Mein Leben als Papa

Ich werde alt: Meine Geburtstage verlieren immer mehr an Bedeutung

Der Autor feierte gestern seinen 42. Geburtstag.
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Der Autor feierte gestern seinen 42. Geburtstag.

ST-Redakteur Gunnar Freudenberg erzählt vom Leben mit seinen Söhnen Hannes (6) und Michel (4).

Seit ich Papa bin, haben meine eigenen Geburtstage stark an Bedeutung verloren. Für mich selbst, aber auch für andere. Ich bin nur noch der, dessen Geburtstag zufällig zwischen den Geburtstagen meiner Söhne liegt.

Was hat man sich Gedanken gemacht über Michels Ehrentag Ende August. Geschenke mussten sinnvoll unter der Verwandtschaft aufgeteilt werden, Kuchen und eine Superhelden-Torte wurden gebacken, der Garten für die Feier hübsch hergerichtet. Auch Hannes’ Geburtstag Anfang Oktober beschäftigt alle schon jetzt. Ihn selbst natürlich auch. Er schreibt seinen Wunschzettel mit Hilfe schon alleine, grübelt, wer zum Kindergeburtstag kommen darf – und alle fragen, was man dem Jungen denn schenken könne.

Meine Schwester und ich schenken uns seit diesem Jahr nichts mehr zum Geburtstag. Haben wir ganz erwachsen so ausgemacht. Und von meiner Mutter kam kurz vor knapp nur beiläufig die Frage: „Willst du Geld haben oder wünschst du dir irgendwas Bestimmtes?“ Als meine Frau fragte, ob wir uns dieses Jahr neue Matratzen zu unseren Geburtstagen schenken sollten, reagierte ich nicht mehr so erwachsen. „Ein bisschen möchte ich mich schon freuen“, sagte ich und bin mit dem neuen Titan-Tischtennisschläger, den ich gestern auspacken durfte, sehr glücklich.

Hier gibt es alle Folgen zum Nachlesen

Tatsächlich bin ich aber langsam in einem Alter, in dem ich wirklich ernsthaft überlegen muss, wie alt ich eigentlich geworden bin. Meine körperliche Konstitution verrät mir zumindest, dass ich nicht jünger werde. „Wird Herbst da draußen. Und in mir“, sang einst die große Hilde Knef. Man kann es als Geburtstagsständchen für mich verstehen.

Dass ich älter werde, merke ich auch daran, dass Hannes und Michel älter werden – und ich immer häufiger Zielscheibe ihres Spottes werde. Zum Geburtstag hat mir Michel zum Beispiel ein Bild gemalt, auf dem die ganze Familie zu sehen ist. „Und das bist du“, zeigt Michel auf das kleinste Männchen. „Mein kleiner Papi.“ Wenn ich in Hannes’ oder Michels Zimmer eintreten will, muss ich ihnen manchmal einen Code nennen. Und der lautet „Papas Dickbauch“. Ein neues Hobby von Hannes ist es, mich zu imitieren. „Herrlich, diese Aussicht hier. Wirklich herrlich“, wiederholt er beim Spazieren immer wieder und schaut mich dabei grinsend an.

Ein bisschen erinnert mich das an mich selbst und mein Verhältnis zu meinem Vater. Jedes Jahr schenke ich ihm zu seinem Geburtstag einen Fotokalender fürs kommende Jahr. Mit den kompromittierenden Fotos von ihm aus dem vergangenen Jahr. Spott ist ja irgendwie auch die aufrichtigste Form der Anerkennung. Vielleicht setzen Hannes und Michel diese Tradition ja irgendwann fort.

Heute: Lesung

„Den Papa“, also ST-Redakteur Gunnar Freudenberg, können sie am Samstagabend bei zwei rund 45-minütigen Lesungen erleben. Er tritt im Rahmen des Viertelklang-Festivals in der Nachbarstadt Remscheid auf – um 19.15 und 20.15 Uhr in der Yoga Lounge, Bismarckstraße 19. Musikalisch begleitet wird er von Thomas Koll. Die zentrale Abendkasse finden Sie ab 18.15 Uhr im Ladenlokal, Markt 13 (Abendkasse: 14 Euro / ermäßigt: 7 Euro).

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