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Homeschooling: „Man merkt, dass die Lehrer geschult wurden“

In den Grundschulen wird vor allem noch mit Arbeitsblättern gearbeitet. Doch auch hier wird nun viel mehr Wert auf digitales Lernen gesetzt.
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In den Grundschulen wird vor allem noch mit Arbeitsblättern gearbeitet. Doch auch hier wird nun viel mehr Wert auf digitales Lernen gesetzt.

Eltern und Schüler sehen positive Entwicklungen beim Distanzlernen, doch es gibt auch Kritik.

Von Anja Kriskofski

Solingen. Der Start verlief mancherorts holprig. Seit Montag sind die Schulen wieder im Distanzlernen. Doch zahlreiche Lernplattformen und Kommunikations-Apps funktionierten wegen des massenhaften Zugriffs nicht richtig. Das bemängeln Solinger Eltern und Schüler. Im Vergleich zur ersten Schulschließung im Frühjahr 2020 laufe vieles jedoch besser.

ADS-Schüler Max Urbitsch sieht Fortschritte.

„In den weiterführenden Schulen wurde viel getan, um einen nach dem Stundenplan ablaufenden Unterricht zu gewährleisten“, teilt Antonia Depner, Vorsitzende der Stadtschulpflegschaft, mit. Wochenpläne seien verteilt und Einführungen in Videokonferenzen abgehalten worden, loben die Elternvertreter. „Sehr positiv fanden wir die E-Mails der Schulleitungen mit Verhaltensregeln   für   den  Distanz- unterricht.“ Weil die App Sdui, über die bei vielen Schulen die Kommunikation mit den Eltern läuft, aber komplett überlastet war, hätten Termine zu Videokonferenzen nicht abgerufen werden konnten. Viele Schulen arbeiten inzwischen mit der Software Microsoft Teams, die Stadt Solingen hat dafür Lizenzen angeschafft. Depner: „Teilweise sind die Lehrer aber noch nicht im Umgang mit MS Teams geschult.“

Till Burberg ist SV-Sprecher der Geschwister-Scholl-Schule.

Problematisch sei auch die Organisation der Notbetreuung: „Die Notbetreuung sieht keinen Unterricht vor und bietet kaum Austausch.“ Eltern hätten deshalb Sorge, dass ihre Kinder dadurch noch mehr Lerninhalte verpassen als Schüler im Distanzunterricht.

„Es läuft viel besser als beim ersten Mal“, sagt Max Urbitsch, Schülersprecher und Abiturient an der August-Dicke-Schule (ADS). An der ADS werde nun deutlich mehr mit Videokonferenzen über Google Classroom gearbeitet. Das erleichtere die thematische Arbeit, aber auch vor allem die Organisation, sagt Celia Matthaei, ebenfalls ADS-Abiturientin. „Auch wenn es bei jüngeren Schülern sicher schwieriger ist, solche Konferenzen zu machen“, erklärt Max Urbitsch. Lehrer seien zudem besser erreichbar, so der 17-Jährige. „Man merkt auch, dass es Fortbildungen gab.“

Antonia Depner ist Vorsitzende der Stadtschulpflegschaft.

Das bestätigt Till Burberg, Schülersprecher der Geschwister-Scholl-Schule. Die Gesamtschule Ohligs sei jetzt auf MS Teams umgestiegen. „Vorher hat jeder Lehrer die Plattform verwendet, die er für richtig hielt. Ich hatte allein vier Apps für die Schule. Das war chaotisch.“ Beim Start des Distanz-unterrichts mit der neuen Software habe es keine Probleme gegeben. Nach Stundenplan gebe es an seiner Schule nun Videokonferenzen oder Aufgaben, die bearbeitet werden müssten.

Die meisten Leih-iPads sind laut Dagmar Becker verteilt.

Dass beim Distanzlernen nun selbst in der Grundschule viel mehr auf Technik gesetzt wird, sorgt auch für Kritik. Ein Vater, der anonym bleiben möchte, berichtet, dass sein Sohn kein Leih-iPad von der Stadt zur Verfügung habe. Das sei an dessen Grundschule nur für Kinder vorgesehen, die Leistungen nach dem Bildungs- und Teilhabegesetz erhielten. „Das ist ja auch in Ordnung. Man kann aber nicht voraussetzen, dass alle anderen Kinder ein Gerät haben.“ Da er zeitweise arbeitslos gewesen sei, könne er seinem Sohn nicht ohne weiteres ein Tablet für mehrere hundert Euro kaufen, damit dieser Englischvokabeln elektronisch nachschlagen und Youtube-Videos für den Unterricht angucken könne. Das müsse dieser nun am Handy oder am Firmenrechner des Vaters erledigen.

„Es läuft viel besser als beim ersten Mal im Frühjahr.“
Max Urbitsch ADS-Schülersprecher

Die Leihgeräte der Stadt Solingen hätten die Schulen inzwischen weitgehend an bedürftige Schüler verteilt, erklärt Schuldezernentin Dagmar Becker (Grüne) auf Anfrage. In das „Mobile Device Management“, dem Verwaltungssystem für die mobilen Geräte, seien nur noch vereinzelte Tablets nicht eingebunden. Damit Schüler, die kein Wlan zuhause haben, auch Videokonferenzen verfolgen könnten, sei das Datenvolumen für die iPads aufgestockt worden.

Abschlussklassen

Auch wenn dank technischer Lösung der Distanz-unterricht gut funktioniere: Vor allem Schülern in Abschlussklassen bereiten die Schulschließungen Sorge. „Wir hoffen, dass wir vielleicht ab Februar doch den Solinger Weg mit Wechselunterricht gehen können“, sagt Till Burberg, Schülersprecher der Geschwister-Scholl-Schule. Auch ADS-Schülersprecher Max Urbitsch hofft auf Präsenzunterricht. „Der Kontakt in der Klasse ist noch einmal etwas ganz anderes.“

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