannendere Dokumente. Aber sie zeigte sich auch davon unbeeindruckt, außerdem reizte es sie, Chefin zu sein. „Ich frag nicht so gerne, ich mache lieber.“

Und sie hat gemacht, unterstützt von ihren „tüchtigen Kollegen“, allen voran Ralf Rogge. Er wurde ihr Nachfolger, hat ihr unter anderem geholfen dafür zu sorgen, dass Daten im Stadtarchiv schon relativ früh elektronisch erfasst wurden.

Zu den vielen Dingen, die Aline Poensgen mehr und mehr interessierten – „man wächst in ein Archiv hinein“ – gehörten die jüdischen Friedhöfe in Solingen. Aline Poensgen brachte in den 90er Jahren eine Dokumentation darüber heraus. „Wir stehen vor einer fremden Welt, lernen die Spuren einer anderen Kultur kennen“, sagte sie bei der Buchvorstellung. Diese Neugierde hat sie sich bewahrt.

PERSÖNLICH

GEBOREN Aline Poensgen wurde 1940 in Berlin geboren. Als sie sechs Jahre alt war, ist ihre Familie nach Benrath gezogen. 

BERUF Sie studierte Geschichte und Latein und übernahm 1973 die Leitung des Solinger Stadtarchivs. 

STADTARCHIV Seit 1987 ist es in den Räumen an der Gasstraße untergebracht. 

www.solingen.de/stadtarchiv

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