Hitzewelle in Solingen

Natur und Talsperren brauchen Regen

Die Sengbachtalsperre ist in diesen Tagen mit 1,8 Millionen Kubikmeter Wasser noch gut gefüllt. Daher drohen keine Probleme bei der Wasserversorgung. Archivfoto: Christian Beier
+
Die Sengbachtalsperre ist in diesen Tagen mit 1,8 Millionen Kubikmeter Wasser noch gut gefüllt. Daher drohen keine Probleme bei der Wasserversorgung.

Auch wenn es noch keinen Engpass gibt: Stadtwerke bitten um verantwortungsvollen Wasserverbrauch.

Von Timo Lemmer

Solingen. Dürre auf Feldern sowie in Wäldern, ausgetrocknete Bäche und Kommunen, die dazu aufrufen, Wasser zu sparen: Drohende Wasserknappheit ist längst zum Thema geworden. Der örtliche Wasserversorger, die Stadtwerke Solingen (SWS), sorgt aber für Beruhigung: Es drohen derzeit keine Probleme mit der Wasserversorgung in der Klingenstadt.

„Die Sengbachtalsperre hat bei Vollstau einen Inhalt von 2,8 Millionen Kubikmeter Wasser, momentan liegen wir bei etwa 1,8 Millionen“, sagt SWS-Sprecherin Lisa Nohl. Das Unternehmen betreibt die Sengbachtalsperre, die eine Trinkwassertalsperre ist. Über das Wasserwerk Glüder wird dann das Ringleitungssystem versorgt, von dem aus alle Solinger Stadtteile – Ausnahme: Burg/Höhrath – mit Trinkwasser bedacht werden.

Um die Versorgung trotz der Trockenheit der vergangenen Tage sicherzustellen, „leiten wir derzeit beständig Rohwasser aus der Großen Dhünn-Talsperre über. Aktuell sind es etwa 5000 Kubikmeter am Tag.“ Doppelt so viel wäre möglich.

Solingen: Probleme könnten sich in den kommenden Jahren verschärfen

Deutschlandweit kann sich das Problem in den kommenden Jahren allerdings verschärfen, wenn einerseits durch stärkere und längere Trockenphasen der Grundwasserspiegel weiter sinkt – und die Menschen auf der anderen Seite in heißen Perioden mehr Wasser benötigen.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) hat deshalb bereits eine nationale Wasserstrategie angekündigt: Es soll darum gehen, Prioritäten in der Versorgung in einer Hierarchie festzuhalten, auch wenn bei Knappheit Entscheidungen weiterhin lokal fallen sollen, so die Ministerin.

„Aufgrund des Klimawandels haben wir vermehrt ausgeprägte Trockenphasen im Wuppergebiet.“

Susanne Fischer, Sprecherin des Wupperverbandes

Während die Stadtwerke die Sengbachtalsperre betreiben, fällt die Große Dhünn-Talsperre in den Aufgabenbereich des Wupperverbands. Der Wasserwirtschaftsverband betreibt im Wuppergebiet 14 Talsperren. Drei davon sind Trinkwassertalsperren. Die Dhünn-Talsperre ist eine davon: Sie ist die zweitgrößte reine Trinkwassertalsperre Deutschlands. „Ihre Hauptsperre ist zurzeit zu rund 61 Prozent gefüllt“, sagt Susanne Fischer.

Die Sprecherin des Wupperverbands erklärt die Wichtigkeit der Dhünn-Talsperre, die eine Doppelaufgabe erfüllt: Neben der Abgabe von Rohwasser für die Trinkwasser-Aufbereitung versorgt sie bei Niedrigwasser den Unterlauf der Dhünn. „Um den Wasservorrat in der derzeitigen Trockenphase vorsorglich zu schonen, haben wir seit Mai die Abgabe an den Unterlauf der Dhünn reduziert“, sagt Fischer.

Susanne Fischer ist Sprecherin des Wupperverbandes.

Denn beim Wupperverband spürt man die klimatischen Veränderungen der vergangenen Jahre deutlich. „Aufgrund des Klimawandels haben wir vermehrt ausgeprägte Trockenphasen im Wuppergebiet“, berichtet Fischer. Dann unterstützen die Brauchwassertalsperren am Oberlauf die Wupper mit Talsperrenwasser.

Die Veränderungen sind drastisch, da die Extreme immer ausgeprägter sind. Die Zahlen des Wupperverbands zeigen: „In den Wintermonaten hatten wir Regen, im Februar war es sogar doppelt so nass wie im Durchschnitt.“ Seit März habe es zwar noch vereinzelt geregnet, „aber die Werte in den einzelnen Monaten lagen immer unter dem Durchschnitt“.

Solingen: Thema Knappheit wird in den kommenden Jahren immer präsenter

Natur und Talsperren könnten daher ergiebigen Regen dringend gebrauchen, insbesondere nach der jüngsten Trockenheit. „Da es seit Mitte März nicht mehr nennenswert geregnet hat, leisten die Talsperren seit Monaten viel und erfüllen ihre Aufgabe der Niedrigwasser-Aufhöhung.“ Im Wupperbereich sorgt dafür allen voran die Wupper-Talsperre, aber auch die Bever am Oberlauf der Wupper sorgt für Durchlauf im Fluss.

