Die Aufräumarbeiten laufen

Hochwasser: Millionenschaden am Balkhauser Kotten

Helfer des Kuratoriums des Museumsvereins räumten das Inventar aus. Das Ausmaß der Schäden wird nach und nach sichtbar.

Von Philipp Müller (Text) und Christian Beier (Fotos)

Solingen. Bis zu 1,70 Meter hoch stand das Wasser in der Nacht des Hochwassers vom 15. Juli im Balkhauser Kotten. Am dritten Wochenende danach brachten am Samstag knapp 20 helfende Händepaare das Inventar aus dem Kotten. Denn viel feuchtes Material zwischen den Balken des Fachwerks muss jetzt entfernt werden, um die Sanierung vorzubereiten.

Nicole Molinari ist Vorsitzende des Kuratoriums des Museumsvereins und selbst Sachverständige für Bauschäden. Sie schätzt die Schäden am Kotten und auf dem Gelände auf rund eine Million Euro. Trotzdem soll im Januar 2022 der Betrieb wieder aufgenommen werden.

Am Montag hatte die Stadt als Eigentümerin des Kottens einen Container auf dem Gelände aufstellen lassen. Er dient jetzt als Zwischenlager für all das, was die vielen Helfer bis zum Sonntagabend aus dem Kotten geborgen haben.

Innen ist schon viel Fachwerk freigelegt. Am Samstag und Sonntag wurde weiter aufgeräumt und Inventar in einem Container zwischengelagert. Dann werden weitere Wände freigelegt.

Die Stadt Solingen hatte vergangenen Freitag Schäden an Straßen, Brücken und auch eigenen Gebäuden von geschätzten vorläufig 31 Millionen Euro gemeldet. Für den Balkhauser Kotten steht die Summe aber noch nicht genau fest. Stadtsprecherin Sabine Rische erklärte: „Erst dann, wenn die Schadenshöhe ermittelt ist, kann vereinbart werden, wer die Kosten in welchen Teilen trägt. Eine Elementarversicherung gibt es nicht.“

Doch was kaputt ist, das wurde bereits untersucht. Dazu listet die Stadt diese Punkte auf: Der bauliche Bestand im Erdgeschoss wurde in vielen Bereichen geschädigt und muss nun saniert oder neu aufgebaut werden. Stark betroffen sind hier vor allem die Ausfachungen der Wände. Sie müssen in Teilbereichen erneuert werden, weil sie durchfeuchtet sind.

Damit habe man bereits begonnen, erklärte Nicole Molinari. Sie erklärt, die Zeit dürfe aber nicht davonlaufen. Erste Gefache seien bereits von feuchten Lehmziegeln befreit worden, damit das Wasser nicht weiter ins Gebäude nach oben und ins Holz zieht.

Das Gebäude ist auf jeden Fall standsicher.

Sabine Rische, Stadt Solingen

Das Kuratorium, die städtischen Behörden Untere Denkmalbehörde und der Fachbereich Bauunterhaltung stimmten sich über das weitere Vorgehen ab. Die wichtigste Nachricht verkündete die Stadtsprecherin bereits: „Das Gebäude ist auf jeden Fall standsicher. Das ist Ergebnis einer Überprüfung durch einen Statiker.“

Hochwasser: Millionenschaden am Balkhauser Kotten

Der Balkhauser Kotten nach dem Hochwasser
Das Hochwasser richtete am Balkhauser Kotten Millionenschäden an. Das Ausmaß wird nach und nach sichtbar.  © Christian Beier
Der Balkhauser Kotten nach dem Hochwasser
Das Hochwasser richtete am Balkhauser Kotten Millionenschäden an. Das Ausmaß wird nach und nach sichtbar.  © Christian Beier
Der Balkhauser Kotten nach dem Hochwasser
Das Hochwasser richtete am Balkhauser Kotten Millionenschäden an. Das Ausmaß wird nach und nach sichtbar.  © Christian Beier
Der Balkhauser Kotten nach dem Hochwasser
Das Hochwasser richtete am Balkhauser Kotten Millionenschäden an. Das Ausmaß wird nach und nach sichtbar.  © Christian Beier
Der Balkhauser Kotten nach dem Hochwasser
Das Hochwasser richtete am Balkhauser Kotten Millionenschäden an. Das Ausmaß wird nach und nach sichtbar.  © Christian Beier
Der Balkhauser Kotten nach dem Hochwasser
Das Hochwasser richtete am Balkhauser Kotten Millionenschäden an. Das Ausmaß wird nach und nach sichtbar.  © Christian Beier
Der Balkhauser Kotten nach dem Hochwasser
Das Hochwasser richtete am Balkhauser Kotten Millionenschäden an. Das Ausmaß wird nach und nach sichtbar.  © Christian Beier
Der Balkhauser Kotten nach dem Hochwasser
Das Hochwasser richtete am Balkhauser Kotten Millionenschäden an. Das Ausmaß wird nach und nach sichtbar.  © Christian Beier
Der Balkhauser Kotten nach dem Hochwasser
Das Hochwasser richtete am Balkhauser Kotten Millionenschäden an. Das Ausmaß wird nach und nach sichtbar.  © Christian Beier

Und das Rathaus beschreibt weiter, welche Dinge an ihrem als Museum genutzten Kotten durch die Wupperfluten zerstört wurden: Fenster, Verglasung, Fensterbänke, Zugangs- und Innentüren, Brunnenanlage und Trinkwasseranlage, Grabenwand im Bereich des Wasserrades, Heizungsanlage, Öltank, elektrische Anlagen und Inventar. All das muss in Teilbereichen saniert oder komplett erneuert werden.

