Flohmarkt

Hoftrödel stärkt die Merscheider Nachbarschaft

Ein Märchenkleid hat sich Ronja beim Merscheider Hoftrödel ausgesucht.
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Ein Märchenkleid hat sich Ronja beim Merscheider Hoftrödel ausgesucht.

In 150 Höfen und Gärten wurde Gebrauchtes angeboten. Der Zuspruch spricht für Wiederholung. Die Regeln für Hoftrödel sind recht einfach.

Von Holger Hoeck

Solingen. Luftballons und Luftschlangen in unterschiedlichsten Farben hatte Familie Küppers einladend an ein Schild vor ihrer Hofeinfahrt gehängt, das Besucher „Herzlich willkommen“ hieß. „Oh, das sieht toll aus! Lass uns da doch auch mal reinschauen“, beschlossen Silke und Pascal Riemann mit Sohn Tom und stöberten kurz darauf zwischen Kleidung, Spielzeug und Büchern.

Auch wenn sie nicht fündig wurden, freute sich die Familie über die Premiere des Merscheider Hoftrödels. „Das ist eine gute Gelegenheit, gemeinsam etwas zu unternehmen und auch mal neue Ecken und Straßen der Stadt kennenzulernen“, meint der 42-jährige Betriebswirt aus Ohligs.

In über 150 Gärten und Hofanlagen hatten Anwohner Tische und Pavillons aufgebaut, um alles, was Keller, Garagen oder Speicher an nicht mehr benötigten Utensilien hergaben, zum Verkauf gegen ein geringes Entgelt anzubieten. Bevorzugte Objekte waren häufig kindgerechte Artikel, aber auch Schuhe, Schallplatten oder Kleinmöbel.
Ebenfalls am Wochenende: Die Sommerparty Echt.Scharf.Solingen.

„Meine Tochter ist inzwischen zu alt, um mit Einhorn und Puppen zu spielen. Auch aus den Klamotten ist sie herausgewachsen. Aber vielleicht kann ja jemand die Sachen gebrauchen“, sagt eine Teilnehmerin aus der Wissmannstraße und versprach, die Einnahmen ausschließlich dem Taschengeld ihrer Tochter zuzuführen.

Schon am Vortag hatten sich viele benachbarte Familien zusammengeschlossen, um gemeinsam Vorarbeiten für den stadtteilweiten Trödel zu erledigen. „Die Kinder haben etwa mit bunten Stiften das Wort ,Hoftrödel´ auf die Straße geschrieben und Pfeile zu den mitmachenden Anbietern gemalt“, erläutert Marion Schulz, die mit ihrer und drei anderen Familien den Impuls zur neuen Merscheider Veranstaltung gegeben hatte.

„Die Grundidee hatte Familie Dreyhaupt, die in Köln häufiger an einem Stadtteil-Trödelmarkt mitgewirkt hatte. Bei Spaziergängen mit den Kindern fand sich dann schnell eine Gruppe aus sechs Personen zusammen.“ Da sich unter ihnen glücklicherweise Experten aus den Bereichen Marketing, Technik und Grafik befanden, entstanden schon bald eine Internetseite, Plakate und Flyer; zudem wurde in den sozialen Medien für den Hoftrödel geworben.

„Es kamen dann relativ schnell die ersten Anmeldungen rein, und auch bei der persönlichen Verteilung der Flyer bekamen wir ausschließlich positive Rückmeldungen. Viele meinten, dass dadurch wieder mehr Leben in den Stadtteil käme“, erinnert sich die 44-jährige Marketing-Fachfrau und zweifache Mutter. Die Teilnahmegebühr in Höhe von 10 Euro wurde in die notwendigen Druckkosten reinvestiert. „Den Rest werden wir dem Verein ,Solingen hilft´ spenden.“

Eine Wiederholung kommendes Jahr ist wahrscheinlich

Doch nicht nur der Spaß, beim Trödeln etwas für Haushalt, Hobby oder Familie zu finden, stand im Fokus der mehrstündigen Veranstaltung. „Manche Leute haben uns berichtet, dass sie schon einige Jahre in Merscheid wohnen, aber heute neue Einblicke in Höfe und Gärten erhalten haben, die ihnen sonst verwehrt geblieben wären“, teilt Jörg Küppers mit.

Seine Frau Christine freute sich indes über anregende Gespräche mit anderen Bewohnern. „Es ist doch toll, dass so viele Leute einfach Spaß haben, nach der Pandemie zusammenzukommen, sich kennenzulernen und sich über dies und jenes auszutauschen.“

Auch das Ehepaar Küppers lebt gute Nachbarschaft. „Wir machen das hier in Kooperation mit unserem Nachbarn Dennis Reichle. Die Vorbereitungen haben wir beim Bier und beim Grillen besprochen. Unsere Freundschaft ist sehr harmonisch.“

Eine Wiederholung des Hoftrödels scheint nach der gelungenen Premiere fast schon garantiert. „Wir haben bei der Ankündigung ja bewusst den Titel ,1. Merscheider Hoftrödel' gewählt. Es soll also auf jeden Fall weitergehen“, blickt Mit-Organisatorin Marion Schulz voraus.

Hintergrund: So funktionieren Hoftrödel

Orte: Hofflohmärkte oder -trödelmärkte werden seit vielen Jahren insbesondere in Großstädten durchgeführt.

Regeln: Dabei ist zu beachten, dass der Trödel-Verkauf nur im eigenen Hof oder Garten (gegebenenfalls mit Erlaubnis des Hauseigentümers), nicht aber auf öffentlichen Flächen stattfinden darf.

Gewerbe: Zudem ist ein gewerblicher Verkauf, das Anbieten von Neuwaren sowie der Verkauf von Lebensmitteln untersagt.

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