Andacht

Herrlich – heißer Punsch in Eiseskälte

Thomas Förster mag nicht zu große Weihnachtsmärkte – wie hier im Park der Diakonie Bethanien.
+
Thomas Förster mag nicht zu große Weihnachtsmärkte – wie hier im Park der Diakonie Bethanien.

Andacht im ST – heute von Thomas Förster, Pressepfarrer beim Evangelischen Kirchenkreis Solingen.

Liebe Leserin, lieber Leser,

übermorgen dürfen wir die dritte Kerze am Adventskranz entzünden. Wie waren die ersten beiden Adventswochen für Sie? Nach drei Jahren endlich wieder mit Nikolaussingen im Walder Stadion und Weihnachtsmärkten in den Stadtteilen! In den vergangenen beiden Jahren blieben die Weihnachtsbuden in Wald, Aufderhöhe und Ohligs ja zu. In diesem Jahr dagegen holten viele Menschen das Vermisste offenbar nach. Wie das Solinger Tageblatt am Montag berichten konnte, herrschte auf den Weihnachtsmärkten am Wochenende ein großer Andrang.

Ich selbst war auf dem Gelände der Diakonie Bethanien unterwegs. Bei Einbruch der Dunkelheit glänzten liebevoll dekoriert die vielen Stände. Die ehrenamtlich gebackenen Weihnachtsplätzchen und der alkoholfreie Glühpunsch in knackiger Kälte unter dem dunklen Abendhimmel schmeckten herrlich. Mit dem Kauf dreier Weihnachtsengel am Stand des Eine-Welt-Ladens habe ich auch ein Frauenprojekt aus Kenia unterstützt. Alles in allem: 20 Euro für zwei schöne adventliche Stunden. Eine runde Sache!

Leider können sich nicht alle Menschen in unserer Stadt an so einem adventlichen Abendvergnügen erfreuen. Ihnen fehlt für Glühpunsch und Weihnachtsengel einfach das nötige Geld. Stattdessen denken sie mit Sorgen an die nächste Abrechnung ihres Verbrauchs bei Heizung und Strom, an die gestiegenen Preise für Lebensmittel im Supermarkt, an die steigenden Kosten in vielen weiteren Bereichen des Lebens. Das merken auch die ehren- und hauptamtlich Mitarbeitenden bei diakonischen Angeboten unserer Diakonie und der Kirchengemeinden. Zum Beispiel bei der Lebensmittelhilfe „Tüten teilen“ in der Lutherkirche, der Verteilung der Diakonietüten in Dorp oder im Sozialdiakonischen Zentrum der Evangelischen Kirchengemeinde Wald: Der Bedarf nach Hilfe zum Leben wächst, die Zahl der Menschen, die Unterstützung suchen, nimmt zu.

Pfarrer Thomas Förster

Mich bedrückt es, dass sich auch in diesem Jahr Menschen in unserer Stadt nicht über die Adventszeit freuen können, weil sie Sorge haben, dass ihr Geld wegen der gestiegenen Kosten nicht bis zum Monatsende reicht. Leider können die staatlichen Hilfen in dieser Krise offenbar nicht besser auf diejenigen konzentriert werden, die Hilfe wirklich brauchen und nichts übrighaben, um es auf dem Weihnachtsmarkt auszugeben. Stattdessen erhalten mit Energiepauschale und Gaspreisbremse auch Menschen staatliches Geld, die sich trotz der gestiegenen Preise noch ohne weiteres den Besuch beim Glühweinstand leisten können.

Von Jesus, um dessen Ankunft es im Advent geht, berichtet die Bibel, dass er sich besonders mit Menschen am Existenzminimum solidarisiert hat: „Ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mir zu essen gegeben. . . Ich bin nackt gewesen, und ihr habt mich gekleidet.“ (Matthäusevangelium 25,35f.) Und er solidarisiert sich mit denen, die nicht weggucken, sondern dazu beitragen, dass Menschen satt werden und nicht frieren müssen. Wie wäre es, wenn wir in diesem Jahr im Sinne Jesu noch enger zusammenrückten, damit niemand zu kurz kommt? Wenn es unserem Staat nicht gelingt, die Energiepreishilfen auf diejenigen zu konzentrieren, die sie dringend brauchen, dann müssen wir uns damit doch nicht abfinden! Die auf Hilfe weniger angewiesen sind, können teilen mit denen, die Unterstützung wirklich brauchen. In unserer Stadt gibt es viele Stellen, wie die Solinger Tafel, die „Kette der helfenden Hände“ oder Kirchengemeinden, die gerne dabei helfen. Damit es für möglichst viele eine frohe Adventszeit wird!

Einen gesegneten dritten Advent  wünscht  Ihnen

Ihr Pfarrer Thomas Förster

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Polizei stoppt angetrunkenen Solinger
Polizei stoppt angetrunkenen Solinger
Polizei stoppt angetrunkenen Solinger
Rund 200 Menschen ziehen durch Solingen
Rund 200 Menschen ziehen durch Solingen
Rund 200 Menschen ziehen durch Solingen
Hotel am Hauptbahnhof: Termin für Baustart bleibt offen
Hotel am Hauptbahnhof: Termin für Baustart bleibt offen
Hotel am Hauptbahnhof: Termin für Baustart bleibt offen
Karnevalisten feiern ausgelassen im Stadtsaal
Karnevalisten feiern ausgelassen im Stadtsaal
Karnevalisten feiern ausgelassen im Stadtsaal

Kommentare