IHK-Wahl

Henner Pasch: „Ich trete nicht an, um zu verlieren“

Henner Pasch ist geschäftsführender Gesellschafter der Fourtexx GmbH. Nun möchte der 40-Jährige IHK-Präsident werden. Foto: Michael Schütz
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Henner Pasch ist geschäftsführender Gesellschafter der Fourtexx GmbH. Nun möchte der 40-Jährige IHK-Präsident werden.

Solinger Unternehmer möchte IHK-Präsident werden

Das Gespräch führte Manuel Böhnke

Am Dienstag kommt die neu zusammengesetzte Vollversammlung der Bergischen Industrie- und Handelskammer (IHK) erstmals zusammen. An diesem Tag fällt die Entscheidung, wer die Nachfolge von Thomas Meyer als Präsident der Kammer antritt. Lange sah es so aus, als gäbe es mit dem Wuppertaler Jörg Heynkes nur einen Anwärter. Doch in der vergangenen Woche wurde die Kandidatur des Solinger Unternehmers Henner Pasch bekannt.

Herr Pasch, wann haben Sie entschieden, sich für das Amt des IHK-Präsidenten zu bewerben – bevor oder nachdem Jörg Heynkes seine Kandidatur erklärt hat?

Henner Pasch: Danach. Ich teile seine Ansicht, dass es für die Vollversammlung wünschenswert ist, eine Auswahl zu haben. Es stehen viele Veränderungen an – für die IHK und die bergische Wirtschaft. Es gibt unterschiedliche Ideen, wie man diesen Herausforderungen begegnen sollte. Ich möcht meine Vorstellungen einbringen.

Haben Sie diese Entscheidung allein getroffen?

Pasch: Mit meiner Familie habe ich das Thema intensiv besprochen. Auch mit meinem Mitgesellschafter, den Führungskräften und Mitarbeitern meines Unternehmens gab es Gespräche. Ohne diesen Rückhalt kann niemand ein solches Amt ausführen.

Sie sind Familienvater und Geschäftsführer zweier Firmen. Wie wollen Sie das mit dem Amt des IHK-Präsidenten in Einklang bringen?

Pasch: Das ist eine enorme Organisationsaufgabe. Aktuell bin ich in meinem Unternehmen operativ intensiv eingebunden. Nichtsdestotrotz nehme ich schon heute einige Ehrenämter wahr. Diese Zeit würde ich im Falle meiner Wahl zukünftig in das Präsidentenamt investieren. Dabei muss ich weiterhin ein Auge auf die Entwicklung meiner Firma haben und darf unter keinen Umständen meine Familie vernachlässigen. Da passt es ganz gut, dass sich mein Unternehmen unter anderem mit Zeitmanagement beschäftigt (lacht). Ich strebe zusätzlich eine enge Zusammenarbeit mit den hauptamtlichen IHK-Kräften, dem Präsidium und den Mitgliedern der Vollversammlung an. Dort gibt es so viel Expertise, so viele Ideen – die möchte ich aufnehmen.

Salopp gefragt: Warum möchten Sie sich das antun?

Pasch: Ich habe den Wirtschaftsjunioren und der IHK unheimlich viel zu verdanken. Ich komme nicht aus einem Unternehmerhaushalt. Trotzdem habe ich mich mit 26 Jahren selbstständig gemacht. Dass sich der Betrieb bislang so gut entwickelt hat, verdanke ich unter anderem den Netzwerken und der Unterstützung von Wirtschaftsjunioren und Kammer. Jetzt möchte ich etwas zurückgeben. Ob es dafür den perfekten Zeitpunkt gibt? Wahrscheinlich nicht. Ob ich vor wenigen Wochen gedacht hätte, diesen Schritt jetzt schon zu wagen? Eher auch nicht. Vorstellen konnte ich mir das aber schon immer.

Wie sehen Sie die zukünftige Ausrichtung der Kammer?

Pasch: In der Corona-Pandemie war die IHK für die bergischen Unternehmen ein hervorragender Ansprechpartnerin. Auf diese absolute Krisensituation haben die Verantwortlichen modern und innovativ reagiert, um mit den Mitgliedern in Kontakt zu bleiben und sie zu unterstützen. Das ist ein wichtiger Faktor, weshalb die Wirtschaft in der Region die Krise bislang verhältnismäßig gut übersteht. Möglich war das nur dank verschiedener Erneuerungsprozesse. Dieses Momentum möchte ich beim Schopfe packen, um die positive Entwicklung fortzusetzen.

Ihrer Meinung nach soll die IHK also noch stärker zur Partnerin für die Betriebe werden?

Pasch: Absolut! Genau das erwarten die Mitgliedsunternehmen völlig zurecht. Die Pandemie hat gezeigt, dass die IHK alles andere als rückwärtsgewandt ist und diesen Anforderungen auch angesichts der großen Herausforderungen, die auf uns zukommen, gerecht werden kann.

