Historisches Foto

Gesucht wird ein Ort der Stille und des Gedenkens

Erkennen Sie, wo die Aufnahme entstanden ist?
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Erkennen Sie, wo die Aufnahme entstanden ist?

Das historische Foto der vergangenen Woche zeigte den Brunnen der Hofschaft Lehn.

Von Manuel Böhnke

Solingen. Das historische Foto dieser Woche zeigt einen Ort der Stille und des Gedenkens. Erkennen Sie, wo die Aufnahme entstanden ist? Was wissen Sie über die Geschichte des Ortes? Schreiben Sie uns gerne bis Donnerstag, 7. Juli, eine E-Mail mit dem Betreff „Historisches Foto“.

redaktion@solinger-tageblatt.de

Das historische Foto der vergangenen Woche: Pött ist Ort für Kommunikation und Kultur

Hanna Otto (3. v. r.) und Martina Binus (r.) halfen dabei, den Lehner Pött auf Vordermann zu bringen.

Nach der Tageblatt-Lektüre am vergangenen Wochenende musste Hanna Otto Kontakt zu ihrer Tochter aufnehmen. „Ich habe natürlich sofort erkannt, wo die Aufnahme entstanden ist“, erzählt die 86-Jährige. Kein Wunder: Sie und Tochter Martina Binus sind auf dem historischen Foto zu sehen. 1971 brachten sie mit einigen Helfern den Lehner Pött auf Vordermann. Noch heute, mehr als 50 Jahre später, kümmert sich die Solingerin um den Brunnen.
„Ich kann mich noch gut an die Arbeiten erinnern“, erzählt die 63-jährige Binus. Wegen eines verstopften Ablaufs habe das Bauwerk unter Wasser gestanden. „Wie man sieht, haben wir damals mit großartiger Unterstützung gearbeitet.“ Sie hat der Anblick der Schwarz-Weiß-Aufnahme, auf der auch ihr Bruder zu sehen ist, in die Kindheit zurückversetzt: „Ich bin dort aufgewachsen. Wir haben aus diesem Brunnen zwei Jahre lang Wasser bezogen.“

Rund 50 Jahre nach der historischen Aufnahme trafen sich Mutter und Tochter wieder zum Fototermin am Brunnen.

Bis heute ist der Pött – früher Garant für die Wasserversorgung der Hofschaft Lehn – in Betrieb. Wesentlichen Anteil daran hat Hanna Otto. Mit einem Nachbarn pflegt sie das Bauwerk und das umliegende Gelände: „Ich ziehe Unkraut und halte die Treppe sauber.“ Mit einem Artikel im ST im vergangenen Jahr wurden Mitstreiter gesucht. Abgesehen von einem Nachbarn, der sich bereiterklärt habe, bei Bedarf anzupacken, brachte der Aufruf jedoch keinen Erfolg.

„Dass Klatsch und Tratsch die Runde machten, war doch klar.“

Regina Mengel, ST-Leserin

Die Ursprünge des Lehner Pötts gehen auf das Jahr 1729 zurück. Dass er nicht unter Denkmalschutz steht, hängt mit einer Trauerweide zusammen, die in früheren Zeiten hinter dem Brunnen stand. Auf dem historischen Foto ist der Baum zu erkennen. „Irgendwann musste die Feuerwehr die Weide fällen“, blickt Hanna Otto zurück. Dabei habe das Mauerwerk Schaden genommen – an einer Restaurierung führte kein Weg vorbei.
Nicht nur bei Hanna Otto und Martina Binus löste das historische Foto viele Erinnerungen aus. Auch Haydar Bilgili, Regina Mengel, Elke Steinhaus und Norbert H. Posthum verorteten die Aufnahme korrekt. Letzterer erklärt: „Pött ist im Solinger Raum eine gebräuchliche Bezeichnung für eine Brunnenanlage.“ Früher, bevor es öffentliche Versorgungsnetze gab, seien sie essenziell für die Wasserversorgung gewesen. Posthum macht deutlich: „In den Hofschaften erfolgte der Anschluss an das öffentliche Netz teilweise erst in den 1960er Jahren. Bis dahin wurde das Wasser mittels Pumpe oder Eimern an Ketten an die Oberfläche gefördert.“

Dann ging es ans „Waterpöngeln“, berichtet Elke Steinhaus: „An einem Joch, dem Querbalken auf der Schulter, wurden an Ketten zwei Eimer befestigt.“ So beschwerlich hatte es ihr Vater nicht, als Solingen 1959 mit „großer Trockenheit“ zu kämpfen hatte. Um Flüssigkeit zu sparen, hätten die Stadtwerke seinerzeit Plättchen in den Wasserhähnen montiert. „Wer einen Pött in der Nähe hatte, konnte dort Wasser holen. Mein Vater fuhr mit seinem Moped hin und holte Wasser in einem Behälter“, sagt Steinhaus.

Freilich gebe es über den Lehner Pött hinaus vergleichbare Brunnen in Solingen. Beispielhaft nennt sie die Anlagen in Mankhausen, Unnersberg und Eigen. Bis heute gibt es dort Vereine, die sich um den Pött kümmern und Feste veranstalten. Dies ist historisch gewachsen, macht Regina Mengels Einwurf deutlich: „Der Pött in den Hofschaften war nicht nur ein Ort, wo man Wasser schöpfte, sondern auch kultureller und kommunikativer Mittelpunkt.“

Diese Erfahrung machte die Solingerin in ihrer Jugend. Das Grundstück des Großvaters verfügte über drei Quellen. Im Sommer standen Frauen und Kindern an, um Eimer zu füllen. „Dass in der Wartezeit allerlei Tratsch und Klatsch die Runde machten, war doch klar. Wir Kinder wussten das klare, kühle Wasser zu schätzen. Oft genug erbettelten wir uns von Opa Himbeersirup und machten eine köstliche Limonade.“

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