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IHK: Vom verschmähten Kritiker zum Präsidenten?

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Die Nachfolgefrage von Thomas Meyer als Präsident der Bergischen Industrie- und Handelskammer (IHK) scheint noch immer vollkommen offen.

Es wird spannend. Die Nachfolgefrage von Thomas Meyer als Präsident der Bergischen Industrie- und Handelskammer (IHK) scheint noch immer vollkommen offen. Als Erster hat sich der Wuppertaler Unternehmer Jörg Heynkes aus der Deckung gewagt und öffentlich Interesse am Amt des ersten Repräsentanten der Firmen im Städtedreieck Wuppertal, Solingen, Remscheid bekundet. Die Personalie ist durchaus pikant. Denn der bisherige Vizepräsident Heynkes ist bekennender Fan der sozialen Netzwerke – nicht immer zur Freude der Kammer-Verantwortlichen. Vor zwei Jahren war eine monatelange Schlammschlacht überwiegend auf dem Facebook-Kanal von Heynkes eskaliert. Die Vollversammlung der IHK rügte Heynkes öffentlich und warf ihm unangemessenes und illoyales Verhalten vor. Ein historisch beispielloser Vorgang für die sonst eher vornehm zurückhaltend auftretende Kammer. In einem 30-seitigen Dossier hatten die IHK-Verantwortlichen die Fehltritte des streitbaren Unternehmers zusammengetragen: Heynkes hatte nicht nur der eigenen Kammer Transusigkeit vorgeworfen, sondern unter anderem auch Verkehrsminister Scheuer als „Irren“ bezeichnet.

Dass ihn die neu gewählte Vollversammlung dennoch auf den Schild hebt, scheint angesichts mangelnder Alternative nicht nur im Bereich der Wunschträume – oder wahlweise Alpträume – zu liegen. Bei der Nachfolgefrage dürfte ohnehin eins feststehen: Ein Solinger wird’s nicht. Seit fast 25 Jahren schwingt eine klingenstädtische Hand das IHK-Zepter: Lange Jahre erst der kürzlich verstorbene Ur-Höhscheider Friedhelm Sträter, jetzt der scheidende Thomas Meyer, der immerhin neben seinem Solinger Wohnsitz noch den Unternehmenssitz in Remscheid hat.

Das Amt ist alles andere als bedeutungslos. Sträter hat die Kammer, die unter seinem Vorgänger, dem Wuppertaler Vorwerk-Chef Dr. Jörg Mittelsten Scheid, noch eine feine, distinguierte Loge war, zu einem bodenständigen Sprachrohr der Wirtschaft geformt. Aus diesem kamen allerdings durchaus forsche Töne wie die Forderung nach einer gemeinsamen bergischen Großstadt. Mit Thomas Meyer wirkte ein Präsident, der sich an der bergischen Einigung abarbeitete. Und von daher in Wuppertal immer schon einen schweren Stand hatte. Spätestens als der IHK-Präsident im unseligen Outletstreit für Remscheid Partei ergriff und nicht für das gefühlte Oberzentrum, war er für die machtbewussten Eliten im Tal unten durch.

Ob ein Jörg Heynkes für mehr Einigkeit und weniger Twist steht? Im Interview mit unserer Zeitung gab er sich betont reumütig und lernfähig. Mit ihm gäbe es sicher eine neue Dynamik für die digitalen Themen, wofür es vermutlich eines disruptiven Stils bedarf. Doch die vielen kleinen bergischen Firmen interessieren sich weniger für hochfliegende Strategien, sondern mehr für den Boden, auf dem sie stehen: gute Verkehrsanbindungen, erträgliche Steuersätze, qualifizierte Fachkräfte und Platz für Erweiterungen. Für diese Ziele bedarf es eines fairen, vertrauensvollen Miteinanders zwischen Wirtschaft und Kommunalpolitik: mehr Graswurzelarbeit, weniger große Sense.

TOP Stimmung bei bergischen Firmen hellt sich auf.

FLOP Unerträgliche Unsicherheit für Eltern rund um Schulöffnungen.

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