Dokumentarfilm

Heute nennen sie Solingen ihre Heimat

Cemal Ayibogan (l.) und Ilhami Tomris berichten im Dokumentarfilm über ihr Leben und ihre Heimat.
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Cemal Ayibogan (l.) und Ilhami Tomris berichten im Dokumentarfilm über ihr Leben und ihre Heimat.

60 Jahre deutsch-türkisches Anwerbeabkommen – Industriemuseum zeigte Dokumentarfilm.

Von Tanja Alandt

Solingen. Als Cemal Ayibogan am 3.  September 1972 nach Solingen kam, fühlte er sich fremd. Der damals Zehnjährige musste alle seine Freunde in der Türkei verlassen. Heute aber nennt er die Klingenstadt seine Heimat.

Ayibogans Geschichte ist eine von mehreren, die der Dokumentarfilm „Von Anatolien nach Solingen“ aufgreift. Gezeigt wurde das Video nun bei einer Gala-Veranstaltung mit 90 Gästen im LVR-Industriemuseum. Anlass ist das 60-jährige Bestehen des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens.

Dass die Protagonisten des Films Solingen ihre Heimat nennen, scheint auf den ersten Blick ungewöhnlich; berichten sie doch, in Deutschland als Ausländer und in der Türkei als Deutsche – und somit im Herkunftsland ihrer Vorfahren auch als Ausländer – wahrgenommen zu werden. Und sich überall beweisen zu müssen. Doch Cemal Ayibogan, heute 60 Jahre alt, stellt klar: Er fühlt sich mit seiner Frau Zahide, seinen vier Kindern und fünf Enkeln „durch und durch als Solinger“. Er ist in mehreren Vereinen, Ausschüssen und Beiräten aktiv.

Ayibogan investierte in Eigentum, ist Maschinenbautechniker, technischer Betriebswirt, studierte Energiemanagement, arbeitete im Gebäudemanagement und fungierte als Brandschutzbeauftragter. „Wir sind alle Menschen und wollen alle in Frieden leben. Wir sind alle vergänglich und sollten uns das Leben nicht schwer machen. Kommunikation ist alles, man sollte keine Angst vor Fremden haben“, sagte er.

Mit der Sprache lässt es sich schnell integrieren

Auch Ilhami Tomris, 54 Jahre, berichtete von seinen Erfahrungen. Er war sechs Jahre alt, als seine Familie am 20. Mai 1974 nach Solingen zog. Da alles innerhalb von 24 Stunden ablief, kam es ihm „wie ein Traum“ vor. Er bemerkte, dass man sich in diesem Alter schnell integriert, wenn man die Sprache lernt. Tomris ist gelernter Metallograph, Werkstoffprüfer und Augenoptikermeister und beherrscht mehrere deutsche Dialekte. In seiner Freizeit widmet er sich der Kunst und Astronomie.

Er wünscht sich, erst einmal ein gegenseitiges Kennenlernen, um Vorurteile beider Seiten abzubauen oder gar nicht erst entstehen zu lassen. Mit seiner Frau Filiz – 42 Jahre, Finanzbuchhalterin, Betriebswirtin und SAP-Coach – hat er zwei Kinder, mit denen sie zu Hause deutsch sprechen.

Sie berichtete, dass sie als bekennende Muslima mit vielen Vorurteilen zu kämpfen hat. Zwangsheirat, Ehrenmorde oder Unterdrückung kenne sie nur aus den Medien, nicht aber aus dem Bekanntenkreis.

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