Musikveranstaltung

Ihr fetziges „Puppet on a string“ riss die Leute von den Stühlen

Die Show ’70: Dies sind die drei Gesangssolisten, die sich den ersten Preis in ihrer Kategorie teilten. ST-Verlegerin Edith Boll (v. l.) überreichte die Preise an Franz Josef Kapellmann, Dorothea Rood und Claus-Peter Loest.
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Die Show ’70: Dies sind die drei Gesangssolisten, die sich den ersten Preis in ihrer Kategorie teilten. ST-Verlegerin Edith Boll (v. l.) überreichte die Preise an Franz Josef Kapellmann, Dorothea Rood und Claus-Peter Loest.

Dorothea von zur Gathen erinnert sich an zwei Siege in den Shows ’69 und ’70.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Zugegeben, der Draht nach Bonn war besonders lang. Aber die Erinnerungen von Dorothea von zur Gathen sind eben mindestens so ausführlich. Am 22. Januar suchte das Tageblatt in der Rubrik „Historisches Foto“ eine Musikveranstaltung. Darauf wurde auch Leser Dieter Herzog aufmerksam und schickte den Artikel seiner alten Freundin aus Jugendtagen. Gesucht waren die bekannten Shows ’69 und ’70.

Kennen Sie noch „The Gags“?

Die 71-Jährige, die mit ihrem Mann, dem emeritierten Mathematikprofessor Joachim von zur Gathen, in der ehemaligen Bundeshauptstadt lebt, hält die Erinnerungen an die Veranstaltungen im Theater und Konzerthaus bis heute hoch. Denn: Dorothea Rood, wie sie damals noch mit Mädchennamen hieß, stand nicht nur beide Male auf der Bühne und hatte sich darauf sorgfältig vorbereitet, sie ging auch in beiden Jahren als Siegerin hervor.

Zunächst hatte sie Hildegard Knefs „Für mich soll's rote Rosen regnen“ gesungen, berichtet von zur Gathen nun dem Tageblatt. „Der Erfolg war mäßig, das Lied wohl zu getragen für das jugendliche Publikum. Aber dann habe ich auf flott umgestellt, mit dem rhythmischen ‚Puppet on a string‘ von Sandie Shaw. Meine fetzige Interpretation hat die Leute von den Stühlen gerissen, stehender Applaus und zustimmendes Grölen“, berichtet die 71-Jährige. Am Schluss war sie eine der strahlenden Sieger des Abends. Damit gerechnet hatte sie nicht, verriet sie damals dem Tageblatt.

Die Show ’70.

Die Sache habe viel Spaß gemacht, sagt sie heute. „Viel später ist mir aufgegangen, was man heutzutage mit sowas machen würde. Damals verlief alles schnell recht still im Sand“. Ein in Aussicht gestellter Plattenvertrag zerschlug sich. „Meine Eltern hatten nicht die offensichtlich nötigen finanziellen großen Mittel, um mich in diese knallharte Branche hineinzuschleusen“, sagt Dorothea von zur Gathen. „Und Beziehungen hatte ich auch nicht“.

Immer schon habe sie als Kind und junges Mädchen gesungen, sogar Unterricht nahm das stimmstarke Talent bei einer angeheirateten Tante, die Sopranistin war. „Klassische Lieder wie Schumanns Winterreise gehörten da zum Standard.“ Als Teenager sei sie über einen Kunden ihres Vaters zu ihrem ersten Publikumsauftritt gekommen, bei einem Schützenfest. „Das hab ich recht souverän absolviert, so wie Auftritte bei Betriebsfesten, die damals richtig üppig gefeiert wurden“, wie sie erzählt. Ihr Repertoire: „Am liebsten Mireille-Mathieu-Lieder oder Alexandra, die waren mir beide nicht so schnulzig wie andere Schlagersänger dieser Zeit“, sagt sie. „Aber je nach Stimmung passte das nicht und dann war es auch schon mal partymäßiger.“ Nur Karnevalslieder kamen für sie nicht in Frage.

Mit ihrer Heirat und dem Umzug nach Zürich, wo ihr Mann an der Uni arbeitete, trat das Singen in den Hintergrund. Sie gründete eine Familie, bekam zwei Töchter, setzte die Reise durch die Welt fort, nach Toronto. „Das sollte ein kurzer beruflicher Aufenthalt meines Mannes ein, 16 Jahre sind es dann geworden.“ Von da aus gab es Reisen in nahezu alle Erdteile.

Seit 2005 lebt Dorothea von zur Gathen wieder in Deutschland. Bonn, wo ihr Mann die letzte Professur vor der Pension hatte, sei nicht so weit weg von Solingen, sagt sie. Verbindungen zur alten Heimat gibt es noch. Zum Beispiel zum Schulfreund Dieter Herzog.

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