Coronavirus

Helfer haben keine Angst, sich zu infizieren

Dirk Hermes (links) fährt gemeinsam mit den Kollegen als mobiles Beprobungsteam etwa zu Altenheimen, um Corona-Verdachtsfälle zu testen. Christian Görtz organisiert den Schichtdienst des DRK. Foto: Christian Beier
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Dirk Hermes (links) fährt gemeinsam mit den Kollegen als mobiles Beprobungsteam etwa zu Altenheimen, um Corona-Verdachtsfälle zu testen. Christian Görtz organisiert den Schichtdienst des DRK.

Sie setzen auf die Einhaltung der Corona-Regeln.

  • In der Corona-Krise wird Hilfsdiensten neue Aufgabe zu Teil.
  • Das DRK arbeitet als mobiles Beprobungsteam in Solingen.
  • Angst vor einer Infizierung haben die Helfer nicht. 

Von Katharina Birkenbeul

Solingen. In Schutzkleidung – wasserabweisender Kittel, Schutzbrille, Handschuhe und Mundschutz – führt Dirk Hermes dem Patienten mit Verdacht auf Covid-19 das Abstrichstäbchen in die Nase, um einen Abstrich des Nasen-Rachen-Raums zu bekommen. Eine etwas andere Herausforderung für den stellvertretenden Kreisbereitschaftsleiter und Notfallsanitäter des Solinger Deutschen Roten Kreuzes (DRK).

Normalerweise versorgen DRKler Verletzte, helfen bei Überschwemmungen oder Bränden. Doch in Corona-Zeiten wird auch den Hilfsdiensten eine ganz neue Aufgabe zu Teil. Gemeinsam mit der Feuerwehr und dem medizinischen Personal der Krankenhäuser arbeiten der Malteser Hilfsdienst (MHD), das DRK und das Technische Hilfswerk (THW) mit den Infizierten des Corona-Virus Sars-CoV-2 zusammen – und das ehrenamtlich.

„Wir werden endlich wahrgenommen.“

Dirk Hermes, DRK

Die Schichtpläne, die dafür aufgestellt wurden, seien immer voll, betont Hermes. Das DRK arbeitet seit etwa drei Wochen auf Zuruf der Hausärzte. Als sogenanntes mobiles Beprobungsteam fahren immer zwei Ehrenamtler zu den möglichen Verdachtsfällen, nur einer von beiden geht rein, um ihn zu testen. Besonders wichtig ist diese Einrichtung für Altenheime oder Flüchtlingsunterkünfte. „Während es für die Kliniken vor allem Entlastung bedeutet, ist es für uns Ehrenamtler motivierend, weil wir mal aktiv am Patienten arbeiten können. Sonst ist es oftmals nur Ausbildung.“ In der bisherigen Einsatzzeit haben sie bereits etwa 40 Tests gemacht, ein bis zwei am Tag. Der Patientenkontakt liefe meist reibungslos, aber es komme immer wieder dazu, dass sich einige nicht testen lassen wollen. Das Feedback wäre sowohl vom Klinikum als auch von der Stadt durchweg positiv. „Wir werden endlich wahrgenommen“, sagt Hermes.

Daniel Schwarz vom Malteser Hilfsdienst (hinten) arbeitet mit einem Team in Schichten in der Notaufnahme des Krankenhaus Bethanien. Hier nehmen sie Verdachtsfälle auf und testen diese.

Das bestätigt auch Daniel Schwarz. „Jetzt bekommen wir Anerkennung, aber es ist generell zu wenig und nach der Krise wird das wieder weg sein.“ Das berichtet er aus seiner 20-jährigen Erfahrung bei den Maltesern. Etwa 35 Mitarbeiter helfen derzeit in der Notaufnahme der Klinik Bethanien und entnehmen dort Proben, helfen aber auch bei der Registrierung und bei Telefonanrufen. „Gerade am Anfang gingen unsere Schichten eher 12 bis 16 Stunden. Kommt kurz vor Dienstschluss noch ein möglicher Infizierter, wird der Tag eben länger“, betont er.

Coronavirus: Gesunder Respekt ist im ganzen Team vorhanden

Das THW hingegen ist mit 20 Helfern eher im Hintergrund aktiv: Sie bauten sowohl in Bethanien als auch im Klinikum zusätzliche Betten auf, sorgten dafür, dass diese an eine Sauerstoffversorgung angeschlossen wurden oder richteten Sanitäranlagen ein. So auch Heiko Brückle, der schon seit 28 Jahren beim THW dabei ist und „irgendwie hängengeblieben ist“. „Logistik ist mein Steckenpferd und daher passte das ganz gut“, erklärt Brückle. Gerade der Zusammenarbeit mit der Feuerwehr kann er etwas Gutes abgewinnen: Endlich wieder soziale Kontakte, die hat er sonst im Homeoffice nämlich eher selten. Unterstützt wurde Brückle auch von seinem Arbeitgeber. „Ich wurde für die Arbeit in den Krankenhäusern zwei Wochen freigestellt“, erklärt er.

Angst vor einer Infizierung bei den Arbeiten haben sowohl Dirk Hermes als auch Heiko Brückle und Daniel

Heiko Brückles Steckenpferd ist die Logistik. Er und etwa 20 Helfer bauten die zusätzlichen Betten für Corona-Patienten im Klinikum und in Bethanien auf.

Schwarz nicht. „Bei der Arbeit haben wir den Vorteil, dass wir wissen, dass dieser Mensch erkrankt sein könnte und schützen uns deshalb gut“, erklärt Schwarz. Ein gesunder Respekt sei aber sinnvoll und im ganzen Team vorhanden. „Wichtig ist es, dass wir Protokolle führen, damit bei einem positiven Testergebnis nachvollzogen werden kann, wer zu dem Infizierten Kontakt hatte“, erläutert Hermes. Die Schutzkleidung, die der Tester trägt, wird deshalb im Haus des mutmaßlich Infizieren gelassen. Das Gesundheitsamt entscheidet dann, was damit passiert.

Aber trotz allem, und da sind sich alle drei einig, es wird eine Herausforderung für die nächsten Monate. „Hoffentlich haben wir Pläne in Schubladen, die wir nie mehr rausholen müssen“, so Brückle.

NOTFALLPLÄNE

Alle zwei Wochen beurteilen die Hilfsdienste gemeinsam mit den Krankenhäusern und der Stadt, inwieweit sie weiter helfen können und müssen. Für den Fall einer Katastrophe gebe es bereits weitere Pläne. Diese würden erst bei Auslastung der Kliniken herausgeholt und den aktuellen Erfordernissen angepasst.

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