Rückblick

Heinzelmännchen von früher sind die Ehrenamtler von heute

Renate Butz erhielt 2017 den ersten Bürgerpreis: Nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl ermöglicht sie seit 1994 Jugendlichen aus dem benachbarten weißrussischen Belynitschi regelmäßig Urlaube in Solingen. Archivfoto: up
+
Renate Butz erhielt 2017 den ersten Bürgerpreis: Nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl ermöglicht sie seit 1994 Jugendlichen aus dem benachbarten weißrussischen Belynitschi regelmäßig Urlaube in Solingen.

Engagierte Einzelkämpfer machen sich für Hilfsbedürftige stark – Zeichen der Nächstenliebe gab es schon im frühen 20. Jahrhundert.

Von Wilhelm Rosenbaum

Die Geschichtsschreibung der Klingenstadt wird – wagen wir mal die optimistische Prognose in Solingens weit vor uns liegende Zukunft – für das Jahr 2017 den 28. Juni festhalten. An diesem Tag hatte nämlich der Bürgerpreis seinen Geburtstag. Dies ist bekanntlich eine noch relativ junge Initiative von Stadt-Sparkasse, Tageblatt und Radio RSG, die jene Frauen und Männer auszeichnen will, die in unserer Stadt oft als engagierte Einzelkämpfer unermüdlich, dabei nicht immer im Licht der Öffentlichkeit stehend, für Betroffene und Hilfsbedürftige rund um den Globus Gutes tun.

Inzwischen hat diese selbstlose Arbeit ein eingängiges Etikett erhalten, wir sprechen heutzutage vom Ehrenamt, ein Wort übrigens, das der Duden damals noch gar nicht kannte.

„Willig, jene armen Knechte des Alkohols . . . nach Hause zu schaffen“

Fairerweise sollten wir aber festhalten: Es hat natürlich auch in der Zeit zuvor immer schon Solingerinnen und Solinger gegeben, die im Zeichen humaner Nächstenliebe über den bergischen Zaun guckten und sich beispielhaft der Not ihrer Mitmenschen annahmen. In der Lokalchronik werden einige dieser frühen Ehrenamtler in lobenden „Tageblatt“-Artikeln bereits gefeiert. So wurden schon 1905, ein Jahr, nachdem William Booth, der englische Gründer und erste General der Heilsarmee, seine junge Solinger Gemeinde erstmalig besucht hatte, im Blättchen „die Samariter der Heilsarmee“ vorgestellt. Dies war – für unser heutiges Verständnis ein bisschen kurios – ein privat organisierter Begleit-Service. Diese Samariter dienten nämlich „Betrunkenen als Pfadfinder“ und waren, wie es in der blumigen Sprache der wilhelminischen Kaiserzeit mit einem Schuss Ironie formuliert wird, „willig, jene armen Knechte des Alkohols in liebevoller Weise nach Hause zu schaffen“. Geradezu enthusiastisch lobte das Tageblatt vor 60 Jahren dagegen die „Solinger Heinzelmännchen“ vom lokalen Haus der Jugend. Gemeint waren mit der märchenhaften Umschreibung damals zehn Jungen und Mädchen, „die gern alten, kranken und hilfsbedürftigen Menschen helfen möchten. Sie opfern ihre Freizeit und notfalls auch ihr Taschengeld, um dort, wo es nötig ist, helfend einzuspringen“.

Da gewinnt das abschätzend-kritische Erwachsenen-Wort von der „Jugend von heute“ mit einem Mal eine völlig andere und ausgesprochen positive Bedeutung.

Das könnte Sie auch interessieren

Top-Links

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Kindstötungen in der Hasseldelle: Väter schoben Verantwortung für die Kinder von sich
Kindstötungen in der Hasseldelle: Väter schoben Verantwortung für die Kinder von sich
Kindstötungen in der Hasseldelle: Väter schoben Verantwortung für die Kinder von sich
Motorradfahrer verunglückt auf neuer Wupperbrücke
Motorradfahrer verunglückt auf neuer Wupperbrücke
Motorradfahrer verunglückt auf neuer Wupperbrücke
Verstöße gegen Corona-Regeln: Stadt nimmt 400 000 Euro Bußgeld ein
Verstöße gegen Corona-Regeln: Stadt nimmt 400 000 Euro Bußgeld ein
Verstöße gegen Corona-Regeln: Stadt nimmt 400 000 Euro Bußgeld ein
Corona: Inzidenz sinkt in Solingen weiter
Corona: Inzidenz sinkt in Solingen weiter
Corona: Inzidenz sinkt in Solingen weiter

Kommentare