Woran denken Sie dabei?

Pasch: Ganz sicher an den Klimawandel. Ohne die Pandemie hätten wir im vergangenen Jahr wohl kaum über etwas anderes gesprochen. Ausbildung ist ein weiteres Thema, das für unsere Region existenziell wichtig ist. Und nicht zuletzt die Digitalisierung.

Wo steht der Digitalstandort Deutschland im internationalen Vergleich?

Pasch: Ich beschäftige mich als IT-Dienstleister seit 15 Jahren täglich mit der Digitalisierung. Man muss leider sagen, dass Deutschland großen Nachholbedarf hat. Ein Beispiel: Wir nehmen in der Corona-Pandemie alle an Videokonferenzen teil. Doch keiner der großen Anbieter kommt aus Deutschland. Wie kann es sein, dass wir in so vielen Bereichen auf dem Weltmarkt führend sind, aber ausgerechnet bei der Digitalisierung hinterherhinken? Das wird sich nicht über Nacht ändern, wir müssen uns allerdings anstrengen, damit die Lücke nicht noch größer wird.

Wie kann das gelingen?

Pasch: Das fängt bei der digitalen Ausstattung der Schulen an. Ein weiterer Punkt ist, dass wir junge Menschen ermutigen müssen, sich mit innovativen Ideen selbstständig zu machen. Wenn sie erfolgreich sind, kommt das allen zugute.

Inwiefern?

Pasch: Für alle Herausforderungen, die wir besprochen haben – vom Klimawandel bis zur Digitalisierung –, braucht es vor allem eines: Geld. Und das müssen Unternehmen erwirtschaften. Die finanziellen Mittel für den Glasfaseranschluss einer Schule fallen nicht vom Himmel.

Wie groß sind Ihre Hoffnungen, am Dienstag IHK-Präsident zu werden?

Pasch: Ich trete nicht an, um zu verlieren. Sollte es am Ende nicht reichen, werde ich den neuen Präsidenten selbstverständlich unterstützen.

Schmälert es Ihre Chancen gegenüber Jörg Heynkes, dass seit fast 25 Jahren kein Wuppertaler mehr an der Spitze der Kammer stand?

Pasch: Davon gehe ich nicht aus. Der bergische Zusammenhalt ist stark genug, dass es keine entscheidende Rolle mehr spielt, ob jemand aus Remscheid, Solingen oder Wuppertal antritt. Fällt die Wahl auf mich, möchte ich der Präsident aller drei Städte sein. Wir können unsere Heimat nur gemeinsam weiterentwickeln.

Sie zogen 2017 erstmals in die IHK-Vollversammlung ein. Bringen Sie genug Erfahrung für das Präsidentenamt mit?

Pasch: Daran habe ich keine Zweifel. Ich kenne die IHK sehr gut und bin in der Region ausgezeichnet vernetzt. Natürlich kann ich mich als 40-Jähriger, der bislang vor allem Unternehmer war, nicht in allen Gebieten perfekt auskennen. Ich bin jedoch bereit, mich in die Themen einzuarbeiten. Die Zeit nehme ich mir. Ich möchte keinesfalls ein Dampfplauderer sein, der keinen blassen Schimmer hat, worüber er gerade eigentlich spricht.

Hatten Sie Kontakt zu Jörg Heynkes, seit ihre Kandidatur bekanntgegeben wurde?

Pasch: Er hat versucht, mich zu erreichen. Seit meine Kandidatur öffentlich ist, steht das Telefon kaum still. Das liegt wohl daran, dass die Leute mir nicht in den Sozialen Netzwerken schreiben können. Dort bin ich nicht aktiv, weil mir der Diskurs häufig zu emotional und unreflektiert ist. Ich greife eher zum Telefonhörer. Und das werde ich spätestens am Wochenende tun, um mit Jörg Heynkes zu sprechen.

Zur Person

Henner Pasch wurde vor 40 Jahren in Solingen geboren. 2006 gründete der gelernte Informatikkaufmann in der Klingenstadt das IT-Beratungsunternehmen Fourtexx. 2019 übernahm er die Alina GmbH in Bad Oeynhausen. Zusammen haben die Unternehmen rund 50 Mitarbeiter. Pasch bekleidet zahlreiche Ehrenämter. Unter anderem ist er ehrenamtlicher Handelsrichter am Landgericht Wuppertal und saß von 2012 bis 2014 im Vorstand der Wirtschaftsjunioren Solingen. Pasch ist verheiratet. Mit Frau Selena hat er eine zehnjährige Tochter und einen siebenjährigen Sohn.

Auch Jörg Heynkes bewirbt sich als IHK-Präsident.

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