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Igelstation macht Tiere für das Frühjahr fit

Monika Thomas (v. l.) und Heike Rovera kümmern sich liebevoll um die Igel. Fotos: Alexandra Dulinski
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Monika Thomas (v. l.) und Heike Rovera kümmern sich liebevoll um die Igel.

Netzwerk betreut seine Schützlinge rund um die Uhr.

Von Alexandra Dulinski

Solingen/Wuppertal. Ein Rascheln, Scharren und Schaben ist zu hören, sobald Besucher die Igelstation des Netzwerk Igels in Wuppertal betreten. Denn dort finden zurzeit 120 Igel Schutz. Heike Rovera, die in ihrem Garten im Solinger Stadtteil Wald kürzlich einen Igel gefunden und zur Igelstation gebracht hat, unterstützt den Verein beim Auswildern der gesundeten Tiere.

„Ein Krankenhaus und eine Reha-Station ist das hier“, beschreibt sie das Netzwerk, das im Umkreis die einzige reine Igelstation stellt. Viele Tiere kommen dabei nicht nur aus Wuppertal, Solingen und der näheren Umgebung. Schon aus Kamp-Lintfort und Bad Sassendorf seien Igelretter angereist. „Es ist toll, dass sich die Leute die Mühe machen, die Igel bis hierhin zu bringen“, sagt Rovera.

In etwa einen Quadratmeter großen, selbst gebauten Spankisten werden die verletzten oder hilflosen Tiere aufgepäppelt. Über einigen Kisten hängen Netze, um die Igel mit ihren Wunden bei der Sommerhitze vor Fliegen zu schützen. Auf einem Behandlungstisch liegen Desinfektionsmittel und Pinzetten bereit. „Hier werden die Igel entfloht, entzeckt und Wunden gesäubert“, berichtet Monika Thomas, selbst medizinisch-technische Assistentin, die die Station im Jahr 2006 gegründet hat. Ein Tierarzt stehe dem Verein für Operationen, Narkosen und zur Medikation zur Seite.

Im stationseigenen Labor führt Thomas Kotuntersuchungen durch. Auf Karteikarten hält sie fest, welche Behandlung ein Igel bekommen hat, wie sein Verhalten am Tag war und wie viel er gefressen hat. So könne sie sofort sehen, welchem Tier es nicht gut gehe.

In der Küche wird das Futter der Igel angemischt. Katzenfutter mit Vitaminen oder Hundeflocken ohne Fleisch stehen auf dem Speiseplan. Etwa 160 Gramm bekommt jeder Igel täglich. „Vor dem Winter füttern wir etwas mehr Speck an“, berichtet Mitarbeiterin Manuela Stendel. Für den dann anstehenden Winterschlaf ziehen die Tiere in ein 200 Quadratmeter großes, ungeheiztes Penthouse um.

„Ich gehe oft erst raus, wenn es draußen schon wieder hell wird.“

Monika Thomas, Gründerin der Station

Nach dem Winter sollen sie dann ausgewildert werden. Auf jeder Karteikarte stehe neben dem Behandlungsplan auch, wer den Igel an welchem Ort gefunden hat und ob das Gebiet für die Auswilderung geeignet ist. „Viele bieten an, einen Igel in ihrem Garten auszuwildern“, berichtet Thomas. Doch nur ein Garten mit weiteren Gärten im Umfeld biete sich an, denn dort gebe es einen Korridor nach draußen. „Man will dem Igel ja auch eine gute zweite Chance geben“, sagt sie.

Für Monika Thomas ist die Pflege der Igel eine Lebensaufgabe. „Ich gehe oft erst raus, wenn es draußen schon wieder hell wird. Privat bleibt einiges auf der Strecke“, sagt die 74-Jährige. Denn auch nachts brauchen die Tiere Futter oder Infusionen. „Wenn es dunkel wird, ist hier ein Höllenlärm“, berichtet sie.

Jeden Tag kämen neue Igel in die Station, es werden mehr Tiere aufgenommen als ausgewildert. „Wir haben jetzt schon 100 Tiere mehr als im Vorjahr“, sagt Thomas. Ein Grund sei das Insektensterben. Der Igel als Insektenfresser finde nicht mehr so viel Nahrung. „Wegen der Trockenheit sind die Insekten tief im Boden, vieles ist zubetoniert“, so die Leiterin des Netzwerks.

Im Herbst steht eine größere Sanierung der Igelstation an, für die Monika Thomas und Heike Rovera ein Ausweichquartier suchen. „Optimal wäre eine große Halle“, erklärt Rovera.

Hilfe für den Igel

Wer einen Igel findet, solle mit Gartenhandschuhen und einem Handtuch oder einem Lappen den Igel umfassen, aufnehmen und in einen Korb oder Eimer legen. Bis zum Transport zur Igelstation könne das Tier mit Wasser und Rührei versorgt werden. Wichtig sei, den Igel nicht der Sonne auszusetzen. Wenn der Igel frisst, sei das ein gutes Zeichen, so Rovera. Kontakt zum Netzwerk Igel über das Internet.

https://t1p.de/0lzr

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