Wupper hat auf acht Metern Breite die Böschung am Balkhauser Kotten fortgeschwemmt

Nicole Molinari schaut aber auch zur Wupper. Sie ist ein gutes Stück näher an den Kotten herangerückt. Denn der Fluss muss in der Höhe des Kottens in eine Kurve und hatte in der Nacht des Hochwassers dabei die Böschung auf bis zu acht Metern Breite mit voller Wucht abgetragen und tut es weiter.

Das Kuratorium sei bereits mit dem Wupperverband in Sachen Hochwasser im Gespräch, berichtet die Vereinsvorsitzende. Sie ist zuversichtlich, dass dafür eine Lösung gefunden wird, der die alte Größe der Wiese zwischen Kotten und Wupperufer zurückbringt. Zugleich gilt noch der Blick auf den kleinen Kanal, der Wupperwasser ans Wasserrad des Kottens bringt. Auch im Graben herrscht Zerstörung, die fachmännisch saniert werden muss.

Auch weiterhin werden Spenden für Betroffene benötigt. Eine Übersicht der offiziellen Spendenkonten finden Sie hier.

Standpunkt von Philipp Müller: Hilfe ist weiter wichtig

philipp.mueller@solinger-tageblatt.de

Nicht nur am Balkhauser Kotten ist freiwillige Hilfe weiter wichtig. Doch dort zeigt sich exemplarisch, was in den kommenden Wochen nötig ist: Mit Helfern wird alles so vorbereitet, dass die Profis die Hochwasserschäden beseitigen können, für die diese Handwerker ausgebildet sind. Betrachtet man die Höhe des Schadens am Kotten an der Wupper, dann wird auch deutlich: Die Schäden werden stadtweit viele, viele Millionen Euro betragen.

Dabei hat Solingen im Vergleich zu den Dörfern und Städten entlang von Ahr, Rur und Erft noch viel Glück gehabt. Aber jetzt darf auch die Hilfe nicht nachlassen. Denn nach der Beseitigung von Schlamm und Schutt wird sicher auch eine zupackende Hand beim Einräumen der bald trockenen Keller und renovierten Erdgeschosse benötigt.

Es ist sinnvoll, wenn die Stadt ihre Hotline zum Hochwasser scharfgeschaltet hält. Schafft die Stadtgesellschaft auch dies, stehen am Ende neue Gewinnerinnen und Gewinner. Bitte das nicht falsch verstehen. Das kann am Ende das Leid der Betroffenen allenfalls schmälern. Aber auch das wäre ein Gewinn für uns alle.

Hochwasser in Solingen: Die Lage am Donnerstag

Unterburg am Morgen nach der Katastrophe.
Unterburg am Morgen nach der Katastrophe. © Philipp Müller
Unterburg am Morgen nach der Katastrophe.
Unterburg am Morgen nach der Katastrophe. © Michael Schütz
Unterburg am Morgen nach der Katastrophe.
Unterburg am Morgen nach der Katastrophe. © Michael Schütz
Unterburg am Morgen nach der Katastrophe.
Unterburg am Morgen nach der Katastrophe. © Michael Schütz
Unterburg am Morgen nach der Katastrophe.
Unterburg am Morgen nach der Katastrophe. © Michael Schütz
Auch der Obenrüdener Kotten ist überschwemmt worden.
Auch der Obenrüdener Kotten ist überschwemmt worden. © Liane Rapp
Das Café Hubraum in der Kohlfurth steht ebenfalls komplett unter Wasser.
Das Café Hubraum in der Kohlfurth steht ebenfalls komplett unter Wasser. © Manuel Böhnke
Der Balkhauser Kotten steht unter Wasser. So sieht es am Donnerstag gegen 8.30 Uhr dort aus.
Der Balkhauser Kotten steht unter Wasser. So sieht es am Donnerstag gegen 8.30 Uhr dort aus. © Michael Schütz
Der Balkhauser Kotten steht unter Wasser. So sieht es am Donnerstag gegen 8.30 Uhr dort aus.
Der Balkhauser Kotten steht unter Wasser. So sieht es am Donnerstag gegen 8.30 Uhr dort aus. © Michael Schütz
Der Balkhauser Kotten steht unter Wasser. So sieht es am Donnerstag gegen 8.30 Uhr dort aus.
Der Balkhauser Kotten steht unter Wasser. So sieht es am Donnerstag gegen 8.30 Uhr dort aus. © Michael Schütz
Freibad Ittertal: Mit dem Wasser kam der Schlamm.
Freibad Ittertal: Mit dem Wasser kam der Schlamm. © Manuel Böhnke
Freibad Ittertal: Mit dem Wasser kam der Schlamm.
Freibad Ittertal: Mit dem Wasser kam der Schlamm. © Manuel Böhnke

Rubriklistenbild: © Christian Beier

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