Auftrag kostet rund 2,5 Millionen Euro

Heizkraftwerk in Solingen erhält neue Krananlagen

Mit großem technischen Gerät und teilweise über dem Dach wurden am MHKW die alten Teile aus- und die neuen eingebaut.
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Mit großem technischen Gerät und teilweise über dem Dach wurden am MHKW die alten Teile aus- und die neuen eingebaut.

2,5 Millionen Euro werden in die Müllverbrennungsanlage investiert.

Von Timo Lemmer

Mit großem technischen Gerät und teilweise über dem Dach wurden am MHKW die alten Teile aus- und die neuen eingebaut.

Solingen. Zwei der insgesamt drei Turbinen halten noch durch, die dritte kam ohnehin erst später hinzu. Sie bringen bei der Stromerzeugung mittels Dampf weiterhin volle Leistung und sollen dementsprechend auch nicht ausgetauscht werden.

Von ihnen abgesehen ist am Müllheizkraftwerk (MHKW) Sandstraße aber in Kürze alles ausgetauscht und modernisiert, was seit der Eröffnung 1969 vor Ort war. „Neben den beiden Turbinen waren die zwei Krananlagen das letzte, was noch von 1969 stammt“, sagt Teilbetriebsleiter Olaf Schmidt, während er auf die Demontage eines Teils der alten Kranbrücke blickt. Zwei Kräne gibt es in der Müllverbrennungsanlage der Technischen Betriebe Solingen (TBS), der erste wurde an diesem Wochenende gegen einen neuen ausgetauscht.

„Die alten Kräne haben das Ende ihrer Lebenszeit erreicht.“ 

Olaf Schmidt, Teilbetriebsleiter

Der zweite Austausch erfolgt im November. Der gesamte Auftrag kostet inklusive Hardware, Software und Arbeitsaufwand rund 2,5 Millionen Euro. „Die alten Kräne haben das Ende ihrer Lebenszeit erreicht“, sagt Schmidt, „und 50 Jahre in Betrieb sind schon außergewöhnlich.“ Sechs Tonnen Traglast vertrugen die alten Kräne, die neuen nun acht – nur einer von vielen Vorteilen.

Schmidt ist seit 2016 Teilbetriebsleiter Abfallwirtschaft bei den TBS. Seitdem ist die Erneuerung der Krananlagen das größte Projekt. Ein Wochenende dauert das für einen Kran, der einige Wochen zuvor mit drei Schwertransportern aus Mannheim geliefert wurde. Neben den TBS-Mitarbeitern ist zur Montage die Fachfirma selbst vor Ort.

Am Freitag schloss das MHKW wegen des Großprojekts früher, Samstag war ganz geschlossen, und auch den vollen Sonntag arbeiteten die Beschäftigten. Der neue Kran ist aber trotzdem erst ab dem 5. Oktober in Betrieb: Verkabelung, Anschluss ans Leitsystem, Einbau neuer Sitze – das alles erfolgt im laufenden Betrieb. Das MHKW arbeitet bis dahin trotzdem mit voller Kraft weiter, da immer nur ein Kran genutzt wird, um den Müll aus dem Müllbunker zu ziehen und der Feuerung zu zuführen. An einem November-Wochenende erfolgt dann das gleiche Prozedere noch einmal – an welchem Samstag geschlossen bleibt, wird noch bekanntgegebenen.

Die neuen Krananlagen haben viele Vorteile, wie Schmidt ausführt: „Die höhere Tragkraft bringt eine Zeitersparnis mit sich.“ Auch für die Kranführer werde das Arbeiten angenehmer. „Die Kräne sind teilautomatisiert. Und durch einen 3D-Laserscan können wir jetzt genau sehen, wie viel Müll im Bunker liegt.“ Dessen Oberfläche ist 382 Quadratmeter groß, 5000 Kubikmeter ist das Fassungsvermögen. Bislang wurde die Füllmenge einfach geschätzt. „Die alten Kollegen hatten das im Blut“, so Schmidt. Zudem sind die neuen Kräne frequenzgesteuert, manövrieren also sanfter, und gewinnen Energie beim Bremsen zurück.

Fürs Erste ist es Schmidts größtes Projekt in Solingen, das wird aber nicht so bleiben, wie der 52-Jährige betont: „Im zentralen Betriebsausschuss wurde beschlossen, dass wir in die Genehmigungsplanung für eine neue Rauchgas-Reinigungsanlage gehen können.“ Die jetzige ist 30 Jahre alt, und die Schadstoff-Bestimmungen werden immer strikter. 72 000 Kubikmeter Rauchgas entsteht beim Verbrennen pro Stunde. „Das wird etwa 15 Millionen Euro kosten.“ Bis zu diesem Projekt werden aber noch ein paar Jahre vergehen.

MHKW

Auslastung: An normalen Samstagen kommen etwa 600 Autos, sogenannte Kleinanlieferer, zur Sandstraße. In der Spitze sind es auch mal 800. Auch an Brückentagen wird viel angeliefert.

Standpunkt: Noch Luft nach oben

Von Simone Theyßen-Speich

Seit 1969, seit mehr als 50 Jahren, gibt es das Solinger Müllheizkraftwerk.

simone.theyssen-speich@solinger-tageblatt.de

Damals war die Stadt mit der Idee, Müll nicht auf Deponien zu lagern, sondern sauber zu verbrennen und aus der Abwärme der Anlage noch Energie zu gewinnen, ganz weit vorne. 76 000 Megawattstunden Strom entstehen aus dem Dampf, der die Turbinen antreibt pro Jahr, ein Teil davon reicht schon für die komplette städtische Verwaltung, der Rest wird ins Netz eingespeist. Zudem werden das Klinikum, das Hallenbad Vogelsang, die Rathäuser, die Klingenhalle, das Theater und Konzerthaus, das Schulzentrum Vogelsang sowie private Unternehmen mit Wärme aus dem Müllheizkraftwerk versorgt – insgesamt jährlich 40 000 Megawattstunden. 

Die Stadt tut also gut daran, die Anlage, auch weiter auf dem neuesten technischen Stand zu halten, auch in Bezug auf deren Nachhaltigkeit. Aber ebenso, wie man vor einem halben Jahrhundert Vorreiter bei der Frage nach moderner Energiegewinnung war, so muss man das auch heute sein. Bei Wind-, Sonnen- und anderen alternativen Formen der Energiegewinnung ist auch in Solingen noch Luft nach oben.

Die Technischen Betriebe (TBS) reagieren bei der Müllentsorgung auf die Kritik von Bürgern. Am Müllheizkraftwerk (MHKW) an der Sandstraße wird auch wieder Abfall von Privatbürgern entgegengenommen. Dieses Angebot war auf gewerbliche Anlieferer beschränkt.

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