Verkehrssicherheit

Harter Crash-Kurs soll junge Raser bremsen

Informierten beim Crash-Kurs (v.l.): Sabine Pohl, Katrin Grastat, Ulrich Schmidt, Savino Dörpfeld und Michael Webers. Bei der Veranstaltung im Friedrich-List-Berufskolleg zeigten sie auch den zerstörten Rollator der bei einem Unfall getöteten Mutter von Sabine Pohl. Foto: Christian Beier
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Informierten beim Crash-Kurs (v.l.): Sabine Pohl, Katrin Grastat, Ulrich Schmidt, Savino Dörpfeld und Michael Webers. Bei der Veranstaltung im Friedrich-List-Berufskolleg zeigten sie auch den zerstörten Rollator der bei einem Unfall getöteten Mutter von Sabine Pohl.

Polizei, Feuerwehr, Notfallseelsorger und Angehörige appellieren an 200 Jugendliche des Friedrich-List-Berufskollegs.

Von Simone Theyßen-Speich

Knallhart ist das, was Retter und Angehörige erzählen. Ein ungeschminkter Blick auf die traurige Realität. „Crash-Kurs. Realität erfahren. Echt hart.“ heißt das Programm, mit dem Mitarbeiter von Polizei, Feuerwehr, Notfallseelsorge und Angehörige junge Menschen wachrütteln wollen. Am Mittwoch informierten sie etwa 200 Schüler der Berufsschule und der Höheren Handelsschule am Friedrich-List-Berufskolleg.

Etwa 350 Jugendliche zwischen 18 und 24 Jahren verunglücken jedes Jahr im Bergischen Städtedreieck im Straßenverkehr. Jedes einzelne Opfer ist Grund genug, junge Menschen über genau diese Gefahren zu informieren.

„Wir möchten möglichst viele Schüler der Sekundarstufe II erreichen, weil dort die Fahranfänger sind, für die es gefährlich werden kann“, betont Ulrich Schmidt, Verkehrssicherheitsberater bei der Polizei. Wie gefährlich es im Ernstfall ist, zeigte ein Film auf drastische Weise. Unfallszenen, zerbeulte Autos und Motorräder, Notrufe der Polizei und immer wieder das Geräusch des Aufpralls. „Wir möchten euch bekannte, aber oft verdrängte Gefahrensituationen zeigen“, erklärte Schmidt die drastischen Bilder, wohl wissend, dass man dabei bei den jungen Zuschauern unter Umständen die Grenze des Ertragbaren erreicht.

Gezeigte Bilder sind kein Film, sondern Realität

Aber die Bilder sind echt – aufgenommen auch in der Klingenstadt. Ebenso echt wie der Unfall, den Verkehrserzieherin Katrin Grastat vor sechs Jahren, damals noch als Streifenpolizistin, erlebte. Eindringlich und sehr persönlich erzählt sie von dem 20-Jährigen, der mit seinem Auto in die Mauer an den Clemens-Galerien prallte – mit 110 Stundenkilometern. Er überlebte nur schwer verletzt.

Noch tragischer verlief ein Unfall vor zwei Jahren auf der Konrad-Adenauer-Straße, bei dem ein Motorradfahrer schwer verletzt wurde, sein junger Beifahrer sogar an den Folgen des Unfalls verstarb. Überhöhte Geschwindigkeit und Drogen ließen das Biker-Rennen zu einer Tragödie werden. Michael Webers von der Feuerwehr und Notfallseelsorgerin Simone Henn-Pausch erinnern sich an die furchtbaren Szenen, an die Gespräche mit den verzweifelten Eltern.

Nie vergessen wird auch Sabine Pohl den 25. November 2011. An dem Tag wurde ihre Mutter an einer Kreuzung in Wald von einem jugendlichen Autofahrer angefahren und getötet. „Es wühlt mich immer wieder auf, davon zu erzählen. Aber ich mache das, weil ich die Hoffnung habe, dass dadurch andere Unfälle verhindert werden“, betont sie.

Den anwesenden Schülern sind die Schilderungen offensichtlich nahe gegangen. „Ich habe gerade den Führerschein gemacht und habe das Tempo immer im Blick – jetzt umso mehr. Alkohol ist am Steuer sowieso Tabu“, erzählt Marcel Peters (17). 

VERKEHRSERZIEHUNG

POLIZEI Ulrich Schmidt, Katrin Grastat und Thomas Müller informieren als Verkehrserzieher in Kindergärten, Schulen, bieten Fahrradtraining und eben auch den Crash-Kurs an.

www.crashkurs.nrw.de

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