Verkehr

Hilden: Widerstand gegen A3-Ausbau wächst

Die A3 soll nach dem Willen der Bundesregierung streckenweise von sechs auf acht Spuren verbreitert werden. Archivfoto: Christian Beier
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Die A3 soll nach dem Willen der Bundesregierung streckenweise von sechs auf acht Spuren verbreitert werden (Archivbild).

Bürgerinitiative wehrt sich weiter gegen die Pläne, die Straße von sechs auf acht Spuren zu verbreitern.

Von Kristin Dowe

In Solingens Nachbarkommune Hilden formiert sich in der Politik breiter Widerstand gegen den geplanten Ausbau der A3 von sechs auf acht Spuren auf einer Strecke von 19,7 Kilometern zwischen Hilden und Leverkusen. Fünf Ratsfraktionen hatten sich dort kürzlich gegen die im Bundesverkehrswegeplan festgeschriebene Maßnahme, für die der Landesbetrieb Straßen NRW verantwortlich zeichnet, ausgesprochen und eine Resolution gegen das Vorhaben auf den Weg gebracht. Wasser auf die Mühlen der Bürgerinitiative „3 reicht“, an der jeweils Bürger der betroffenen Städte Solingen, Hilden, Leichlingen und Langenfeld beteiligt sind.

„Mit der Unterstützung aus der Politik hatten wir in Hilden schon gerechnet“, sagt Rainer Kalbe, Sprecher der Initiative, auf Anfrage. In Hilden sei der Protest besonders ausgeprägt, während das Thema in Solingen nicht ganz so stark polarisiere wie in dessen Nachbarstädten. „Das liegt daran, dass in Solingen keine privaten Grundstücke von dem Ausbau betroffen wären.“

Ohligser Heide wäre vom A-3-Ausbau betroffen

Wohl aber ein Teilbereich der Ohligser Heide, der den neuen Autobahnspuren weichen müsse, wenn die Planungen des Bundesverkehrsministeriums in die Tat umgesetzt werden. „Es geht ja nicht nur um die Verbreiterung der Fahrbahn um 4,50 Meter, sondern es würde durch die Arbeiten sicherlich ein Streifen von 15 bis 20 Meter Breite plattgefahren werden, der nie wieder hergerichtet werden kann“, mahnt Kalbe. Davon sei auch die Ohligser Heide betroffen.

Die Bürgerinitiative regt stattdessen eine Nutzung des Standstreifens an, wie es etwa seit Kurzem zwischen den Anschlussstellen Hildener Kreuz und Mettmann möglich ist. „Man müsste auf dem Standstreifen natürlich den Untergrund befestigen und für eine entsprechende Beschilderung sorgen“, erläutert Kalbe die Idee. „Ansonsten sind die vorhandenen Fahrspuren dort völlig ausreichend. Immerhin strebt die Bundesregierung ja eine Verkehrswende und damit eine Eindämmung des Individualverkehrs an.“

A-3-AUSBAU

AUSLASTUNG Zwischen Solingen und Hilden fahren Schätzungen zufolge täglich rund 120 000 Fahrzeuge, zehn Prozent davon Lkw. Bis 2030 nimmt der Verkehr um bis zu 15 000 Fahrzeuge am Tag zu, prognostizieren Experten. Schon jetzt bilden sich auf der A 3 als einer der meist befahrenen Autobahnen Deutschlands häufig Staus.

BÜRGERINITIATIVE Weitere Informationen zu der städteübergreifenden Bürgerinitiative „3 reicht“ gibt es im Internet.

www.3reicht.de

Straßen NRW gibt an, dass eine Standstreifennutzung bereits 2011 geprüft worden sei. Dies komme nur in Ausnahmefällen und auch nur als Übergangslösung infrage, hatte die Behörde damals vermeldet. Überhaupt komme auf den Landesbetrieb in Bezug auf die Ausbaupläne nun ein langer Prozess zu, erläutert Sabrina Kieback, Sprecherin von Straßen NRW. Zwar sei 2028 als Baubeginn avisiert, „aber da würde ich noch ein großes Fragezeichen hintersetzen, da sich in vielen Städten die Stimmung der Bürger gegen einen A-3-Ausbau wendet. Die Politik sieht das allerdings anders.“ Konkrete Einflussmöglichkeiten habe Straßen NRW nicht. Die Behörde handle im Auftrag der Bundesregierung, sofern die Pläne 2021 nicht gekippt würden – dann entscheidet der Bundestag über den Bundesverkehrswegeplan.

Planungsverfahren des Ausbaus erfolgt in drei Schritten

Das Planungsverfahren erfolge in drei Schritten, berichtet Kieback: Die Vorplanung habe bereits begonnen und umfasse unter anderem „umweltfachliche Untersuchungen“. Allein diese Phase könne bis zu vier Jahre in Anspruch nehmen. In einem weiteren Schritt würden die verschiedenen Ausbauvarianten vertieft und auf Machbarkeit geprüft, bis dann in einem dritten Schritt die Planungsunterlagen für das Planfeststellungsverfahren öffentlich für die Bürger ausgelegt würden. Diese hätten dann gegebenenfalls die Möglichkeit, gegen die Pläne zu klagen. Eine Option, die „3 reicht“ durchaus in Erwägung ziehe, sagt Rainer Kalbe. „Das ist natürlich noch Zukunftsmusik.“ Im Wahlkampfjahr 2021 wollten die Aktivisten zunächst die hiesigen Landtagskandidaten vor der Landtagswahl 2022 für das Thema sensibilisieren.

Im Zuge des Protests drängt auch Solingens Planungsdezernent Hartmut Hoferichter auf ein umweltschonendes Vorgehen. Mit den Vertretern der Städte Langenfeld und Leichlingen sei er sich einig, dass für eine Verbreiterung der A3 möglichst der Standstreifen genutzt werden soll, um Eingriffe in die Natur so gering wie möglich zu halten. Dies habe Solingen bereits gegenüber Straßen NRW deutlich gemacht.

Eine Idee, die seit fast 30 Jahren eigentlich als gestorben galt, hat kürzlich wieder Aufschwung erhalten: Die A3-Anbindung wird neu diskutiert. Dazu stießen Solingen, Langenfeld und Leichlingen gemeinsam eine Debatte über das Kreuz Langenfeld an.

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