Verkehr

Rekordeinnahmen durch Blitzer: Hier müssen Temposünder zahlen

Die Neuenkamper Straße in Höhscheid gilt teilweise als verkehrssensibler Bereich.
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Die Neuenkamper Straße in Höhscheid gilt teilweise als verkehrssensibler Bereich.

Meiste Verstöße auf der Neuenkamper Straße, höchste Bußgeldsumme auf der Schützenstraße.

Von Kristin Dowe

Solingen. Kurz sitzt der Fuß zu locker auf dem Gaspedal – schon entsteht ein teurer Schnappschuss. In diesem Jahr hatte die Stadt bei Geschwindigkeitskontrollen 62 785 Verfahren zu verzeichnen und stellte rund 2,7 Millionen Euro an Verwarn- oder Bußgeldbescheiden aus. Eine Summe auf Rekordniveau, waren es 2021 noch 1,6 Millionen Euro und 2020 nur gut 746 000 Euro. Dabei drückten die Solinger in diesem Jahr mit 3930 Verfahren am häufigsten an der Neuenkamper Straße zu sehr aufs Gas. An einer Messstelle dort wurden Einnahmen von voraussichtlich rund 172 000 Euro generiert. Die Ergebnisse von Einsprüchen sind hier allerdings nicht eingerechnet.

Finanzieller Spitzenreiter unter den Messstellen ist mit gut 178 000 Euro die Schützenstraße, die mit 3567 Verfahren in diesem Jahr auf Platz 3 liegt. Ebenfalls sehr häufig schlug die Radarfalle mit 3744 Verfahren an der Straße Ufergarten zu – ergibt voraussichtlich mehr als 160 000 Euro. Unterm Strich blitzte es im Stadtteil Mitte in diesem Jahr insgesamt am häufigsten.

Temposünden kommen Autofahrer und andere motorisierte Verkehrsteilnehmer spätestens seit Inkrafttreten des neuen Bußgeldkatalogs im November 2021 teuer zu stehen: Wer etwa die Geschwindigkeit in geschlossenen Ortschaften um mehr als 10 Stundenkilometer überschreitet, zahlt nun statt bislang 25 Euro mindestens 50 Euro – also das Doppelte.

Auch außerorts drohen empfindliche Geldstrafen: Wer mehr als 10 Stundenkilometer zu schnell ist, zahlt nunmehr 40 statt bislang 20 Euro – bei mehr als 20 Stundenkilometern Überschreitung werden 100 statt zuvor 70 Euro fällig.

Geschwindigkeitskontrollen: Zwei neue teilstationäre Blitzer erhöhen Kontrollorte

Auch hat die Stadt ihre Geschwindigkeitskontrollen mit der Anschaffung von zwei teilstationären Blitzern deutlich intensiviert. Diese fänden laut Rathausangaben nun „ganzjährig und 24/7“ statt. Die beiden neuen Messanhänger könnten flexibel etwa für die Schulwegsicherung sowie an Unfallhäufungs- und Gefahrenstellen eingesetzt werden.

„Zudem können Gefahrenstellen rund um die Uhr personenunabhängig kontrolliert und überwacht werden“, erläutert Rathaussprecher Daniel Hadrys. Bei der Entscheidung, wo Messungen stattfinden, würden in Absprache mit der Polizei auch Hinweise von Bürgerinnen und Bürgern berücksichtigt, die die Verwaltung aus dem gesamten Stadtgebiet erreichten.

322 Einsprüche bei mehr als 11 000 Verfahren

Das Gros der Verstöße entfällt laut Hadrys auf Autofahrer, die auch die größte Gruppe der Verkehrsteilnehmer repräsentierten. „Motorradfahrer sind immer saisonal auffällig, dies häufig mit sehr hohen Geschwindigkeitsüberschreitungen.“ Lkw-Fahrer, die berufsbedingt stark auf den Führerschein angewiesen sind, verhielten sich hingegen weitgehend unauffällig.

Die meisten Verkehrsteilnehmer, so legen die Zahlen nahe, akzeptieren die Geldstrafe im Falle eines Verstoßes: Von mehr als 11 000 Verfahren bei der mobilen Geschwindigkeitsüberwachung wurde in lediglich 322 Fällen Einspruch eingelegt – 189 davon landeten vor dem Amtsgericht. Wer der Ansicht ist, zu Unrecht belangt worden zu sein und den Rechtsweg beschreiten möchte, sollte sich nicht von unseriösen Erfolgsversprechen bei Rechtsberatungen im Internet blenden lassen, rät der Solinger Fachanwalt für Verkehrsrecht Karl-Hermann Lauterbach. „Jeder Fall muss individuell betrachtet werden. Anwälte, die pauschal Erfolg versprechen, wollen meistens nur abkassieren.“ Das Gros seiner Mandanten setze sich gegen Punkte oder Fahrverbote zur Wehr.

Das sagt die Polizei

Messungen: Die Polizei führte 2022 schwerpunktmäßig vor den Kindergärten an der Augustastraße (311 Verstöße von 5908 erfassten Fahrzeugen bei 15 Messungen) und an der Schützenstraße (2521 Verstöße von 37 550 erfassten Fahrzeugen bei 20 Messungen) Kontrollen durch. Es folgten Anzeigen wegen Ordnungswidrigkeiten.

Erfolg: „Dort, wo Messungen stattfinden, sinkt das allgemeine Geschwindigkeitsniveau“, sagt Andreas Reuter, Sprecher der Polizei Wuppertal. Die Geschwindigkeitsüberwachung stelle nur ein Mittel zur Senkung von Unfallzahlen dar. Ebenso wichtig seien sensibilisierende Maßnahmen wie etwa Verkehrserziehung.

Standpunkt von Kristin Dowe: Raser sind Belastung

kristin.dowe@solinger-tageblatt.de

Wer einen Blick in den Bußgeldkatalog wirft, wird sich angesichts der saftigen Strafen wohl zweimal überlegen, in einer 30er-Zone auf die Tube zu drücken. Oft wird den Kommunen vorgeworfen, Autofahrer abzuzocken und das Stadtsäckel füllen zu wollen. Selbst wenn das so wäre, ändert das nichts daran, dass Raser eine Gefahr für den Straßenverkehr darstellen. Auch zeigen die Hinweise vieler Bürgerinnen und Bürger, die häufig die ST-Redaktion erreichen, dass Tempoverstöße als enorme Belastung empfunden werden. Und die kann tödliche Folgen haben: Laut Statistik sterben im Falle eines Zusammenstoßes mit einem Pkw bei Tempo 65 acht von zehn Fußgängern. Bei Tempo 50 überleben acht von zehn. Es schont also nicht nur das eigene Portemonnaie, sich an die Regeln zu halten. Es ist ein Akt der Solidarität. Dennoch müssen Tempovorgaben sinnvoll, nachvollziehbar und möglichst einfach sein. Ob Letzteres zum Beispiel aktuell überall auf der Schützenstraße gilt, darf zumindest bezweifelt werden.

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