Heiligabend findet virtuell oder in Etappen statt

Oben links: Magdalena und Michael Sobetzko feiern zum ersten Mal mit ihren Kindern Leon (v.l.), Adam, Amelie und Hanna alleine Weihnachten. Oben rechts: Maylina und Lenny, die beiden Jüngsten der Familie Biederbeck, freuen sich auf Heiligabend. Unten links: Familie Stock hat sich in Widdert um einen Baum gekümmert. Unten rechts: Die sechs Kinder von Katrin und Markus Mühlenbeck feiern Weihnachten dieses Jahr nur mit ihren Eltern zu Hause. Fotos: Christian Beier, Ilka Biederbeck, Tim Oelbermann, Katrin Mühlenbeck
+
Oben links: Magdalena und Michael Sobetzko feiern zum ersten Mal mit ihren Kindern Leon (v.l.), Adam, Amelie und Hanna alleine Weihnachten. Oben rechts: Maylina und Lenny, die beiden Jüngsten der Familie Biederbeck, freuen sich auf Heiligabend. Unten links: Familie Stock hat sich in Widdert um einen Baum gekümmert. Unten rechts: Die sechs Kinder von Katrin und Markus Mühlenbeck feiern Weihnachten dieses Jahr nur mit ihren Eltern zu Hause. Fotos: Christian Beier, Ilka Biederbeck, Tim Oelbermann, Katrin Mühlenbeck

Solinger Familien feiern Weihnachten in diesem Jahr anders

Von Daniela Neumann, Simone Theyßen-Speich und Anja Kriskofski

Was ist dieses Jahr wegen der Corona-Krise anders als sonst zu Weihnachten? Das haben wir Solinger Familien gefragt.

„Ganz wesentlich anders ist, dass wir lange damit gerungen haben, wie wir feiern sollen“, sagt Markus Mühlenbeck. Der Bankbetriebswirt hat mit seiner Frau Katrin sechs Kinder im Alter von drei bis 15 Jahren. „Eigentlich haben die Eltern die Entscheidung übernommen“, erzählt Katrin Mühlenbeck weiter. Ihrem 81-jährigen Schwiegervater sei das Risiko zu hoch, er bleibe dieses Jahr im Emsland. Sonst sei er zu Weihnachten für bis zu zwei Wochen mit dem Wohnwagen hergekommen. „Wir finden es ziemlich bitter für ihn, dass er jetzt allein da ist“, sagt die gelernte Kinderkrankenschwester. Sie wird alle zwei Wochen getestet, da sie an zwei Tagen in der Woche in einer Kindertagesstätte arbeitet.

In drei Monaten habe die achtköpfige Familie fünf Teil-Quarantänen erlebt, fasst Markus Mühlenbeck zusammen. Insofern seien sie nunmehr sehr vorsichtig und werden an den Weihnachtstagen unter sich bleiben und auch nicht wie sonst in die Kirche gehen. Katrin Mühlenbecks Mutter sponsert einen Sauerbraten für die Nicht-Vegetarier unter den acht Mühlenbecks, und am ersten Feiertag ist ein virtuelles Kaffeetrinken samt Live-Bescherung mit ihrem Schwiegervater geplant. Außerdem haben Mühlenbecks einen Streaming-Zugang zum Stück „Aschenputtel“ vom Theater und Konzerthaus gekauft. Das werde bestimmt spannend und schön, freut sich Markus Mühlenbeck.

Bei Familie Biederbeck aus Wald hat man auch erst am vergangenen Wochenende entschieden, wie Weihnachten in diesem Jahr gefeiert werden kann. „Normalerweise sind wir an Heiligabend immer gemeinsam in den Kindergottesdienst gegangen, dann kamen alle Großeltern zur Bescherung zu uns“, erinnert sich Mutter Ilka Biederbeck an „normale“ Jahre.

In diesem Jahr möchte die Familie aber nichts riskieren. „Auf der einen Seite möchten wir natürlich die ältere Generation nicht gefährden“, erklärt Ilka Biederbeck. Dazu kommt, dass beide Eheleute im medizinischen Bereich tätig sind, Patrick Biederbeck als Oberarzt auf einer Intensivstation, Mutter Ilka als Radiologin und als Ärztin im Gesundheitsamt Wuppertal. Tochter Louisa macht zudem ihr Freiwilliges Soziales Jahr beim Palliativen Hospiz. „Das sind alles hochsensible Bereiche, da möchten wir natürlich nichts riskieren“, betont die dreifache Mutter.

