Kooperation ist ein Novum

Hilfsorganisationen arbeiten in Solingen zusammen

Der Rettungsdienst wird vielfältig: Die Feuerwehr kooperiert ab dem 1. August mit dem Roten Kreuz, dem Arbeiter-Samariter-Bund, dem Malteser Hilfsdienst und der Johanniter-Unfall-Hilfe.
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Der Rettungsdienst wird vielfältig: Die Feuerwehr kooperiert ab dem 1. August mit dem Roten Kreuz, dem Arbeiter-Samariter-Bund, dem Malteser Hilfsdienst und der Johanniter-Unfall-Hilfe.

Erstmals hat die Stadt die Rettungsdienstleistungen an ein Quartett vergeben.

Von Manuel Böhnke

Solingen. Ein Quartett ist in den kommenden fünf Jahren für den Rettungsdienst in Solingen verantwortlich. Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), Deutsches Rotes Kreuz (DRK), Malteser Hilfsdienst (MHD) und die Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH) arbeiten ab dem 1. August mit der Berufsfeuerwehr zusammen. Die Kooperation ist ein Novum: Zum ersten Mal sind alle vier in Solingen ansässigen Hilfsorganisationen am Rettungsdienst beteiligt.

Damit geht die diesjährige Vergabe deutlich geräuschloser über die Bühne als die vorherige. 2016 hatte Solingen als eine der ersten Kommunen die sogenannte Bereichsausnahme angewendet – die Ausschreibung fand nicht europaweit statt, sondern wurde auf die allgemein anerkannten Hilfsorganisationen beschränkt. Dagegen hatte die private Rettungsdienst-Firma Falck aus Hamburg geklagt.

Der Fall landete zunächst vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf, später vor dem Europäischen Gerichtshof. Die Luxemburger Richter bestätigten die Stadt im März 2019 in ihrem Vorgehen. Das Verfahren hat bei den Prozessbeteiligten Eindruck hinterlassen. Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) erinnerte an den „beispielhaften Charakter“ des Urteils. DRK-Kreisgeschäftsführer Dr. Thorsten Böth ging bei einer gestrigen Pressekonferenz noch einen Schritt weiter: „Da ist Rechtsgeschichte geschrieben worden.“

„Es ist ein historisches Zeichen, die Rettungsdienstlandschaft so zu positionieren, dass alle davon profitieren.“

Tim Feister, Malteser Hilfsdienst

Aus einem weiteren Grund hatte die Vergabe vor fünf Jahren für Aufsehen gesorgt. Neben dem DRK erhielt der ASB den Zuschlag. Mit dem MHD ging dagegen ein bewährter Anbieter leer aus, was hitzige Diskussionen auslöste. 2016 habe die Zeit nicht ausgereicht, um für alle Beteiligten eine zufriedenstellende Lösung zu finden, blickte Ordnungsdezernent Jan Welzel (CDU) zurück. „Wir haben allerdings die Zeit seitdem genutzt, um das Nebeneinander der Hilfsorganisationen zu strukturieren.“

Unter anderem existiere seit einigen Jahren ein regelmäßig tagender Arbeitskreis. Dort wurde auch die Zusammenarbeit im Rettungsdienst erarbeitet. Herausgekommen sei eine „Partnerschaft auf Augenhöhe“. Dementsprechend geschlossen präsentierten sich die Verantwortlichen gestern. „Ich bin glücklich darüber, was wir in den vergangenen drei Jahren auf den Weg gebracht haben“, sagte etwa Anne Paweldyk. Sie ist die Geschäftsführerin des ASB-Regionalverbandes Bergisch Land. Thorsten Böth lobte die „hervorragende Zusammenarbeit“ in Solingen, die nicht vom Konkurrenzgedanken, sondern vom Miteinander geprägt sei.

Seit fast 70 Jahren gibt es die Johanniter-Unfall-Hilfe in der Klingenstadt. Trotz dieser langen Geschichte ist die Hilfsorganisation ab Anfang August erstmals in den Rettungsdienst eingebunden. Zurück nach fünfjähriger Auszeit ist der MHD. Darüber freue er sich „über alle Maßen“, sagte Kreisgeschäftsführer Tim Feister: „Es ist ein historisches Zeichen, die Rettungsdienstlandschaft so zu positionieren, dass alle davon profitieren.“

Tim Kurzbach hob die „starke Brücke“ hervor, die durch die gefundene Lösung zwischen dem ehrenamtlichen Katastrophenschutz und dem hauptamtlichen Rettungsdienst geschaffen werde. Davon profitierten beide Seiten. Wie wichtig ein funktionierender Katastrophenschutz vor Ort sei, habe nicht zuletzt die Corona-Pandemie bewiesen. Die Krise habe auch gezeigt, dass man nicht alle Bereiche dem freien Markt überlassen könne. Insbesondere im Gesundheitswesen sei es wichtig, für öffentliche Absicherung und Begleitung zu sorgen. Ein Netzwerk zu schaffen, um im Ernstfall schnell auf viele kompetente Helfer zurückgreifen zu können, sei Teil der gesundheitlichen Daseinsvorsorge, ergänzte Jan Welzel.

Besetzung

2016 noch Gegenstand von Diskussionen, arbeiten sie nun zusammen: Arbeiter-Samariter-Bund und Malteser.

An den Feuer- und Rettungswachen I, II und III besetzt die Berufsfeuerwehr jeweils einen Rettungswagen. An der Katternberger Straße sind die Johanniter für den zweiten verantwortlich, in Ohligs sind es die Malteser, in Wald das DRK. Das Deutsche Rote Kreuz stellt außerdem einen weiteren Rettungs- und vier Krankentransportwagen. Aufseiten des Arbeiter-Samariter-Bundes sind es ein Rettungs- und zwei Krankentransportwagen. Hinzu kommen zwei Notarzteinsatzfahrzeuge, um die sich Feuerwehr und Klinikum gemeinsam kümmern.

Der langjährige leitende Notarzt der Städte Remscheid, Solingen und Wuppertal war es, der dem dänischen Fußballer bei der EM das Leben gerettet hat.

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