Kriminalität

Hohe Jugendstrafen für Raubüberfälle

In der Widderter Gaststätte Elsterklause gingen die Täter überaus brutal vor. Archivfoto: Tim Oelbermann
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In der Widderter Gaststätte Elsterklause gingen die Täter überaus brutal vor.

Polizeibekanntes Quintett überfiel im Frühjahr einen Kiosk in Barmen und eine Gaststätte in Widdert.

Von Hans-Peter Meurer

Zu hohen Jugendstrafen hat das Solinger Jugendschöffengericht vier von fünf wegen schweren Raubes angeklagte junge Solinger im Alter zwischen 15 und 20 Jahren verurteilt. Zwei jeweils 16-jährige Angeklagte erhielten eine Einheitsjugendstrafe von jeweils vier Jahren. Gegen den nach dem Jugendstrafrecht verurteilten 20-jährigen Fahrer der jungen Räuber sowie gegen einen 17-Jährigen wurden sogar jeweils Jugendstrafen von vier Jahren und sechs Monaten ausgesprochen. Die Höchststrafe im Jugendstrafrecht für schweren Raub liegt bei fünf Jahren.

Nur ein 18-jähriger Solinger, bisher kaum strafrechtlich in Erscheinung getreten und vom Schöffengericht als Mitläufer eingestuft, erhielt einen „Warnschuss“ in Form eines Schuldspruchs unter Vorbehalt: Er muss zunächst einen zweiwöchigen Jugendarrest ableisten und sich bewähren. Zwei Urteile sind schon rechtskräftig, drei Angeklagte haben schon gegen ihre Urteile Berufung eingelegt und wollen die nächsthöhere Instanz anrufen.

Widderter Gastwirtin eine Pistole gegen den Kopf geschlagen

Das Quintett hatte an einem Abend im Februar zunächst versucht, eine Gastwirtschaft in Widdert zu überfallen. Dieser Raub auf die Elsterklause an der Vockerter Straße misslang, obwohl einer der Täter die Gastwirtin mehrfach bedroht und ihr schließlich brutal eine Pistole gegen den Kopf geschlagen hatte. Später stellte sich heraus, dass es sich bei der Waffe um eine frei verkäufliche Schreckschusswaffe gehandelt hat. Weil sich Gäste einmischen wollten, flüchteten die Täter damals ohne Beute – sieht man einmal davon ab, dass sie von der Theke der Gaststätte noch eine Schachtel Zigaretten mitgehen ließen.

Standpunkt von Hans-Peter Meurer

Nur wenig später in derselben Nacht war das Quintett allerdings in Wuppertal-Barmen erfolgreicher: Rund 800 Euro Bargeld raubten sie bei einem bewaffneten Überfall auf einen Kiosk und flüchteten mit einem Fahrzeug Richtung Solingen.

Das von Zeugen in Widdert und in Barmen beschriebene Fluchtfahrzeug wurde dann von der Polizei schnell identifiziert: Noch in derselben Nacht wurden drei der Täter festgenommen. Weitere Ermittlungen der Polizei führten dann zu zwei weiteren Festnahmen. Alle Tatverdächtigen, zum größten Teil noch Schüler, kommen aus der Innen- oder aus der Südstadt.

Vier von den jungen Solingern wanderten sofort in Untersuchungshaft – nicht zuletzt auch deshalb, weil dieses Quartett entweder bereits diverse Straftaten auf dem Kerbholz hatte oder zum Tatzeitpunkt sogar noch Strafverfahren gegen die Solinger anhängig waren: So gehörten diese vier Jugendlichen zu der Bande, die in wechselnder Beteiligung für mehr als zwei Dutzend Einbrüche in Solinger Schulen, Kindergärten, Kioske und Vereinsheime zwischen November 2017 und Februar 2018 verantwortlich war. Viele von ihnen sind inzwischen deshalb verurteilt; beziehungsweise es wurden diese Straftaten vorläufig eingestellt, weil die Beschuldigten in dem jetzt abgeschlossenen Raubverfahren eine noch weitaus höhere Strafe zu erwarten hatten. Auch wurden bei drei Angeklagten ihre zur Bewährung ausgesprochenen bisherigen Strafen aus früheren Prozessen widerrufen und flossen nunmehr mit in die jüngsten Urteile mit ein. In diesem Fall spricht man von Einheitsjugendstrafen.

Andere Jugendliche tauchten in der überfallenen Gaststätte auf

Für Aufsehen sorgte der Fall der Bande auch deshalb, weil eine andere Jugendgruppe nur wenige Tage später in der gerade überfallenen Widderter Gaststätte auftauchte, um sich angeblich „nur nach dem Raub zu erkundigen“ und, um sich „zu entschuldigen“. Diese Jugendlichen hinterließen einen zwiespältigen Eindruck bei Gästen, die damals die Polizei riefen. Als einer von den Gästen auch noch Fotos von dieser Gruppe machen wollte, flüchtete die Jugendgruppe aus dem Lokal. Die Polizei stoppte daraufhin einen in Richtung Innenstadt fahrenden O-Bus, in dem die Gruppe auch tatsächlich angetroffen wurde.

SCHÖFFENGERICHT

FÄLLE Für Fälle mittlerer Kriminalität ist das Schöffengericht zuständig. Es hat eine Strafgewalt von einer Geldstrafe bis zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren. Wenn die Verhängung der Jugendstrafe zu erwarten ist, wird das Schöffengericht als Jugendschöffengericht tätig.

Die Personalien der Jugendlichen wurden damals überprüft. Kurze Zeit später wurden bei einer Kontrolle des Busses eine versteckte, frei verkäufliche Schreckschusspistole und ein Messer mit feststehender Klinge sichergestellt. Angeblich wollte keiner der Jugendlichen Besitzer der Waffen sein.

„Pistole und Messer konnten inzwischen den Besitzern eben aus dieser Gruppe zugeordnet werden“, erklärte damals die Wuppertaler Staatsanwaltschaft. „Wir als Anklagebehörde vermochten jedoch nach Bewertung der polizeilichen Ermittlungen letztlich in dem Verhalten dieser zweiten Gruppe keinen strafrechtlich relevanten Tatbestand erkennen“, sagte Christina Laibold, Pressesprecherin der Wuppertaler Staatsanwaltschaft, auf ST-Nachfrage. 

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