Hoffnung geht in die Verlängerung

Christian Lerch ist Pfarrer der Evangelischen Luther-Kirchengemeinde. Er macht sich Gedanken über den Lockdown und die Stimmung der Weihnachtszeit. Fotos: Christian Menge/Christian Beier
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Christian Lerch ist Pfarrer der Evangelischen Luther-Kirchengemeinde. Er macht sich Gedanken über den Lockdown und die Stimmung der Weihnachtszeit. Fotos: Christian Menge/Christian Beier

Theologen laden im ST zur Andacht ein – heute der evangelische Pfarrer Christian Lerch

Liebe Leserin, lieber Leser,

Anfang der Woche saßen wir zusammen und irgendwie doch nicht, wie das in der letzten Zeit so häufig der Fall ist. Eigentlich hätten wir Probe mit der Band unserer Kirchengemeinde gehabt. Jetzt allerdings – aufgrund von Corona – nur jeweils vor dem eigenen Bildschirm von zu Hause aus. Über Videokonferenz. Mehr schlecht als recht haben wir dann auch zusammen etwas Musik gemacht.

Mit den üblichen technischen Unzulänglichkeiten. Aber es war immerhin schön, in Zeiten von Lockdown und Homeoffice mal andere Menschen zu sehen.

„Gott weiß, wie uns zumute ist. In unseren äußeren und inneren Ausnahmezuständen.“

Dann zum Abschluss die Frage: Was singen wir denn nächste Woche? Und irgendjemand machte etwas schüchtern den Vorschlag: „Können wir noch mal eins von den Weihnachtsliedern singen?“ Jemand anderes fragte dann ein bisschen ironisch: „Dürfen wir das denn jetzt noch?“

Aber man merkte: Eigentlich war uns gar nicht ironisch zumute. Eigentlich hatten wir alle Lust darauf: Etwas von der Weihnachtsstimmung aus dem letzten Monat ins neue Jahr hinüberretten. Und warum eigentlich nicht? Na klar dürfen wir! Dieses Jahr ist sowieso alles anders. Warum also nicht auch das?

Sonst sieht es doch eher so aus: So groß wir auch Weihnachten feiern – im Januar ist die Deko weggeräumt, die Weihnachtsstimmung verflogen und der Alltag zurück. Dabei können wir das, worum es da geht, doch nach wie vor gut brauchen.

„Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens“ – von der Botschaft der Engel an die Hirten handelt jedenfalls das vorgeschlagene Lied aus unserer Videokonferenz. Nach der Weihnachtsgeschichte aus dem Lukasevangelium. Das passt doch eigentlich immer. Und auch das, worum es an Weihnachten überhaupt geht: Gott wird Mensch. Gott kommt zu uns. Und er kommt mitten in einem Ausnahmezustand zur Welt. In einfachen Verhältnissen.

Gott weiß, wie uns zumute ist. In unseren äußeren und inneren Ausnahmezuständen. Diese Botschaft ist doch viel zu gut, um sie zusammen mit den Christbaumkugeln in den Karton zu packen und erst im nächsten Dezember wieder herauszuholen.

Gott ist nicht nur an Weihnachten bei uns

Ich möchte diese Botschaft jedenfalls gerne mitnehmen. Weil sie mir gerade jetzt wichtig ist. Gott ist an meiner Seite. Im Stress von Homeschooling und Homeoffice und in der Langeweile des Lockdowns. In meiner Sorge und meiner Zuversicht. Und ich habe mir vorgenommen: Wir werden nächste Woche noch mal ein Weihnachtslied singen. Weil wir das alle gut brauchen können: uns zuzusingen, dass Gott bei uns ist. Nicht nur an Weihnachten. Denn wenn der Lockdown in die Verlängerung gehen kann, kann die Hoffnung das auch!

Ihr Pfarrer

Christian Lerch

Zur Person

Christian Lerch ist seit 2013 Pfarrer der Evangelischen Luther-Kirchengemeinde. Die Arbeit mit der Gemeindeband ist für ihn ein Ort zum Auftanken.

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