Hindus wollen das Kirchen-Café beleben

Freuen sich auf die Zusammenarbeit (v. l.): Nathakumar Kumarasamy, Pfarrerin Jutta Degen, Carsten Raupach, Frank Klopp (beide Kirchengemeinde), Jeyaranjini Logeswaran, Hermann Bitziigeiro, Inthirakumar und Anjana Kumarasamy. Foto: Christian Beier
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Freuen sich auf die Zusammenarbeit (v. l.): Nathakumar Kumarasamy, Pfarrerin Jutta Degen, Carsten Raupach, Frank Klopp (beide Kirchengemeinde), Jeyaranjini Logeswaran, Hermann Bitziigeiro, Inthirakumar und Anjana Kumarasamy.

Das Gloria in der Stadtkirche am Fronhof hat neue Betreiber. Frische Ideen bringen sie mit.

Von Stefan Prinz

Das wird wohl die ungewöhnlichste Neueröffnung dieses Jahres: Nachdem das Café Gloria im Herbst Insolvenz anmelden musste, gibt es jetzt endlich wieder eine Zukunft für die schicken Gasträume in der Stadtkirche. Ausgerechnet eine hinduistische Großfamilie hat den Mut, den gastronomischen Neustart in der evangelischen Stadtkirche zu wagen. „Wir haben keine Angst vor dem Christentum“, sagt Familienoberhaupt Nathakumar Kumarasamy mit einem Schmunzeln. Nach dem tamilischen Sonnenkalender habe man den Eröffnungstermin errechnete: Es ist der 23. Mai um 9 Uhr. „Wer an diesem Tag und zu dieser Uhrzeit ein Geschäft eröffnet, wird Glück haben“, weiß Anjana Kumarasamy.

„Wir haben keine Angst vor dem Christentum.“
Nathakumar Kumarasamy, Geschäftsführer

Vor rund 30 Jahren floh die Großfamilie vor dem Bürgerkrieg in Sri Lanka und fand in der Klingenstadt eine neue Heimat. Mit Fleiß und Zuversicht bauten sie sich in Solingen eine neue Existenz auf. Nathakumar Kumarasamy betreibt in der Innenstadt bereits einen Asia-Shop und einen Kiosk. Außerdem bewirtschaftet die Familie die Kantine im Technischen Berufskolleg. Mit Gastronomie kennen sich die neuen Betreiber also aus.

Der Name des Café Gloria soll erhalten bleiben. An der Speisekarte wird sich aber etwas ändern: „Wir bieten weiterhin auch gute deutsche Küche an“, sagt der neue Geschäftsführer. Auch der beliebte selbst gebackene Kuchen soll auf der Karte erhalten bleiben. Die Gäste dürften sich aber auch auf vegane und vegetarische Speisen freuen. Und natürlich soll es auch Angebote aus der indisch-tamilischen Küche geben.

ÖFFNUNGSZEITEN

TÄGLICH Nach der Eröffnung am 23. Mai wird das Café Gloria täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet sein und auch Mittagstisch anbieten. Montag ist Ruhetag. 

SPEZIALITÄTEN Zu den Spezialitäten soll ein täglich frisch gekochter Mittagstisch und selbst gebackener Kuchen gehören. Außerdem wird fair gehandelter Kaffee verkauft. 

SONNTAG Nach den Gottesdiensten soll es Familienfrühstücke geben.

Pfarrerin Jutta Degen freut sich bereits darauf, das Café und die Stadtkirche noch enger miteinander zu vernetzen: „Es wird regelmäßig nach den Gottesdiensten Angebote zum Familienfrühstück geben“, sagte die Pfarrerin.

Dass nun Hindus für neues Leben im Kirchencafé sorgen wollen, empfindet Pfarrerin Jutta Degen als einen Glücksfall und „eine große Bereicherung“. Sie freue sich auf ein offenes, freundliches Miteinander.

Das Modell zur Bewirtschaftung wird mit sich mit den Familie Kumarasamy ändern: Die Familie mietete die Café-Räume von der evangelischen Kirchengemeinde und wird den gastronomischen Betrieb auf eigene Rechnung und eigenes Risiko selbst betreiben.

Die bisherige Betreiber-Gesellschaft von katholischer und evangelischer Kirche gibt es seit der Insolvenz nicht mehr. Die beiden Kirchengemeinden haben sich geschäftlich wieder getrennt – dennoch soll das Café Gloria weiterhin eine Einrichtung bleiben, in der sich Protestanten und Katholiken treffen und austauschen, wünscht sich Jutta Degen. Wie genau dieses neue Miteinander in den Räumen der Stadtkirche aussehen wird, werde derzeit untereinander erarbeitet.

Evangelische und katholische Kirche hatten dieses Café vor etwa mehr als drei Jahren gemeinsam aus der Taufe gehoben und wollten damit die ohnehin schon enge Zusammenarbeit beider Kirchen in Solingen intensiveren. „Wir wollen bei der Tilgung der Kreditraten helfen und das Kirchencafé mit Leben füllen, durch Veranstaltungen, aber auch dadurch, dass katholische Seelsorger oder geschulte Laien Menschen im Café ihr offenes Ohr leihen“, erklärte damals der katholische Pfarrer Bernhard Dobelke die Motivation seiner Gemeinde.

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