Die Woche von Stefan M. Kob

Hoffnung auf besseres Klima im bergischen Städtedreieck

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stefan.kob@solinger-tageblatt.de

Corona überlagert derzeit fast alles.

Daher ist es bisher auch noch nicht groß aufgefallen, dass in unserer Nachbarstadt Wuppertal mit Oberbürgermeister Uwe Schneidewind eine neue Tonalität vernehmbar ist und sich der Blickwinkel auf die Partnerstädte verändert hat. Das war zumindest spürbar beim ersten richtigen Treffen der drei Stadtoberhäupter, das unsere Zeitungen zum Start des neuen Jahres organisiert hatten – natürlich virtuell.

Während Tim Kurzbach (Solingen) und Burkhard Mast-Weisz (Remscheid), beide SPD, ihre Ämter verteidigten, zog nach der Wahl im September Uwe Schneidewind (Grüne) neu ins Wuppertaler Rathaus ein. Und obwohl Corona bisher ein persönliches Kennenlernen verhindert hatte, war ein anderes Klima des zukünftigen Miteinanders spürbar. Das liegt vor allem am „Neuen“ in der Runde, der keinen Hehl daraus machte, dass er von den beiden erfahrenen OBs profitieren möchte und eine Kooperation auf Augenhöhe anstrebt.

Das war in der Vergangenheit alles andere als der Fall. Insbesondere im Streit mit Remscheid um ein Outletcenter in Lennep führte sich Wuppertal auf wie die berühmte Axt im bergischen Walde: Was man selbst nicht haben kann, das gönnt man auch dem Nachbarn nicht. Die Arroganz von „Wuppertal first“ ließ den ohnehin labilen Zusammenhalt im Städtedreieck weiter erodieren. So engstirnig denkt Schneidewind nicht. Im Gegenteil: Als früherer Präsident des renommierten Wuppertaler Klima-Instituts setzt er weitergehende Themen wie nachhaltige Mobilität und Klimaschutz auf die politische Agenda.

Alle drei bergischen Großstädte sind auf Gedeih und Verderb auf Zusammenarbeit angewiesen. Keins der existenziellen Themen wie Digitalisierung, Verkehrsinfrastruktur, Wirtschaftsentwicklung oder Verschuldung kann eine Kommune allein lösen, nur mit regionaler Abstimmung lassen sich die Fördertöpfe anzapfen. Als regionale Einheit dagegen könnte man aus der eigentlich privilegierten Lage als Scharnier zwischen Ruhrgebiet und Rheinschiene viel mehr Honig saugen. Davon sind wir allerdings noch weit entfernt, obwohl die Leuchtturmprojekte Schloss Burg und insbesondere Welterbe Müngstener Brücke als zwei überaus positiv besetzte Themen für eine neue gemeinsame Dynamik sorgen.

Eins war allerdings auffällig: Obwohl der Schwur zu besserer gegenseitiger Information und der Wille zur Kooperation im Mittelpunkt standen, nahm keiner der OBs die Institution „Bergischer Rat“ in den Mund. Diese Idee, entwickelt und durchgesetzt vom scheidenden IHK-Präsidenten Thomas Meyer, hat es nie geschafft, zu einem ernsthaften parlamentarischen Gremium zu werden, in dem die städtischen Egoismen eingehegt und abgestimmte Beschlüsse gefasst werden. Was ohne Zweifel schade ist. Aber die Städte müssen sich bald darüber klar werden, ob sie diesen „Bergischen Rat“ weiter wollen oder ob sie andere Instrumente und Institutionen stärken. Da böte sich die Bergische Gesellschaft BSW an, die in der Vergangenheit insbesondere von Wuppertal auch nicht wirklich geliebt wurde. Aber die Zeiten haben sich offenbar geändert. Schauen wir mal, wie stark.

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