Baum des Jahres

Der Ilex galt einst als Glücksbringer

An Itter und Wupper ist der Ilex zu finden. Archivfoto: up
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An Itter und Wupper ist der Ilex zu finden.

Nach dem Baum des Jahres sind Straßen benannt.

Von Wilhelm Rosenbaum

Solingen. Zauberhaft ist das richtige Wort für die botanische Kombination aus korallenroten Beeren und immergrünen, glänzenden Blättern, die den „Ilex aquifolium“ dekorieren. Dass die Stechpalme, wie man ihn in unserer Region nennt, zum Baum des Jahres 2021 gewählt wurde, hat die Bergischen in ihrer Liebe zum zwar giftigen und auch ganz nett piksenden Gewächs dennoch bestätigt.

Schließlich ist der Ilex historisch der Zauberei ohnehin immer sehr verbunden gewesen. Die keltischen Druiden holten ihn, um den Waldgeistern einen Gefallen zu tun, gleich in ihre Wohnstätten. Im antiken Rom galten seine Zweige als magische Glücksbringer. Vor bösen Mächten, nahe am Haus gepflanzt, sollte er angeblich schützen, auch vor einem Blitzschlag.

In der Klingenstadt findet man den winterharten „Hölsen“ oder „Hülsen“ in den Wäldern an Itter und Wupper. Dass man ihm mit der gebotenen Vorsicht begegnen sollte, lassen Begriffe wie Stechhülsen oder Hülsdorn erahnen. Apropos Sprache: Von der Ohligser Uferstraße ausgehend findet sich dort als Straßen- und Hofschaftsname bis heute die traditionelle Bezeichnung Hülsen.

Schon 1363 wird eine Familie „van der Hülsen“ erwähnt, 1616 ist ein Anton zum Hülsen dokumentiert. Und blickt man von Ohligs in westliche Richtung, ist man gleich mittendrin im niederbergischen Ilex-Land. Ein ganzer Stadtteil in Hilden, außerdem ein Ortsteil im zu Wülfrath gehörenden Düssel tragen den Namen Hülsen – und der außerordentlich gut mit Stechpalmengebüsch bestückte Haaner Hülsberg, vom Ittertal über einen alten Wanderweg zu erreichen, hält eine stattliche Auswahl parat.

Vor 100 Jahren bestand die Gefahr des Aussterbens

Freilich: Vor gut 100 Jahren ging es der vielbesungenen „Zierde unserer bergischen Wälder“ zeitweilig wohl so schlecht, dass das Tageblatt im Herbst 1917 vorausschauend nicht mit mahnenden Worten sparte: „Schonet und schützet die Stechpalme (Hülsenstrauch) in unseren Wäldern!“ Es bestehe schließlich für den Baum die „Gefahr des Aussterbens im Bergischen Land“.

Der Appell fruchtete wohl nicht nachhaltig genug, wie eine zweite ST-Meldung beweist. Unter der Überschrift „Hülsenzweige als Weihnachtsschmuck“ wiederholte sich das Ganze, eine Woche vor Heiligabend, im Winter 1935.

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