Hitzewelle

Und es wird noch heißer: DWD erwartet 39 Grad für Solingen

Kathlen Panhorst von den Technischen Betrieben (TBS) ist derzeit mit einem speziellen Gießfahrzeug unterwegs.
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Kathlen Panhorst von den Technischen Betrieben (TBS) ist derzeit mit einem speziellen Gießfahrzeug unterwegs.

Die Hitze sorgt für erhöhte Brandgefahr. Deshalb müssen Grillplätze gesperrt werden. Ärzte und Apotheker geben Gesundheitstipps.

Von Björn Boch und Kristin Dowe

Solingen. Die Hitzewelle könnte bis zu 39 Grad für Solingen bringen: „Es ist in den Wettermodellen noch einmal wärmer geworden“, berichtet Martin Schönebeck vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Essen. Am Dienstag, dem wohl heißesten Tag, rechnet er mit diesem Höchstwert für Ohligs, in höher gelegenen Stadtteilen werden 37 bis 38 Grad erreicht. „Die Nacht zu Mittwoch wird tropisch mit etwa 23 Grad“, sagt der Meteorologe, der in Solingen lebt.

Zu Beginn der Woche war der DWD davon ausgegangen, dass Temperaturen um die 40 Grad eher nicht erreicht würden. Bereits am Montag steige nun das Thermometer auf 32 bis 34 Grad, die Nacht zu Dienstag könne schon tropisch sein. Am Mittwoch dürften Wolken Abkühlung auf 33 Grad bringen. Schönebeck betont aber: Falls sich das verzögere, könne der Mittwoch noch einmal fast genau so heiß werden wie der Dienstag. Hitzegewitter seien denkbar. „Das kann dann schnell unwetterartig werden bei so einer explosiven Luftmasse.“

Hitze in Solingen: Besonders ältere Menschen sind gefährdet - Kinder nicht im Auto lassen

Vor allem ältere Personen sind bei hohen Temperaturen besonders gefährdet, erklärt Dr. Bernhard Plath, Chefarzt der Zentralen Aufnahmeeinheit der Ohligser St. Lukas Klinik. „Im Alter nimmt der natürliche Hitzeschutz ab und Kreislaufstörungen nehmen zu. Die Devise lautet daher: trinken, trinken, trinken“, so der Mediziner (). Bei Kleinkindern könne es ebenso sehr schnell zu Überhitzung kommen. Stehende Autos heizten sich extrem auf. Plath appelliert: „Lassen Sie Ältere, Kinder und Schwächere nicht im Auto zurück, auch nicht für kurze Zeit.“ Bereits in dieser Woche hatte die Feuerwehr in Solingen eingreifen und Tiere aus Autos befreien müssen.

Ab wann wird von Hitze gesprochen?

Ein Sommertag bezeichnet einen Tag, an dem es 25 Grad und wärmer ist, Hitzetage beginnen ab 30 Grad. Ein Frosttag ist ein Tag an dem die Temperatur unter dem Gefrierpunkt 0 liegt.

Die Zahl der Hitzetage stieg laut DWD in den vergangenen Jahren kontinuierlich an. Die Temperaturen werden im Bergischen um bis zu 4,4 Grad bis zum Jahr 2100 steigen.

Hitze in Solingen: Natur braucht Wasser

Die Hitze trifft auf eine Natur unter Stress: „Es ist zu trocken und es wird erst einmal zu trocken bleiben“, so der DWD. Der Wupperverband weist darauf hin, dass im Juni im gesamten Wuppergebiet 30 bis 40 Liter Regen pro Quadratmeter weniger als im langjährigen Mittel gefallen sind. In Burg wurden 74 Liter pro Quadratmeter gemessen – im Mittel sind es 102 Liter. Da ab Wochenbeginn die Gefahrenstufe vier erreicht werde, sei das Grillen im Engelsberger Hof und im Bärenloch ab Montag, 18. Juli, bis auf weiteres verboten, teilt die Stadt mit.

Bei den Stadtbäumen gibt es bereits erhöhten Bewässerungsbedarf„Zusätzlich zu den Bäumen fahren die Technischen Betriebe derzeit mit zwei eigenen Gießfässern mit je 600 Litern und einem speziellen Gießfahrzeug mit 2000 Litern ausgewählte Staudenbeete und Gehölze zur Bewässerung an“, so Stadtsprecher Daniel Hadrys.

Dr. Jan Boomers in der Ohligser Heide: Pflanzen, Moose, aber auch die heimischen Amphibien haben aktuelle mit der Dürre zu kämpfen.