So bekommt die Familie, zu der neben Louisa noch Lenny (9) und Maylina (7) gehören, in diesem Jahr „Besuch in Etappen“. Mittags ist der Opa zu Gast, am Nachmittag die Oma, und das andere Großelternpaar kommt am Abend. „Immer jeweils nur für einen kurzen Besuch und unter Hygiene-Richtlinien“, betont Mutter Ilka. Zudem hat das Ehepaar Antigen-Schnelltests gekauft, um ganz sicherzugehen.

Großmutter Gisela Kleem-Droß ist gerührt, wie viele Gedanken sich schon die Jüngste macht. „Maylina schlug vor, ich könnte ja schon zu Hause ein Butterbrot essen und dann bei der gemeinsamen Feier am anderen Ende vom langen Tisch sitzen.“ Über das, was in diesem Jahr nicht stattfinden konnte, wie das Backen mit den Enkeln, hat sie ein kleines Gedicht geschrieben (rechts).

Dinge erledigen, das stand auch bei Nicole Stock und ihrer Familie zu Beginn der Ferien an. Da musste erst mal der Katzen-Kratzbaum repariert werden, berichtet die Chemotechnikerin. Anschließend suchte sie mit ihrem Mann Michael Glawe und ihrer Tochter Leonie (16) nach einem Tannenbaum beim Verkauf in Widdert. Kurz vor Heiligabend ging es ans Plätzchenbacken.

Das mit dem Planen der Einkäufe bleibe, sagt die Solingerin. Anders ist für sie und ihre Familie dieses Jahr der Gottesdienst. Beim „Weihnachtsweg“ mit Stationen draußen an der Arche helfe sie, das sei ja für alle Neuland und abzustimmen. Einiges sonst sei wie in den anderen Jahren: den Garten beleuchten etwa. Nur die „Familienkreuzfahrt“, wie sie die Besuche um Weihnachten nennt, falle dieses Jahr aus. Geplant seien stattdessen kleine Tür- und Angel-Treffs zur Geschenkübergabe statt längerer Besuche oder Essen.

„Wir haben lange damit gerungen, wie wir feiern sollen.“

Markus Mühlenbeck

Ein ruhiges Weihnachten wird es in diesem Jahr auch bei Familie Sobetzko. „Vielleicht bleiben wir Heiligabend alle mal im Pyjama. Davon habe ich immer geträumt“, erzählt Magdalena Sobetzko. Über gemütliche Stunden auf dem Sofa würden sich auch die vier Kinder Amelie (9), Adam (7), Hanna (3) und Leon (7 Monate) freuen. Sonst feiern die sechs immer mit Michael Sobetzkos Familie. „Letztes Jahr waren wir Heiligabend mit seinen Eltern und den drei Geschwistern mit Partnern zusammen – insgesamt 20 Leute.“ Doch jetzt sind sie und der kleine Leon stark erkältet, und die Familie möchte nichts riskieren.

Also findet Weihnachten mit Bräuchen aus Magdalena Sobetzkos Heimat Polen im engsten Familienkreis mit Hündin Susi statt. „Wie es Tradition ist, teilen wir eine Oblate, wünschen einander etwas und bedanken uns für das, was wir haben.“ Beim Essen werde zudem für eine weitere Person gedeckt, wie es in Polen Tradition sei. „Falls spontan ein Gast kommt, darf er mit uns die Mahlzeit teilen.“ Heiligabend bereitet sie Pirogi – polnische Teigtaschen–, Kartoffelsalat und Fisch zu. Nach der Bescherung wollen sie mit den Kindern einen Weihnachtsfilm gucken. „Wir waren Weihnachten noch nie allein. Aber wir haben unsere Kontakte schon seit März stark eingeschränkt. Für die Kinder ist das zur Normalität geworden.“

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Corona: Impfaktionen in Solingen werden weiter ausgeweitet
Corona: Impfaktionen in Solingen werden weiter ausgeweitet
Corona: Impfaktionen in Solingen werden weiter ausgeweitet
Geplantes Musikfestival ist wegen Corona abgesagt
Geplantes Musikfestival ist wegen Corona abgesagt
Geplantes Musikfestival ist wegen Corona abgesagt
Stufe 2: Diese Corona-Regeln gelten in Solingen wieder
Stufe 2: Diese Corona-Regeln gelten in Solingen wieder
Stufe 2: Diese Corona-Regeln gelten in Solingen wieder
Radfahrer bei Zusammenstoß mit geparktem Fahrzeug lebensgefährlich verletzt
Radfahrer bei Zusammenstoß mit geparktem Fahrzeug lebensgefährlich verletzt
Radfahrer bei Zusammenstoß mit geparktem Fahrzeug lebensgefährlich verletzt

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare