Ein Jahr nach der Flut

Besucher gedenken der Flutnacht in der Burger Kirche

Viele Gottesdienstbesucher kamen zusammen, um ihre Erinnerungen zu teilen.
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Viele Gottesdienstbesucher kamen zusammen, um ihre Erinnerungen zu teilen.

Burger und Hilfskräfte lassen die Hochwasserkatastrophe Revue passieren.

Von Jonathan Hamm

Burg. „Für viele Menschen ist nichts mehr, wie es war“, stellte Pfarrerin Raphaela Demski-Galla am Donnerstagabend beim Gedenkgottesdienst in der voll besetzten Burger Kirche zum ersten Jahrestag der Flutkatastrophe fest. „Heute vor einem Jahr bahnte sich an, was wenige Stunden später zur Katastrophe führen wird.“ Es begann eine Nacht, die viele Menschen wohl nie wieder vergessen werden. Dabei sind es die Bürger in Burg gewohnt, dass bei Regen der Pegel der Wupper steigt. Vollgelaufene Keller, Sperrung der Wupperinsel – „Das ist nichts Unbekanntes.“

Doch dieses Mal wollte der Regen gar nicht mehr aufhören. Gebäude mussten evakuiert, Menschen mit Booten gerettet werden, und Rettungskräfte begaben sich dabei häufig selbst in Lebensgefahr. Viele von ihnen, die vor einem Jahr an vorderster Front gearbeitet, geholfen und gerettet haben, sind auch zum Gottesdienst gekommen: Seelsorger, DLRG, THW, Rotes Kreuz und Dutzende freiwillige Helfer. Das Zusammenkommen in der Kirche diente aber nicht nur der kollektiven Erinnerung, sondern auch der gemeinsamen Bewältigung dessen, was passiert ist.

Man will „Abstand gewinnen zu diesem Tag vor einem Jahr“, sagte Demski-Galla. Damals kämpfte man gemeinsam gegen das Wasser, heute für die Verarbeitung des Erlebten. Es wurden persönliche Erfahrungen geteilt, die zeigten, dass hinter den Zahlen und Fakten der Katastrophe Menschen und ihre Geschichten stehen, und für viele war es ein emotionaler Moment, als die Ereignisse rekapituliert wurden. „Ich sehe, dass manchen der Kloß im Halse steckt“, stellte Antje Menn, Superintendentin des Kirchenkreises Lennep, fest.

Dabei ist es keineswegs selbstverständlich, dass das Gedenken in der Burger Kirche stattfinden konnte. Stark getroffen von den Wassermassen, wurde das Gebäude selbst schwer beschädigt – und steht heute für den Willen zum Aufbau und zum Neuanfang, der an vielen Stellen zu beobachten war. Viele Ehrenamtliche packten mit an und zeigten: Trotz der schrecklichen Erfahrungen und der Verluste, die viele Bürger erlitten haben, ist man eng zusammengerückt.

Damals sei die Angst zwar groß, aber dennoch die Gemeinschaft spürbar gewesen, erinnert sich eine Fluthelferin. Oftmals seien aus Fremden Freunde geworden. Auch Raphaela Demski-Galla zeigte sich angetan von Hilfsbereitschaft und Zusammenhalt. Schon kurz nachdem das Wasser verschwand, stand für sie fest: „Wir werden aufbauen, wir werden weiterleben, Seite an Seite an der Wupper.“

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