Vortrag

Historiker beleuchtet Max Levens Lebensweg

Dr. Horst Sassin sprach im Zentrum für verfolgte Künste über Max Leven und dessen bisher weniger bekannte Seiten. Foto: Christian Beier
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Dr. Horst Sassin sprach im Zentrum für verfolgte Künste über Max Leven und dessen bisher weniger bekannte Seiten.

Vortrag von Dr. Horst Sassin im Ratssaal des Zentrums für verfolgte Künste

Von Moritz Jonas

Solingen. Es war die erste Veranstaltung im Begleitprogramm der Ausstellung „. . . und laut zu sagen: Nein.“ die nicht online, sondern live im Ratssaal des Zentrums für verfolgte Künste stattfinden konnte. Auf Initiative des Vereins Max-Leven-Zentrum Solingen berichtete Dr. Horst Sassin hier über den Lebensweg von Max Leven, der Namensgeber der zukünftigen Bildungs- und Gedenkstätte sein wird.

Der Historiker Sassin hat sich intensiv mit dem Lebensweg von Max Leven beschäftigt, der einen Großteil seines Lebens in Solingen verbrachte. Vielen ist er deshalb ein Begriff, weil er das einzige unmittelbar Todesopfer der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 in Solingen ist. Sassin zeigte in seinem Vortrag über den aus einer jüdischen Familie stammenden Leven aber mehr von dem auf, was diesen Menschen ausmachte. Er beschrieb ihn als „Musikliebhaber, unabhängigen Sozialdemokraten und fanatischen Kommunisten“. Bei seiner Recherche versuchte Sassin Einblick in die Kindheit des in 1882 in Diedenhofen, Frankreich geborenen Leven zubekommen. Wobei diese Zeit nur spärlich dokumentiert ist. „Max war ein selbstbewusster Schüler, ein Anführer mit Stolz, der keine Ungerechtigkeiten vertrug“, vermittelte Sassin den Zuhörern.

Auch danach sei der Lebenslauf von Leven ein lückenhafter. Im Jahr 1916 sei Leven dann gemeinsam mit seiner Familie nach Solingen gezogen, führte Sassin weiter aus. Hier arbeitete er unteranderem als Kulturkritiker für die Bergische Arbeiterstimme, eine Zeitung der kommunistischen Parteien, die bis 1933 in Solingen aufgelegt wurde.

Leven wollte Kultur für alle Klassen zugänglich machen

Hier habe er seine Liebe zur Hochkultur ausleben können und im Zuge dessen unter anderen gefordert, Kultur für alle Klassen zugänglich zu machen, erklärt Sassin. Auch politisch war Leven sehr engagiert, seit 1918 Mitglied der USPD, später dann der KPD. Aufgrund dieser Zugehörigkeit wurde er nach der Machtübernahme des Nazi-Regimes 1933 im KZ Kemna bei Wuppertal inhaftiert. Kurz darauf wurde er aber wieder freigelassen. In jener schicksalhaften Nacht im November 1938 sei Leven dann durch das NSDAP-Mitglied Armin Ritter in seiner Wohnung erschossen worden. „Aufgrund seiner politischen Gesinnung und seiner jüdischen Herkunft passte er genau in das Feindbild des NS-Regimes“, erklärte Sassin. Dennoch sollte mehr von Leven im Bewusstsein sein bleiben als sein Tod. „Er war ein Mann, der zu seinen Prinzipien stand und sich nichts gefallen ließ“, sagte Sassin.

Wer mehr über Max Leven und andere Widerständler der Solinger NS-Zeit erfahren möchte, kann sich die Ausstellung noch bis zum 14. November im Zentrum für verfolgte Künste anschauen. Die aktuell gültigen Öffnungszeiten sind online zu finden:

verfolgte-kuenste.com

nein.max-leven-zentrum.de

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