Die Verantwortlichen in der Wasserwirtschaft sind sich jedenfalls sicher, dass das Thema Knappheit in den kommenden Jahren immer präsenter sein wird. „Wir sind qualitativ, aber auch was die Versorgung angeht in Solingen sehr gut aufgestellt“, sagt SWS-Sprecherin Lisa Nohl: „Trotzdem bitten wir darum, bei den aktuellen Temperaturen, aber auch mit Blick auf die nächsten Jahre, wirklich verantwortungsvoll mit Wasser umzugehen.“

Rund um die Wupper

Die professionellen Kanu-Anbieter können einige Abschnitte bereits seit längerem nicht mehr befahren. Dazu muss ein festgelegter Mindestpegel erreicht sein. Denn: „Es gibt an der Wupper unterhalb Solingens sehr sensible Bereiche. Die Befahrungsregeln wurden festgelegt, um Kanusport und den Schutz des sensiblen Ökosystems Wupper in Einklang zu bringen“, erklärt Susanne Fischer vom Wupperverband. Der Olympia-Dritte im Kanuslalom von 1996, Thomas Becker, hatte gegenüber dem Tageblatt erklärt, von Wupperhof bis Opladen seit zwei Jahren nicht gefahren zu sein: Die Trockenheit lasse diese geführten Touren nicht zu.

Standpunkt: Wasser stiftet Identität

Von Björn Boch

bjoern.boch@solinger-tageblatt.de

Wasser spielt im Bewusstsein des Bergischen Landes eine große Rolle. Im Bergischen Heimatlied wird es in der ersten und zweiten Strophe erwähnt: als Quelle, die aus moosigem Stein rinnt, als murmelnde Bächlein im blumigen Hain und als wild wogende Wupper auf steinigem Weg. Ohne die Schleifkotten an der Wupper hätte die Geschichte der Klingenstadt einen anderen Verlauf genommen. Wasser stiftet Identität.

Es ist beruhigend, dass im Gegensatz zu einigen anderen Gebieten – in denen Einwohner dieser Tage mit Wasser für die Klospülung von der Feuerwehr versorgt wurden – kein Engpass droht. Damit das so bleibt, muss der Klimawandel gestoppt werden. Drei heiße Sommer in Folge sind kein Wetter mehr, sondern eine klimatische Veränderung. Neben großen Projekten in der Industrie, die weltweiter Anstrengungen bedürfen, kann jeder Solinger helfen: etwa beim Verbrauch, der laut Umweltbundesamt in Privathaushalten erfreulicherweise seit Jahren zurückgeht. Und mit allem, was Wasser schont, etwa durch den Einkauf von Lebensmitteln aus ökologischer Landwirtschaft oder dem Verzicht auf Pflanzenschutzmittel im eigenen Garten.

In vielen Regionen Deutschlands haben die vielen Unwetter die Menschen - und insbesondere die Feuerwehr - am Wochenende ordentlich auf Trab gehalten. Doch ein Gutes hatte die Gewitterfront: Sie bringt Abkühlung zum Wochenstart und lässt uns alle einmal tief durchatmen.

Die Hitze sorgt für Ausfälle bei den batteriebetriebenen O-Bussen (BOB).

So lässt sich die Hitze im Homeoffice aushalten: Seit dem Beginn der Corona-Zeit sind viele Arbeitnehmer in Solingen ins Homeoffice gewechselt. Was hier beachtet werden muss, erklärt das ST.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Ab heute gelten die neuen Corona-Regeln, weitere ab Sonntag und Montag
Ab heute gelten die neuen Corona-Regeln, weitere ab Sonntag und Montag
Ab heute gelten die neuen Corona-Regeln, weitere ab Sonntag und Montag
Inzidenzstufe 3 ab Montag - Weiterer Todesfall in Solingen - Höchster Wert im Bund -
Inzidenzstufe 3 ab Montag - Weiterer Todesfall in Solingen - Höchster Wert im Bund -
Inzidenzstufe 3 ab Montag - Weiterer Todesfall in Solingen - Höchster Wert im Bund -
Live-Blog: Stadt bereitet sich auf Starkregen am Wochenende vor - Brücke Wupperhof freigegeben
Live-Blog: Stadt bereitet sich auf Starkregen am Wochenende vor - Brücke Wupperhof freigegeben
Live-Blog: Stadt bereitet sich auf Starkregen am Wochenende vor - Brücke Wupperhof freigegeben
Inzidenz über 50: Diese Corona-Regeln gelten in Solingen ab Montag
Inzidenz über 50: Diese Corona-Regeln gelten in Solingen ab Montag
Inzidenz über 50: Diese Corona-Regeln gelten in Solingen ab Montag

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare