Bienenfrühling 2019

Die Honigbiene ist ein Konkurrent der Wildbiene

Rund eintausend Sandbienen bevölkern einen Hang am Rennpatt. Das sei außergewöhnlich, sagt ein Wildbienen-Experte. Foto: Hans-Jürgen Martin
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Rund eintausend Sandbienen bevölkern einen Hang am Rennpatt. Das sei außergewöhnlich, sagt ein Wildbienen-Experte.

Am Rennpatt siedeln gerade etwa 1000 seltene Sandbienen. Experte Hans-Jürgen Martin freut sich über das Massenvorkommen.

Von Philipp Müller

Ganz euphorisch pilgert Hans-Jürgen Martin momentan zum Rennpatt. Der Wildbienen-Experte beobachtet dort seltene Sandbienen. Es sei äußerst ungewöhnlich, dass sie so nahe an der bewohnten Ohligser Innenstadt leben würden, sagt er. Der Hang mit lockerem, sandigen Boden biete allerdings ideale Lebensbedingungen für die Wildbiene. Diese hätten es heute nicht leicht. Denn die zahlreichen Honigbienenvölker bedeuten für die selteneren Wildbienenarten eine starke Konkurrenz.

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Daran sei auch der Mensch mitschuldig, der nach dem Zweiten Weltkrieg die natürlich vorkommenden Honigbienen in den Wäldern systematisch ausgerottet habe. In alten Bäumen hätte die wilde Honigbiene früher ihre Nester mit den Waben gebaut. Doch die gewerblichen Imker sahen in ihnen eine Gefahr für die eigenen Völker. Diese seien bewusst auf hohen Honigertrag hin gezüchtet worden. Außerdem seien sie weniger angriffslustig, stechen nicht so oft zu. Die Imker hätten mit der Ausrottung der wilden Honigbiene verhindert, dass diese sich mit ihren Zuchtbienen kreuzen.

Umso erstaunlicher sei das Massenvorkommen der Sandbiene am Rennpatt. Bis zu 1000 kleine Bohrlöcher habe er gezählt, berichtet Martin.

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In jedes würden die weiblichen Sandbienen in den kommenden zwei Wochen nun ihre Brut ablegen. Dann sei das sichtbare Spektakel auch schon vorbei. Im kommenden Frühjahr würden die neuen Bienen die Nester verlassen. Das könnten einige tausend Exemplare sein, werde der Siedlungsraum nicht gestört, erklärt der Wildbienen-Experte. Die Sandbiene ernähre sich ausschließlich von Pollen der blühenden Weiden. Allein das mache die vielen Sandbienen so außergewöhnlich. Auch eine weitere Wildbienenart, die Frühlings-Seidenbiene, hat er dort entdeckt. Auch sie gräbt ihre Nester in den Boden. Der Hang am Rennpatt sei dafür ideal, weil er sehr locker, ganz dünn von Pflanzen bewachsen sei. Regne es, versickere das Wasser leicht, die Brut könne dadurch nicht so schnell faulen.

Im eigenen Garten kann jeder den Wildbienen helfen

Lockere Bodenflächen sollten alle Gartenbesitzer den Wildbienen anbieten. Denn die überwiegende Zahl der wilden Arten grabe Nester in Böden, erklärt Martin. Diesen Bienen sei mit Wildbienen-Hotels nicht geholfen. Trotzdem machten diese natürlich trotzdem Sinn. Auch blühende Pflanzen für die Insekten helfe beim Artenschutz. Jedoch solle man dabei auf heimische Arten achten. Viele hübsche Pflanzen aus dem Ausland würden von den Bienen einfach verschmäht. Manchmal sei es gut, die Natur einfach mal auf einem Areal im Garten machen zu lassen. Wilde Flächen organisierten sich für die Bienen meist auch gut von selbst.

Weil er sich so für die Wildbienen und deren Artenvielfalt einsetzt, sieht Hans-Jürgen Martin die Zuchtbienen der Imker eher kritisch. Sie dürften nicht überhandnehmen. Denn als Nahrungskonkurrenten nutzen die Zuchtbienen auch Pflanzen, die die Wildbienen bevorzugen. Dabei gebe es aber ein Problem. So wie die Sandbiene nur auf die blühende Weide setzt, gebe es auch andere Wildbienen, die Spezialisten für bestimmte Pflanzen seien. Sie könnten – gibt es zu viele Zuchtbienen im Revier – nicht auf Ersatzpflanzen ausweichen. Allerdings gebe es auch unter den Wildbienen Nahrungsgeneralisten, die sich wie die Honigbiene von vielen Pflanzen ernährten. Mehr über die Wildbienen-Arten gibt es online.

www.wildbienen.de

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