Interview

Haribo: Phantasia und Co. kommen meist aus Solingen

Steht an der Spitze des größten Haribo-Werkes: Roger Orthey leitet den Standort Solingen. Foto: Christian Beier
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Steht an der Spitze des größten Haribo-Werkes: Roger Orthey leitet den Standort Solingen.

Werksleiter Roger Orthey spricht mit dem Tageblatt über Bedeutung und Produkte des Standortes in der Klingenstadt.

Von Stefan Prinz 

Herr Orthey, hat man mehr Freunde, wenn man bei Haribo arbeitet?

Roger Orthey (lacht): Ja, das ist natürlich so. Als ich meinem Freundeskreis vor fünf Jahren mitgeteilt habe, dass ich bei Haribo anfange, haben alle breit gelächelt. Die Erwartung, dass ich regelmäßig Süßigkeiten mitbringe, ist natürlich schon vorhanden.

Welche Bedeutung hat das Werk in Solingen für Haribo?

Orthey: Für Haribo hat das Werk in Solingen eine sehr große Bedeutung. Wir beschäftigen hier rund 1000 Mitarbeiter. Von den fünf Haribo-Produktionsstandorten in Deutschland sind wir der größte Standort. Damit sind wir auch das größte Werk der Haribo-Unternehmensgruppe. Der Einfluss des Standortes ist somit sehr relevant und hat großes Gewicht auch auf die gesamten Unternehmensprozesse. Zu den genauen Produktionsmengen möchte ich nichts sagen – das ist ein Betriebsgeheimnis.

Warum hat sich Haribo bei der Gründung des Werkes für Solingen entschieden?

Orthey: Bereits im Jahr 1968 hat Haribo Anteile der Solinger Firma Dr. Hillers AG erworben. Im Jahr 1974 hat Haribo dann den Standort vollständig von den Gebr. Hillers übernommen und seitdem über Jahrzehnte sukzessive bis zur heutigen Werksgröße ausgebaut. Die Möglichkeiten einer Expansion des Standortes waren damals sicherlich wichtig bei der Entscheidung der Übernahme. Wir hatten hier die Möglichkeit, uns zu erweitern. Diese Möglichkeiten haben wir konsequent genutzt.

Haribo-Süßigkeiten sind in der ganzen Welt bekannt. Welche Leckereien werden in Solingen produziert?

Orthey: Wir in Solingen sind hauptsächlich auf die Herstellung von Fruchtgummi spezialisiert, wie zum Beispiel Phantasia. Egal, wo Sie auf der Welt eine Phantasia-Packung kaufen, mit hoher Wahrscheinlichkeit stammt sie aus Solingen. Darüber hinaus gibt es auch viele andere Produkte, die wir ausschließlich aus Solingen in die ganze Welt ausliefern. Dazu gehören unsere Berries und die beliebten Roulette-Rollen. Das sind ziemlich typische Produkte unseres Standortes. Ein weiteres ist natürlich der Goldbär.

Werden in Solingen auch Produkte entwickelt?

Orthey: Ja, wir haben hier eine eigene Forschungsabteilung. Hier am Standort Solingen entwickeln wir auch Haribo-Produkte. Ein sehr erfolgreiches Produkt, das hier bei uns am Standort entwickelt wurde, ist zum Beispiel der Milchbär.

Haribo hat in diesem Jahr einen neuen Hauptsitz mit moderner Produktion in Rheinland-Pfalz bezogen. Welche Rolle spielt der Standort Solingen in der künftigen Konzernstrategie?

Orthey: Wir sprechen ungern von einem Konzern, wir sehen uns eher als Unternehmensgruppe. Wie ich bereits sagte, werden wir in Solingen auch trotz der Errichtung des neuen Standortes in Grafschaft bei Bonn zukünftig eine sehr wichtige Rolle im Gesamtunternehmen darstellen. Aber: Der Produktionsstandort Solingen wird sich natürlich auch verändern müssen. Den deutschen Markt bedienen wir mit unseren Produkten sehr gut, im Ausland kann Haribo allerdings auch noch wachsen. Haribo-Produkte aus Solingen finden Sie mittlerweile verstärkt auf dem amerikanischen und dem asiatischen Markt.

Welche Veränderungen sind für das Werk in Solingen damit verbunden?

Orthey: Unser Werk in Solingen wird neben einer sich veränderten Produktlandschaft auch zukünftig noch stärker den Export beziehungsweise ausländische Märkte beliefern. Dies bringt auch noch einmal spezielle und andere Voraussetzungen mit sich. Hierfür werden wir uns optimal aufstellen.

Haribo liegt in Solingen mitten in der Stadt. Das führt oft zu einem hohen Verkehrsaufkommen vor dem Werk. Ist das ein Problem?

Orthey: Trotz der angespannten Verkehrssituation auf der Wuppertaler Straße bekommen wir das mit unseren ein- und ausgehenden Fahrzeugen gut hin. Problematisch wird es im Winter bei Schnee und Glätte mit Rückstaus. Die Straße hat Gefälle, das teilweise verhindert, dass unsere Lkw bei sehr winterlichen Verhältnissen zu uns durchkommen. Unser Lkw-Aufkommen ist zwar täglich hoch. Mir sind aber keinerlei Beschwerden von Anliegern bekannt, dass es deshalb zu Störungen des Verkehrs gekommen ist.

Lesen Sie auch: Wo die Welt einfach süß ist

Kann Ihnen die Stadt bei der Lösung dieses Problems helfen?

Orthey: Für größere Hilfeleistungen durch die Stadtverwaltung gibt es derzeit keinen Anlass. Uns hilft es am meisten, wenn die Stadt die Wetternachrichten aufmerksam verfolgt und rechtzeitig mit dem Winterdienst startet, damit es im Gefälle zu keinen Problemen kommt.

Welche Investitionen in das Werk sind geplant?

Orthey: In unseren Standort wird kontinuierlich investiert. Auch so können wir sicherstellen, dass wir uns permanent in Bezug auf Arbeitssicherheit, Qualität als auch Effizienzthemen stetig verbessern. Große Extrainvestitionen außerhalb dieser regelmäßigen Investitionen stehen aber in nächster Zeit am Standort Solingen nicht an.

Viele Unternehmen sorgen sich immer stärker um Fachkräfte. Wie ist es bei Haribo?

Orthey: 99 Prozent aller Deutschen kennen Haribo und allein der Name hat eine große Strahlkraft. Das hilft uns auch bei der Fachkräftesuche. Wir in Solingen spüren natürlich auch den zunehmenden Fachkräftemangel bei der Besetzung offener Stellen, speziell in den technischen Bereichen. Es ist zum Beispiel nicht mehr so leicht wie früher, einen guten Handwerker zu bekommen. Wir sind aber schon seit Jahren dabei, über gezielte, eigene Ausbildung in den entsprechenden Berufsfeldern für Nachwuchs aus den eigenen Reihen zu sorgen. Dabei sind wir sehr erfolgreich.

ZUR PERSON

PRIVAT Roger Orthey ist Werksleiter im Haribo-Standort Solingen seit dem 1. Januar 2015. Er ist 49 Jahre alt und verheiratet. Orthey ist Vater von drei Kindern und wohnt im Westerwald.

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