Zentrum für verfolgte Künste

„Heilige Corona“ bewacht Ausstellungen

Manaf Halbouni und Kuratorin Birte Fritsch stehen im Niemandsland „Green Line“ der Installation „ZONE“ im Zentrum für verfolgte Künste. Dies Ausstellung wird heute um 18 Uhr im Beisein des Präsidenten von „Mobilistan“ feierlich unter 2G-Regeln eröffnet. Foto: Christian Beier
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Manaf Halbouni und Kuratorin Birte Fritsch stehen im Niemandsland „Green Line“ der Installation „ZONE“ im Zentrum für verfolgte Künste. Die Ausstellung wird am Donnerstag um 18 Uhr im Beisein des Präsidenten von „Mobilistan“ feierlich unter 2G-Regeln eröffnet.

Im Zentrum für verfolgte Künste startet am Donnerstag eine dreiteilige politische Kunstaktion

Von Philipp Müller

Solingen. Am Donnerstag wird die Figur „Die Heilige Corona“ von Manaf Halbouni im Zentrum für verfolgte Künste unfreiwillig zum Symbol für die Zeiten, in denen die Kultur wieder von Beschränkungen bedroht ist. Das Thema Einschränkungen, Verfolgung und Vernichtung wird am Donnerstagabend zur Eröffnung der Ausstellungstrilogie „Kunst kennt keine Grenzen“ im Mittelpunkt stehen. Aber nicht aus Corona-Sicht. Die von Kuratorin Birte Fritsch konzipierte Schau zeigt auf, wo und wie geografische, politische und gesellschaftliche Grenzen die Menschen spalten und in den Untergang führen können.

Die Madonnen-Figur passt da trotzdem, weil Halbouni sie für sein Thema der Grenzbetrachtung einsetzt. Die Porzellanstatue hat der in Syrien geborene Künstler in Zagreb auf einem Flohmarkt gekauft und auf einem Betonsockel montiert. Statt gotischer Rundbögen bilden mit Gold verzierte rostige Stahlstangen ein kirchliches Schiff. So der erste Blick. Tatsächlich sei das Kunstwerk 2020 entstanden und er habe die Kunstfigur parallel zum Lockdown eingesperrt.

Manaf Halbouni wurde weltbekannt durch seinen Skulptur Monument vor der Dresdener Frauenkirche in der Hochphase der europäischen Flüchtlingskrise 2015 und 2016. Auf dem Kopf stehende Reisebusse thematisierten Barrikaden in der vom Bürgerkrieg zerstörten syrischen Stadt Allepo. Der junge Halbouni hatte das Land schon 2008 als Flüchtling verlassen, um nicht zum Militär zu müssen.

In Dresden studierte er weiter Kunst, zuvor tat er das in Damaskus. Heute lebt er in Berlin. Politische Kunst wurde sein Hauptthema. Dabei geht es ihm darum, mit Wucht zu zeigen, wie Grenzen spalten und gesellschaftliche Barrieren ausgrenzen, wie sie entstehen. Zugleich ist er ein glühender Verfechter der Freiheit auf allen Ebenen.

„Wir empfangen den Präsidenten von Mobilistan mit allen Ehren.“

Jürgen Kaumkötter, Direktor

Das wird am Donnerstag um 18 Uhr vor dem Zentrum sichtbar. Halbouni gründete die Aktion „Mobilistan“. Ein Kunststaat, der genau diese Freiheiten auf der Fahne stehen hat. Als Präsident von Mobilistan wird der Künstler mit einer großen Limousine vorfahren, die Gäste der Vernissage stehen am roten Teppich Spalier. „Wir empfangen den Präsidenten von Mobilistan mit allen Ehren“, sagt das Zentrumsdirektor Jürgen Kaumkötter mit sichtlichem Spaß. Die Eröffnung findet unter den aktuellen 2G-Bedingungen statt.

Im Museum überragt die Installation „ZONE“ die Ausstellung. 250 Ölfässer teilen beide Etagen und setzen sich als Grenze außerhalb des Gebäudes fort. Halbouni greift damit die „Green Line“ zwischen dem freien Zypern und dem türkisch verwalteten Teil der Insel auf, die von der UNO überwacht wird. Zwischen den Tonnen ist das Niemandsland zwischen den Inselteilen. Genau das macht ZONE beklemmend erlebbar. Weltklasse.

Herausragend ist auch die Arbeit „Wir sind das Volk“. Halbouni hat dazu vier Hochsicherheitspoller aufgebaut. Zu den Tönen „Wir sind das Volk“ aus den Leipziger Montagsdemonstrationen von 1989 öffnet sich die Pollergrenze. Dann baut sich die Mauer durchs Hochfahren wieder auf – diesmal brüllet Pegida „Wir sind das Volk“. Mehr dazu, zur Eröffnung und den anderen Ausstellungsteilen (| Kasten) in der Samstagsausgabe des Solinger Tageblatts.

https://verfolgte-kuenste.com

Zentrumsschau

Die Schau zeigt Werke von Anna VanMatre, die sich mit dem Widerstand der Ghettos in Krakau und Warschau auseinandersetzen. Auch wird der 150. Geburtstag von Heinrich Mann gewürdigt.

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