Die Bädergesellschaft, zuletzt durch Ausfälle beim Personal gebeutelt, „tue alles in ihrer Macht stehende, um den zu erwartenden Besucheransturm zu bewältigen“, erklärt der Stadtsprecher. Die Standardbesetzung solle bei Bedarf erweitert werden.

Für die Natur etwa in der Ohligser Heide sei die Hitze ein Stresstest, gibt Dr. Jan Boomers, Leiter der Biologischen Station Mittlere Wupper, zu bedenken. „Oberflächlich betrachtet finden es die Menschen wunderschön, wie die Glockenheide gerade blüht. Wir Biologen haben da einen etwas anderen Blick auf die Situation.“ So setze die Hitze besonders Pflanzenarten zu, die üblicherweise im Nassen stehen, etwa Torfmoose oder der Sumpf-Bärlapp. Letzterer sei bereits stark zurückgegangen. „In extremen Trockenheitsphasen im Sommer trocknen diese Arten durch und sterben ab.“ Moose wüchsen zudem nur sehr langsam nach. Auch heimische Amphibien und Libellen, die ihre Jungtiere im Wasser bekommen, kämpften mit Dürrephasen.

Hitze in Solingen: Mais und Zuckerrüben sehen nicht gut aus

Auch für die Landwirtschaft sieht Karl-Otto Dickhoven, Vorsitzender der Ortsbauernschaft Solingen, äußerst negative Auswirkungen durch die hohen Temperaturen. „Die Situation ist dramatisch. Vor allem der Mais braucht dringend Wasser, um die Kolben zu füllen.“ Zwar sei die Getreideernte bereits gerettet, doch um Mais und Zuckerrüben auf seinen Feldern macht sich der Landwirt große Sorgen. „Die sehen nicht gut aus.“ Für gute Ernteerträge seien im Sommer generell Temperaturen von nicht mehr als 25 Grad erforderlich. Für das Vieh sei die Hitze ebenso eine Belastung. „Unsere Kühe sind in einem kühlen Stall untergebracht. Für Tiere auf der Wiese sind die Temperaturen aber schon problematisch. Wenn sie die Möglichkeit haben, suchen sie sich Schatten.“

Tipps gegen die Hitze

Dr. Bernhard Plath rät:„Stellen Sie in der Wohnung Getränke als Erinnerung auf. Auch Obst – wie Pfirsiche oder Melonen – kann den Wasserhaushalt positiv beeinflussen.“ Beispielsweise bei Herzinsuffizienz könne eine zu große Trinkmenge aber schädlich sein, hier sei Rücksprache mit dem Hausarzt notwendig. Neben Flüssigkeit seien bei Wärme leicht verdauliche Speisen wichtig – Salate, Obst, Gemüse, mageres Fleisch und Fisch.

Apotheker: „Manche Arzneimittel vertragen keine Hitze oder können bei hohen Temperaturen anders oder gar nicht wirken“: Darauf weist Christian Veithen als Sprecher der Solinger Apotheker hin.

Flyer: Die Stadt hat einen Flyer mit Tipps herausgegeben. Dort heißt es unter anderem: „Bei einem Hitzschlag ist schnelle medizinische Hilfe unbedingt notwendig. Bei diesen Symptomen sollten Betroffene unverzüglich den Notruf (112) wählen: heftige Kopfschmerzen, wiederholtes Erbrechen, plötzliche Verwirrtheit, hohe Körpertemperatur.“

Standpunkt von Kristin Dowe: Klimawandel lässt sich nicht mehr stoppen

kristin.dowe@solinger-tageblatt.de

Wann wird's mal wieder richtig Sommer?“, fragte Rudi Carrell 1975. Und auch wenn der alte Schlager zeigen mag, dass das Wetter es den Menschen wohl niemals recht machen kann, lässt sich heute eine bittere Wahrheit nicht bestreiten: Der Klimawandel setzt sich in rasantem Tempo fort.

Wer mit offenen Augen durch die Wälder im Bergischen geht, kann die Auswirkungen langer Phasen von Dürre und Trockenheit kaum übersehen, die vielerorts irreversible Schäden angerichtet haben.

Am Donnerstag erst gedachten viele Solingerinnen und Solinger bei einem Gottesdienst in Unterburg der Leidtragenden der Hochwasserkatastrophe im Juli 2021, die Experten ebenfalls als alarmierende Folge der Erderwärmung sehen.

Rund ein Jahr später sehen wir uns mit einer heftigen Hitzewelle konfrontiert. All das zeigt auf dramatische Weise, dass wir mit aller Kraft versuchen müssen, den menschengemachten Klimawandel zu verlangsamen. Stoppen lässt er sich schon längst nicht mehr.

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