Hochwasserkatastrophe

Verein dankt Fluthelfern mit Fest

Drei von vielen: Die Helfer (v. l.) Klaus Schönberger, Moritz Buchmüller und Rolf Golombjewsky waren rund um den Kotten bei und nach der Hochwasserkatastrophe im Einsatz. Foto: Christian Beier
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Drei von vielen: Die Helfer (v. l.) Klaus Schönberger, Moritz Buchmüller und Rolf Golombjewsky waren rund um den Kotten bei und nach der Hochwasserkatastrophe im Einsatz.

Hochwasserkatastrophe: Förderverein Schleiferei Wipperkotten hatte etwa 30 Helfer eingeladen.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Reinhard Schrage, Vorsitzender des Fördervereins Schleiferei Wipperkotten, wurde nicht müde, die „Ersthelfer“ nach der Flutnacht Mitte Juli immer wieder zu loben. „Ohne die rund 30 Menschen, die heute hier sind, wären wir im Schlamm erstarrt“, ist er sich sicher.

Am Samstag hatte der Förderverein die Männer und Frauen zu einem Dankeschön-Fest eingeladen. An Bierbänken unter einem Zelt wurde leckeres Essen verspeist, getrunken und eifrig geplaudert. In Tonnen knisterten Feuer, die Wärme und zugleich gemütliche Atmosphäre spendeten.

Kaum zu glauben, dass hier noch vor gut drei Monaten nahezu apokalyptische Zustände geherrscht haben. Mit Schaudern erinnert sich Reinhard Schrage an den 14. und 15. Juli, als „sein“ Wipperkotten und der andere Teil des ehemaligen Doppelkottens, in dem die Familie Rodenkirchen lebt, so überspült worden war wie nie zuvor. „2,18 Meter hoch stand das Wasser“, sagt er.

Auch Moritz Buchmüller gibt ohne Umschweife zu, wohl erstmals in seinem Leben richtige Angst gehabt zu haben: Ihm und seiner Partnerin gehört das kleine idyllische Fachwerkhäuschen, das einen Steinwurf entfernt an der Straße steht, vielen Solingern noch als „Strickstube“ bekannt.

Schon morgens sei auf dem Grundstück „Land unter“ gewesen durch den Dauerregen, der den Weinsberger Bach hatte über die Ufer treten lassen. Nach zwischenzeitlich leichter Entspannung ging es dann abends richtig los, als die Wupper binnen kurzer Zeit vollends durch die kleine Ortschaft schwappte und minütlich höher stieg. „Erst nach zwei Tagen war das Wasser so weit abgelaufen, dass man überhaupt mit dem Aufräumen beginnen konnte“, blickt er zurück, die Bilder des verschlammten Areals rund um den historischen Kotten wohl für immer vor dem inneren Auge. Als Baumpfleger besitze er gottlob hilfreiches Equipment – und konnte folglich nicht nur mit der Schippe etwas ausrichten, sondern auch mit einem kleinen Radlader. Hand in Hand mit anderen Helfern, die sich eingereiht hatten, ging es gegen den braunen Schmier.

„Das war durchaus ein Anschaufeln gegen die Zeit, weil wir wussten, dass das Ganze, erstmal getrocknet, so hart wie Beton werden würde“, sagt Rolf Golombjewsky von der Freiwilligen Feuerwehr Rupelrath. Er hatte mit seinen Leuten am Flutabend ununterbrochen um die denkmalgeschützten Gebäude gekämpft – und hatte erstmals seit 44 Jahren aufgeben müssen.

Nicht eingeladen werden konnte ein Baggerführer aus Hilden

Zunächst habe alles nach Routine ausgesehen, erzählt er. „Sandsäcke stapeln, Pumpen bereitstellen – das ist hier unten, direkt an der Wupper, öfter so.“ Was dann kam, war allerdings so heftig, dass er es nicht noch einmal erleben möchte: „Eine von den Fluten eingeschlossene Familie mussten wir durchs Fenster retten, inklusive Baby und Hund – es hat gottlob funktioniert“. Auch für ihn und die anderen Feuerwehrleute begann das große Räumen am Freitag danach. „Vor allem haben wir, nach der Beseitigung der zerstörten Geländer zum Bach und dem notdürftigen Wiederherstellen des Weges, den Kotten innen ausgespritzt. Überall, in jeder Ecke, auf jedem Messerchen und in jeder Schublade war Schlamm“.

Auch Klaus Schönberger vom Förderverein war einer der eifrigen Helfer. „Es war in all dem toll, Seite an Seite mit Menschen zu sein, die man bis dato allenfalls flüchtig gegrüßt hat“, spricht er der Helferrunde aus der Seele.

Nicht anwesend war ein nach wie vor nicht namentlich bekannter Baggerführer aus Hilden, der deshalb nicht eingeladen werden konnte. „Der kam auf einmal angefahren, weil er von der Katastrophe gehört und gelesen hatte, half mit seinem Bagger – und fuhr wieder weg.“

Ausblick

Es bleibt viel zu tun: Zäune, Geländer, Zuwegung müssen wieder hergestellt oder ausgebessert werden. Die Außenwände sind repariert, jetzt sind Wände innen an der Reihe. Erst danach geht es an das Interieur. Der Einbau des neuen Wasserrades, der vorige Woche wegen Sturms abgesagt wurde, soll zeitnah erfolgen.

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