Solinger kam 2014 als Flüchtling

„Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, zu helfen“

Noor Abrahimkhail kam 2014 als Flüchtling nach Solingen. Hier hat er sich ein neues Leben aufgebaut. Foto: Christian Beier
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Noor Abrahimkhail kam 2014 als Flüchtling nach Solingen. Hier hat er sich ein neues Leben aufgebaut.

Noor Abrahimkhail ist aus Afghanistan geflüchtet, seit 2014 ist er in Solingen und hat sich hier ein neues Leben aufgebaut.

Von Katharina Birkenbeul

Solingen. Heute vor sechs Jahren, am 22. September 2014, wurde Noor Abrahimkhail Solingen zugewiesen. Der junge Mann kommt aus Kabul in Afghanistan. Nach einer Dienstreise nach München im August 2014 änderte sich sein Leben von einem auf den anderen Tag. „Ich durfte auf einmal nicht mehr zurück. Alles, was ich in Afghanistan erreicht hatte, jeder Plan, den ich hatte, war auf einmal weg“, erklärt Noor Abrahimkhail die schwierige Situation.

„Ich durfte auf einmal nicht mehr zurück. Alles was ich in Afghanistan erreicht hatte, jeder Plan, den ich hatte, war auf einmal weg.“ 

Noor Abrahimkhail über seine Ankunft in Deutschland

Der Grund: Noor Abrahimkhail setzte sich in seinem Heimatland für Frauenrechte, Menschenrechte und Demokratie ein. Alles Rechte, die in Afghanistan nicht alltäglich waren. „Die Regierung versuchte, mich umzubringen, weil ich Schulen für Mädchen aufbaute“, stellt er die Ausmaße dar. Aber auch, wenn die Zeit nicht einfach war, ist er stolz auf das, was er erreichen konnte: fünf Schulen und sechs Bibliotheken seien entstanden. Außerdem habe er viel Überzeugungsarbeit geleistet. „Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, Menschen zu helfen.“ Beibehalten hat er das bis heute. Die Ankunft in Solingen fiel Noor Abrahimkhail nicht schwer, sagt er. Das lag vor allem daran, dass er bereits die deutsche Sprache beherrschte und die gelebte Kultur durch seine Geschäftsreisen beobachten konnte. Und er nahm sich vor, dass er in dieser Gesellschaft klarkommen musste, weil er keine andere Option hatte, als hier zu bleiben. „Aber mir haben viele dabei geholfen: die Stadt, die Menschen, die Ehrenamtler“, betont er. Zunächst arbeitete er bei der Stadt als Übersetzer, unterrichtete die Sprache, war beim Landschaftsverband Rheinland angestellt und arbeitet nun bei der Caritas.

Neben der Arbeit engagiert er sich bei mehreren Vereinen. 2015 gründete er dann gemeinsam mit Kurt Picard den Deutsch-Afghanischen Freundeskreis in Solingen. „Auch in Solingen gibt es Leute, die Probleme haben. Deshalb war das Ziel, Menschen, Einheimische und Flüchtlinge, ins Gespräch zu bringen und mit ihnen zu sprechen“, betont er die Idee dahinter. Denn Fragen beispielsweise zur Kultur oder zur Aufenthaltsgenehmigung seien auf beiden Seiten da, und nur so könne geholfen werden. Mittlerweile hätten dadurch viele Flüchtlinge eine Ersatzfamilie gefunden.

Noor Abrahimkhail erhielt seine Aufenthaltsgenehmigung bereits 2016, und mittlerweile ist Solingen seine Heimat. „Wenn mich jemand fragt, sage ich, dass ich aus Solingen komme. Kabul ist jedoch nicht Solingen, aber Solingen ist nicht weniger.“ Es ist sein neues Leben.

In diesem Jahr kandidierte Abrahimkhail sogar als erster Flüchtling für den Zuwanderer- und Integrationsrat (Zuwi). Enttäuscht, dass er nicht gewählt wurde, war er aber nicht. „Ich habe damit gerechnet, aber ich wollte auch etwas anderes erreichen.“ Sein Ziel sei gewesen, darauf aufmerksam zu machen, dass es ein solches Gremium gibt, es bekannt machen. Außerdem wollte er, dass die Menschen ein Recht nutzen, dass sie in ihrer Heimat meistens nicht haben: wählen zu gehen. „Und das habe ich geschafft.“ Die meisten Flüchtlinge wüssten nicht, was alles möglich sei. Geschuldet sei das hauptsächlich den fehlenden Deutschkenntnissen. Jetzt hofft er, dass der Zuwi in der kommenden Amtszeit aktiver ist als zuvor.

Deutsch-Afghanischer Freundeskreis

Noor Abrahimkhail hat 2015 den Deutsch-Afghanischen Freundeskreis gegründet. Seit 2018 ist er als gemeinnütziger Verein registriert. In dem Freundeskreis will Abrahimkhail gemeinsam mit anderen Ehrenamtlichen Flüchtlinge und Einheimische ins Gespräch bringen. Dafür organisiert er beispielsweise mehrfach im Jahr Informationsveranstaltungen, versucht, in Not Geratene zu unterstützen und den Flüchtlingen die deutsche Sprache beizubringen.

deutsch-afghanischer-freundeskreis.de

Dr. Christoph Zenses und der Verein „Solingen hilft“ sorgen aktuell dafür, dass 75 000 Euro nach Moria gelangen.

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