Talentcampus

Hip-Hop verbindet Jugendliche aus aller Welt

Dana Charles Klang übt mit den Jugendlichen eine Choreografie für den gemeinsamen Auftritt ein. Foto: Uli Preuss
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Dana Charles Klang übt mit den Jugendlichen eine Choreografie für den gemeinsamen Auftritt ein.

Beim Talentcampus der Bergischen VHS tanzen Deutsche und Flüchtlinge gemeinsam.

Von Michael Kremer

Tanz ist eine internationale Sprache. Er braucht keinen gemeinsamen Wortschatz, um Länder und Kulturen zu verbinden. Das gilt in besonderem Maße für die Jugendkultur. Breakdance und Hip-Hop werden weltweit getanzt. In Deutschland ebenso wie in Syrien und Afghanistan. Darum eignet sich der Tanz, um Brücken zwischen den Menschen zu schlagen.

Vor diesem Hintergrund veranstaltet die Bergische Volkshochschule ein kulturelles Ferienprogramm für Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren, das unter dem Motto „Tanz der Kulturen“ steht. Das Programm mit dem Titel „Talentcampus“ wird vom Deutschen Volkshochschulverband und der Initiative „Kultur macht stark“ gefördert, die Teilnahme ist kostenlos. 24 Jugendliche können mitmachen, zehn haben sich angemeldet. Dass es je zur Hälfte deutsche und geflüchtete Jugendliche sind, ist Zufall.

Choreografie wird morgen öffentlich vorgestellt

„Bevor wir unsere Energie rauslassen können, müssen wir sie erst einmal sammeln“, sagt Dana Charles Klang, Gründer und Vorsitzender der Flow Nation Crew, die derartige Projekte landesweit betreut. Darum beginnt jede Tanzeinheit mit Yoga- und Meditationsübungen. Sechs Crew-Mitglieder sind nach Solingen gekommen, um mit den Jugendlichen eine Woche lang verschiedene Tanzstile einzuüben, die später zu einer Choreografie zusammengefügt werden. Das Ergebnis wird morgen öffentlich vorgestellt. Angedacht ist, ab 15 Uhr im oder am Hofgarten aufzutreten.

An jedem Tag des Ferienprogramms steht ein anderer Tanzstil im Mittelpunkt. Jedem Stil wird eine eigene Bedeutung beigemessen. „Der Breakdance steht für den Ärger, den man in der Heimat haben kann“, erklärt Klang. Er symbolisiert somit die Fluchtgründe. Der House-Stil soll den beschwerlichen Weg aufzeigen, den die Flüchtlinge auf sich genommen haben. Der Hip-Hop steht für ihr Ankommen in der Fremde.

Getanzt wird nachmittags. An den Vormittagen stehen Deutsch lernen und Gespräche über Flucht, Vorurteile und Neuanfang im Mittelpunkt. Vor dem Hintergrund des Anschlags eines Jugendlichen in einem Regionalzug bei Würzburg ist es besonders den Migranten sehr wichtig, über dieses Thema zu sprechen. Sie sind besorgt, dass die Tat eines Einzelnen verallgemeinert wird und zu Misstrauen ihnen gegenüber führt.

„Ich möchte Deutsch lernen und deutsche Jugendliche kennenlernen“, nennt Murtaza die Gründe für seine Teilnahme am Ferienprogramm. „Das ist wie Schulunterricht“, sagt der 17-Jährige. Er ist vor acht Monaten nach Deutschland gekommen, seine Familie in Afghanistan hat er seither nicht mehr gesehen. „Es ist interessant zu erfahren, wie die Jugendlichen hierher gekommen sind“, sagt Antonia. Die 15-Jährige hat sich zur Teilnahme entschlossen, „weil Flüchtlinge eine zweite Chance verdient haben“. Dabei möchte sie sich einbringen.

DIE GRUPPE

FLOW NATION CREW Die Gruppe ist ein Künstlerkollektiv aus Leichlingen, das Hip-Hop- und Graffiti-Projekte in ganz Nordrhein-Westfalen veranstaltet. Die Mitglieder betrachten Hip Hop nicht nur als Musikrichtung, sondern als Kultur, in der das Gefühl von Gemeinschaft und Energie im Mittelpunkt steht. Für die Flow Nation Crew steht der Hip Hop in seinen Grundzügen für Friede, Liebe und Gemeinsamkeit.

Auch Mini (17) und Lea (14) wollen durch ihre Teilnahme die Flüchtlinge unterstützen – und Spaß haben. In diesem Punkt unterscheiden sie sich nicht von Oahab (18) und Meysam (15). „Ich liebe Tanzen“, sagt der 15-Jährige, der vor sechs Monaten aus Afghanistan nach Deutschland gekommen ist. „Im Irak habe ich viel mit der Familie und Freunden getanzt“, erinnert sich Oahab. In seiner Heimat waren es vor allem traditionelle Tänze, Hip-Hop kannte er aus dem Fernsehen. Jetzt will er das auch lernen: „Tanzen ist in allen Kulturen wichtig“, sagt er.

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