Innenstadt

Hauptstraße bleibt großes Sorgenkind

Weniger Handel, mehr Wohnen, mehr Dienstleister, mehr Freizeit, das ist für die Stadt der Weg für die untere Hauptstraße. Wie, das will die Verwaltung zusammen mit den von ihr beauftragten Beratungsbüros für Stadtentwicklung und Stadtplanung kommende Woche erklären. Foto: Christian Beier
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Weniger Handel, mehr Wohnen, mehr Dienstleister, mehr Freizeit, das ist für die Stadt der Weg für die untere Hauptstraße. Wie, das will die Verwaltung zusammen mit den von ihr beauftragten Beratungsbüros für Stadtentwicklung und Stadtplanung kommende Woche erklären.

Nach dem Wegzug von Borgmann verschieben sich die Laufwege. Die Stadt kündigt Konzept an.

Von Philipp Müller

Der Umzug von Intersport Borgmann im September von der unteren Hauptstraße in die Clemens-Galerien reißt auf der Einkaufstraße eine weitere, riesige Lücke. Er wisse das, hatte Michael Borgmann gesagt. Aber in Sachen Umsatz und Ertrag sei er „bis zur Schmerzgrenze gegangen“, der Geschäftssitz sei nur noch zu halten gewesen, „weil wir sehr treue Kunden haben“. Für die Hauptstraße fordert er einen Masterplan. Denn: Die Wege in der City würden sich stärker auf den Bereich der wiederbelebten Clemens-Galerien und dem Hofgarten konzentrieren.

Standpunkt von Philipp Müller

Parallel zur Ankündigung des Umzugs von Borgmann hatte die Stadt für kommende Woche einen Sachstandsbericht zur Erweiterung des „Konzepts City 2030“ angekündigt. Seit Monaten ist die Verwaltung mit Verbänden, Hauseigentümern und Bürgern im Gespräch. Das Ziel formulierte Stadtdirektor Hartmut Hoferichter (parteilos): „Es geht um realistische Perspektiven und Lösungen, um dem Strukturwandel im Einzelhandel Rechnung zu tragen.“

Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) wiederholte am Mittwoch bekannte Argumente für die Fortschreibung des bestehenden Konzepts: „Das alles passiert mit dem Ziel, die Innenstadt als ansprechendes und zugstarkes urbanes Zentrum dauerhaft zu erhalten.“ Das bedeute einen Konzentrationsprozess, damit sei auch der Verzicht auf Einzelhandelsfläche verbunden.

Für Detlef Ammann, den Vorsitzenden des Werbe- und Interessenrings Innenstadt (W.I.R.), liegt die Lösung auf der Hand: „Wir müssen tatsächlich den Handel konzentrieren. Ab dem Stein am Breidbacher Tor bis zum Entenpfuhl sollten Geschäfte in Wohnungen und Büros umgebaut werden.“ Dienstleistern und Start-ups aus der digitalen Branche solle man dort die Ansiedlung schmackhaft machen. Borgmanns Schritt begrüßt der Modehändler: „Wenn ich 20 Jahre jünger wäre, hätte ich das auch so gemacht.“ Für die Clemens-Galerien sei der Intersport das „passende Zugpferd“. Weitere Händler sollten seinem Beispiel folgen und Leerstände in der Nähe besetzen. Ammann geht auch davon aus, dass die Entwicklung Kaufhof und P & C den Schritt erleichtere, neue Mietverträge für Solingen abzuschließen. Der von Kaufhof läuft zum Jahresende aus. P & C hatte Anfang 2016 verlängert, die Laufzeit unbekannt.

Dr. Norbert Zimmermann hatte vor einigen Wochen sein Kaufinteresse für die Clemens-Galerien erklärt. Das sei mit dem Einzug von Borgmann erledigt. „Ich begrüße das ausdrücklich. Das ist eine Lösung mit einem traditionellen und starken Händler.“ Für die untere Hauptstraße sieht der in der Immobilienbranche tätige Rechtsanwalt nur eine Chance: Es müsse jetzt radikal umgedacht werden, als Einzelhandelsstandort sei der Bereich im Grunde gestorben.

Norbert Zimmermann hat keine Kaufabsicht mehr für die Galerien

Die Forderung Borgmanns, dass die City dafür einen Masterplan brauche, unterstützt Zimmermann. Seine Idee: Die Stadt solle ein Planungsbüro mit einem zügig zu erstellenden detaillierten Vorschlag beauftragen, der diskutiert werden könne. Das sei zielführender als zunächst die Wünsche und Anregungen der Anwohner und Immobilieneigentümer zu sammeln.

Das Rathaus arbeitet bei der City-Konzeption mit den Beraterbüros Dr. Pump-Uhlmann sowie Junker + Kruse zusammen. Laut Stadtsprecher Thomas Kraft begrüßten beide Büros den Borgmann-Umzug. Dr. Holger Pump-Uhlmann sagte: „Im Zusammenspiel mit weiteren attraktiven Mietern können die Clemens-Galerien wieder zu neuem Leben erweckt werden. Dies ist entscheidend, um den Hauptgeschäftsbereich in Gänze wieder zu beleben.“ Der untere Teil der Hauptstraße erhalte die Chance, „diesen Bereich künftig neu aufzustellen“.

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KONZEPT CITY 2030

ABLAUF Noch für dieses Jahr hat die Stadt eine Fortschreibung des Integrierten Stadtteilkonzepts angekündigt. Vor der Sommerpause werden die Akteure der City zum Austausch eingeladen, zum Jahresende sollen die beauftragten Beratungsbüros Ergebnisse liefern. Zudem wird das Innenstadtmanagement noch neu besetzt.

ie FDP sieht auch die Chance, die untere Hauptstraße als Standort für Wohnen, Gastronomie, Dienstleistungen neu zu entwickeln. Dies müsse mit den Immobilienbesitzern umgesetzt werden. Für die Grünen ist „die Ansiedlung des Zukunftsbüros Innenstadt und des Jugendcafés dazu ein erster, richtiger Schritt“. Die AfD Solingen glaubt nicht an den Erfolg der Clemens-Galerien, wenn weiterhin nur an Händler vermietet werde: „Dieses Konzept ist bereits krachend gescheitert.“ 

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