Erst Umfrage, dann Antrag

Höhrather wollen weg von Solingen

Viele Höhrather argumentieren mit gewachsenen Beziehungen zu Wermelskirchen. Erst seit 1975 gehört Höhrath zu Solingen. Foto: Christian Beier
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Viele Höhrather argumentieren mit gewachsenen Beziehungen zu Wermelskirchen. Erst seit 1975 gehört Höhrath zu Solingen.

Bürgerinitiative bereitet einen Antrag vor, um wieder ein Teil Wermelskirchens zu werden.

Von Theresa Demski und Björn Boch

Solingen. Vor zwei Jahren brannten in Höhrath die Siloballen. Linda Stricker griff zum Telefonhörer, wählte die 112 und wurde nach ihrer Postleitzahl gefragt. „In meiner Angst habe ich einfach nur die Fragen beantwortet, die mir gestellt wurden“, erzählt sie. Danach wartete ganz Höhrath auf die Feuerwehr. Als nach zehn, zwölf Minuten immer noch keine Sirenen zu hören waren, rief Linda Stricker erneut in der Leitstelle an. Erst jetzt registrierten die Verantwortlichen, dass der Weg von Wermelskirchen nach Höhrath deutlich kürzer ist als die Strecke, welche die Solinger von ihrer Feuerwache zurücklegen müssen. Die Einsatzkräfte aus Wermelskirchen wurden nachalarmiert. „Sie erreichten Höhrath früher als die Feuerwehr aus Solingen“, sagt Linda Stricker.

Es sind Situationen wie diese, die in Höhrath den Wunsch laut werden lassen, wieder ein Teil Wermelskirchens zu werden. Seit 45 Jahren setzt sich eine Bürgerinitiative für diese Rückkehr ein. Nun bereiten die Höhrather einen erneuten Antrag vor. „Wir wollen beim Solinger Rat ein weiteres Mal darum bitten, den Stadtteil Höhrath an Wermelskirchen abzugeben“, sagt Burkhard Stock, Vorsitzender der Bürgerinitiative.

„Aus Wermelskirchener Sicht würden wir die Rückkehr sehr begrüßen.“

Rainer Bleek, Bürgermeister in Wermelskirchen

Bevor der Antrag eingereicht wird, planen die Höhrather eine erneute Umfrage im Ort. „Wir haben schon in den 1980er Jahren sehr gekämpft, wir wollen das wieder tun“, sagt Stock. „Nicht, weil wir etwas gegen Solingen hätten, sondern weil wir damals gegen unseren Wunsch verschoben worden sind.“ Mindestens 80 Prozent der Einwohner sollen die Unterschriftenliste unterstützen, damit die Bürgerinitiative tätig wird, sagt Stock. Bei der letzten Befragung hätten 90 Prozent der Höhrather unterschrieben.

Im Wermelskirchener Rathaus steht der Bürgermeister einer Änderung positiv gegenüber. „Aus Wermelskirchener Sicht würden wir die Rückkehr sehr begrüßen“, sagt Rainer Bleek. Das letzte Mal hatten die Höhrather 1985 einen Antrag in Solingen gestellt – der bei der Abstimmung im Rat gescheitert war. „Es gibt viele enge Berührungspunkte zwischen Höhrath und Wermelskirchen und alte, gewachsene Beziehungen“, sagt Bleek. Er könne sich keine politischen Widerstände aus Wermelskirchen vorstellen, sollte Solingen grünes Licht geben.

Auch in Höhrath sprechen die Menschen von sozialen Bindungen und engen Beziehungen nach Wermelskirchen. Ärzte, Vereine, Familien, Freunde: „Wir sind in Wermelskirchen zu Hause, wir kennen dort jede Straße, gehen im Supermarkt einkaufen. Unser Leben spielt sich auf dieser Seite der Burg ab“, sagt Sven Stricker. Schwierig sei die Situation auch für Familien. In Höhrath seien in den vergangenen Jahren viele Kinder zur Welt gekommen. Weil die Plätze in Wermelskirchen knapp sind, bekommen die Höhrather Absagen. Der Weg zur Grundschule nach Solingen sei für die Kinder aber mühsam – samt Umstieg in Unterburg.

Solingens Stadtdirektor Hartmut Hoferichter zeigte sich „von diesem neuerlich geäußerten Anliegen etwas überrascht, da man nach 45 Jahren der Zugehörigkeit doch gut miteinander auskommt“. Die Kooperation zwischen Solingen und Wermelskirchen funktioniere ohne nennenswerte Probleme. Die Stadt Solingen bemühe sich sehr, die Burger und Höhrather Belange ebenso in den Blick zu nehmen wie die der anderen Stadtteile. „Aber natürlich können wir in ländlichen, im Außenbereich gelegenen Bezirken nicht dieselbe Infrastruktur bereitstellen wie in dichter besiedelten Innenstadtlagen.“

Die Stadt hoffe, dass Höhrath sich entscheidet, Solinger Ortsteil zu bleiben. Sollte sich eine Mehrheit für den Wechsel aussprechen, bliebe die Entscheidung den politischen Gremien vorbehalten. Gebietsangleichungen seien oft rechtlich schwierig und aufwendig, zumal zwei unterschiedliche Regierungsbezirke betroffen sind: Der Rheinisch-Bergische Kreis zählt zu Köln, Solingen zu Düsseldorf.

So oder so – die Höhrather wollen sich nun erst einmal selbst helfen: Sie bereiten die Gründung einer eigenen kleinen Löschgruppe vor. „Für den Notdienst gibt es eine öffentlich-rechtliche Vereinbarung zwischen den Städten“, erklärt Rainer Bleek. Höhrath werde aus Wermelskirchen notfalldienstlich versorgt. Eine entsprechende Vereinbarung für die Feuerwehren gebe es nicht. Wermelskirchen werde aber für gewöhnlich mitinformiert.

Gebietsreform und Initiative

Gebietsreform: Bis 1. Januar 1975 gehörte Höhrath zu Wermelskirchen. Im Zuge der Gebietsreform in NRW wurde der Ort Solingen zugeteilt. Heute leben etwa 150 Menschen in Höhrath.

Bürgerinitiative: Noch vor der Gebietsreform gründete sich am 15. Januar 1974 die Bürgerinitiative. Im September 1984 ließ sich die Initiative als Verein eintragen. Ihr erklärtes Ziel: die Rückgliederung nach Wermelskirchen und die Interessenvertretung der Höhrather Bürger.

Familie in Not: Nach ihrem Umzug nach Solingen hat Familie Weyer die Kündigung der Stadt Wermelskirchen für zwei Kita-Plätze erhalten.

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